Frankreich: Familien-Ministerium wird Ministerium für Familien

Zuletzt aktualisiert am 7. März 2016 um 17:49

Aus dem Familien-Ministerium wird in Frankreich ab dem 4. März 2016 das Ministerium für Familien . Mit dem Plural solle deutlich gemacht werden, dass alle Arten von Familie anerkannt werden, so Staatspräsident Hollande.

Es ist letztlich nur eine kleine Namensänderung, die am 4. März 2016 im ‚Journal officiel‘ veröffentlicht wurde:

„Dans les décrets du 11 février 2016 susvisés, les mots : « ministre de la famille, de l’enfance et des droits des femmes » sont remplacés par les mots : « ministre des familles, de l’enfance et des droits des femmes ».“

Das bisherige „Ministère de la famille“ (Ministerium der Familie) heißt ab sofort „Ministère des familles“ (Ministerium der Familien). Es gehe ihm darum deutlich zu machen, dass alle Arten von Familie anerkannt werden, betonte Frankreichs Staatspräsident Hollande unter Verweis darauf, dass der alte Familien-Begriff an Werte des Pétain-Regimes erinnere, gegenüber Medien:

„Les recomposées, les monoparentales, de même sexe. Ce qui est réactionnaire, c’est de considérer qu’il n’y aurait qu’un seul et unique modèle familial.“
(Wiederverheiratete, Alleinerziehende, gleichgeschlechtliche Paare. Es ist reaktionär zu denken, es gäbe nur ein einziges Modell von Familie.“ Übers. UW)

Laurence Rossignol, jetzt Ministerin des Ministerium für Familien , im Oktober 2012 (Foto: ALRPMN, Lizenz cc-by-sa 3.0)
Laurence Rossignol, jetzt Ministerin des Ministerium für Familien , im Oktober 2012 (Foto: ALRPMN, Lizenz cc-by-sa 3.0)

Laurence Rossignol ist schon seit 11. Februar 2016 zuständige Ministerin und war zuvor 2 Jahre als Staatssekretärin zuständig für Familienpolitik. Sie erhält damit den neuen Titel „ministre des familles, de l’enfance et des droits des femmes“ (Ministerin für Familien, Kindheit und Frauenrechte“), wie sie auch auf Twitter mitteilte

Die Ministerin für Familien verdeutlichte die Bedeutung der Umbenennung zum Beispiel daran, dass in Frankreich annähernd 20% der Familien von Alleinerziehenden mit ihren Kindern gebildet werden. Die Entscheidung des Präsidenten reflektiere also die Entwicklungen in der französischen Gesellschaft – ohne irgend ein Familien-Modell zu bevorzugen:

„En prenant cette décision, le président de la République accompagne des évolutions de société“ und „“nous ne faisons pas la promotion d’un quelconque modèle de famille“
(Rossignol am 3.3.2016 auf dem französischen Info-Sender BFM-TV)

Es gehe um Diversität und die Inklusion aller Familien-Modelle, betonte der frühere stellvertretende Familien-Minister Dominique Bertinotti.

Seit Einführung der Möglichkeit gleichgeschlechtlicher Ehen im Jahr 2013 wurden bisher ungefähr 26.000 Homoehen in Frankreich geschlossen. Wie viele Familien mit Kindern sind, ist nicht bekannt. Bereits am 8. Juli 2010 hatte das Kassationsgericht in Frankreich entschieden, dass ein Kind zwei Eltern gleichen Geschlechts haben könne.

Ministerium für Familien – die Rechten protestieren

Die Homogegner der rechtskonservattiven ‚manif pour tous‘ (die massiv gegen die Enführung der Homoehe in Frankreich protestiert hatten), bezeichneten die Umbenennung in Ministerium für Familien in einer Stellungnahme als „Abschaffung der Familie“. Ein Abgeordneter der französischen Konservativen Les Républicains (bei denen die Homogegner zunehmend an Einfluß gewinnen) erklärte, die Umbenennung sei Ausdruck einer Ideologie, die hm gefährlich erscheine.

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Décret du 3 mars 2016 modifiant les décrets du 11 février 2016 relatifs à la composition du Gouvernement

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