die Girondisten – die Revolution frisst ihre Kinder

Zuletzt aktualisiert am 1. November 2018 um 9:22

Frankreich 31. Oktober 1793, Ermordung der Girondisten – „Die Revolution frisst ihre Kinder“. Brissot, Gensonné, Boyer-Fonfréde, Ducos und zahlreiche weitere Girondisten werden umgebracht. Als letzter wird Vergniaud, einer ihrer Anführer, zum Schafott geführt. Erschüttert über den Tod seiner Weggefährten und in Erwartung seiner eigenen Ermordung sind seine letzten Worte „Ich weiß wohl — die Revolution ist wie Saturn, sie frißt ihre eigenen Kinder.

Sie waren ‚gemäßigte Revolutionäre“, die Gruppe der Girondisten. BrissotVergniaud, Roland de la Platiere oder Condorcet – die meisten Girondisten waren Republikaner aus gutbürgerlichen bis vermögenden Verhältnissen, oftmals Anwälte oder Händler. Ihren Namen hatten sie von ihrer Herkunftsregion – sie stammten überwiegend aus dem Südwesten Frankreichs, meist aus der Gironde.

Zeitgenössisch wurden die Girondins meist Brissotins oder Rolandins genannt, nach einem ihrer Anführer, Jacques Pierre Brissot bzw. nach dem Girondisten-Minister Jean-Marie Roland de La Platière. Erst Lamartine popularisierte mit seiner 1847 veröffentlichten achtbändigen ‚Histoire des Girondins‚ den Namen Girondins (deutsch: Girondisten).

Politisch waren die Girondisten zu Beginn der französischen Revolution im Lager der Republikaner organisiert. Sie waren Gegner der Monarchie wie auch Gegner der konstitutionellen Monarchie der Verfassung von 1791, kämpften für die Einheit der Republik, vertraten wirtschaftspolitisch allerdings eher protektionistische Positionen.

Die Ermordung der Girondisten

Einen Wendepunkt für die vergleichsweise pragmatisch orientierten Girondisten stellten die so genannten September-Massaker dar – zwischen dem 2. und 6. September 1792 brachte eine hysterisierte Menge über 1.200 Revolutions-Gegner und andere Gefangene um.

Septembermassaker - Massaker an den Gefangenen im Grand Châtelet de Paris im September 1792, Radierung, vor 1900
Septembermassaker – Massaker an den Gefangenen im Grand Châtelet de Paris im September 1792, Radierung, vor 1900

Die vom Girondisten Brissot herausgegebene republikanische Zeitung ‚Le Patriote français (1789-93) war anschließend die einzige, die die Massaker verurteilte. Fortan verfolgten die Girondisten einen eher gemäßigten Kurs, forderten angesichts des Terrors ein Ende der Revolution – was sie spätestens 1793 in direkte Gegnerschaft zu Robbespierre und den Jakobinern brachte.

Schon kurze Zeit nach den Septembermassakern, im Oktober 1792, wurde Brissot aus dem Jakobiner-Club ausgeschlossen, die Girondisten bildeten eine eigene etwa 200 Abgeordnete starke Gruppierung. Sie galten als über wiegend atheistisch eingestellt und dem Wirtschaftsliberalismus nahestehend.

Am 10. März 1793 wurde auf Vorschlag Dantons ein außerordentliches Strafgericht, das Revolutions-Tribunal wieder eingerichtet (tribunal révolutionnaire, bis 20. Oktober 1793 tribunal criminel extraordinaire; erstmals eingerichtet August bis November 1792).

Bereits am 31. Mai 1793 versuchten die Jakobiner um Marat und Robbespierre erstmals, mit Hilfe der Sansculotten die Girondisten zu stürzen.

ein ' sans culotte ' der Revolutions-Armee, Flachrelief , 1793, Musée d'Aquitaine Bordeaux
ein ‚ sans culotte ‚ der Revolutions-Armee, Flachrelief , 1793, Musée d’Aquitaine Bordeaux

Ein zweiter Versuch zwei Tage später, diesesmal mit Hilfe von 80.000 Sansculotten (Sansculotten-Aufstand, im Französischen auch genannt ‚Journées du 31 mai et du 2 juin 1793‚), war erfolgreich. Umstellt und mit Kanonen bedroht, ließ der Nationalkonvent die geforderte Ächtung der 22 girondistischen Abgeordneten zu. Vergniaud und andere wurden unter Hausarrest gestellt. Brissot wurde am 10. Juni 1793 in Moulins im Burgund verhaftet.

Am 22. Oktober 1793 klagte das Revolutionstribunal die Abgeordneten der Gironde an. Acht Tage später, am 30. Oktober 1793, wurden sie zum Tod verurteilt.

Le Dernier banquet des Girondins (Das letzte Mahl der Girondisten), Henri Félix Emmanuel Philippoteaux um 1850
Le Dernier banquet des Girondins (Das letzte Mahl der Girondisten), Henri Félix Emmanuel Philippoteaux um 1850

Am 31. Oktober 1793 wurden 21 Girondisten mit dem Fallbeil hingerichtet.

Gegen Ende des Terrors (Schreckensherrschaft), ab Ende 1793, begannen Pariser, an die Fassaden ihrer Häuser zu schreiben „Einheit, Unteilbarkeit der Republik; Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit oder der Tod“ – später verdichtet zu ‚Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit‘, den Werten der Republik.

Das Revolutionstribunal verurteilte in den 28 Monaten seines Bestehens insgesamt 2.807 Personen, davon 2.742 zum Tod. Robbespierre wurde am 27. Juli 1794 (9. Thermidor des Jahres II im Revolutionskalender) gestürzt und am 28. Juli enthauptet, der Terror endete. Am 31. Mai 1795 wurde das Revolutionstribunal wieder abgeschafft

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Pierre-Victournien Vergniaud

Der Rechtsanwalt und Revolutionär Pierre-Victournien Vergniaud war neben Brissot einer der Anführer der Girondisten.

Pierre Victournien Vergniaud, Büste von Charles Auguste Arnaud, Bordeaux Musée d'Aquitaine
Pierre Victournien Vergniaud, Büste von Charles Auguste Arnaud, Bordeaux Musée d’Aquitaine

Vergniaud wurde am am 31. Mai 1753 in Limoges geboren und am 31. Oktober 1793 in Paris durch das Schafott hingerichtet.

Bekanntheit erlangte Vergniaud durch seinen kurz vor seiner Hinrichtung am 31. Oktober 1793 geäußerten Spruch „Die Revolution ist wie Saturn, sie frisst ihre eigenen Kinder“ (von Büchner aufgegriffen in ‚Dantons Tod‚), der in der verkürzten Form „Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder“ bis heute verwendet wird …

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Ehrung der Girondisten – Bordeaux, Monument aux Girondins

1881 beschloss der Stadtrat von Bordeaux, Hauptstadt der Gironde, nach mehreren vorherigen erfolglosen Bemühungen ein Monument für die Girondisten zu errichten.

Realisiert wurde der (aus dem Wettbewerb nur als zweiter Platz hervorgegangene) Entwurf von Achille Dumilâtre (1844 – 1923) auf der Esplanade des Quinconces. 1902 werden die 1894 begonnenen Arbeiten fertiggestellt

Bordeaux Monument aux Girondins
Bordeaux Monument aux Girondins
Bordeaux Monument aux Girondins- Gedenktafel für (einige der) Girondisten
Bordeaux Monument aux Girondins- Gedenktafel für (einige der) Girondisten

Brunnenfiguren und Bronze-Dekor werden 1943 (während der Besetzung Frankreichs durch NS-Deutschland) von den deutschen Truppen beschlagnahmt. Sie sollen eingeschmolzen werden, dazu kommt es jedoch nicht mehr. Bis 1980 lagern sie vergesen in Angers – und sind erst seit 1983 wieder  am Monument des Girondins.

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