DAH Porno 90 – lebensnahe HIV Prävention 1990

Zuletzt aktualisiert am 6. Juni 2018 um 0:39

Ein Porno sorgte 1989 / 90 für Aufregung, der DAH Porno 90 – knapp 24 Minuten Sex im Dienste der lebensnahen HIV-Prävention. Ein schwuler Porno, dazu staatlich fiannziert, das war manchen zu viel, Kontroversen folgtern. Der Porno 90 – ein noch heute wegweisendes Projekt.

Der DAH Porno 90 war für seine Zeit sehr innovativ – und er wurde kontrovers diskutiert.

DAH Porno 90
DAH Porno 90

Das Cover der VHS informierte über den DAH Porno 90

„Es wird gezeigt, daß auch Safer Sex Spaß macht. Dieser Porno soll in Gesprächskreisen die Thematisierung von schwuler Sexualität und Safer Sex erleichtern. Darüberhinaus wird er an den üblichen Abspielorten für Pornos eingesetzt.“

Der ‚ DAH-Porno ‚ befand sich auf einer VHS „Safer Sex – Filme von Wieland Speck“. Diese beinhaltete auch

  • GAY TV (11:49)
  • Mehr als nur einen (4:06)
  • Discver your rubber (8:49)
  • Mach Freunde mit Gummi I (3:37)
  • Mach Freunde mit Gummi II (6:49)

Darsteller in ‚Gay TV‘ waren dabei u.a. Detlev Meyer und Max Goldt; Drehbuch, Regie und Produktion Wieland Speck.

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DAH Porno 90 – kontroverse Reaktionen

Im DAH-Forum Sonderband ‚Aspekte der AIDS-Diskussion auf internationalen AIDS-Kongressen 1989 : Montreal – Wien – New York‚ erinnern sich Wieland Speck und Hans Hengelein, damals in der DAH Referent für Menschen mit HIV. Der Stand der DAH auf der 5. Welt-Aids-Konferenz 1989 in Montreal sei „belagert vom ersten Tag an“ gewesen, der ‚Porno ’90‘ war „dann natürlich der Hit an der ganzen Sache“ (Speck), mit erstaunlichen Beobachtungen:

Ein anderes Phänomen mit dem Porno war, dass es mindestens genauso viele Frauen wie Schwule gab, die schon früh morgens nach der nächsten Aufführung des Pornos fragten“ (Hengelein)

Der ‚Porno 90‘ führte zu Problemen mit dem Ministerium. Hans Hengelein erinnert sich

ich habe auch keine Angst, mich mit dem Ministerium herumzuschlagen, denn wenn man sich Präventionskonzepte überlegt, dann sind sie vielfältig. Und das visuelle Herangehen ist genausop wichtig wie die Broschüren oder wie das gesprochene Wort. … Pornographie wurde plötzlich in der Öffentlichkeit konsumiert, ohne dass es darüber eine wirkliche Auseinandersetzung gab.

Doch nicht nur Politik und Verwaltung reagierten teilweise irritiert – auch aus Aidskreisen gab es Proteste. So regte sich die französische Aidshilfe-Organisation Aides [die damals selbst vom Blasen abriet, zur Not sei Blasen mit Kondom angesagt; d.Verf.] in Montreal auf, „dieser Film ist Mord„.

Und als ACT UP den DAH Porno 90 auch bei den ACT UP Aktionen beim Deutschen Aids-Kongress 1990 in Hamburg zeigte, gab es ebenfalls Proteste. Bernd Aretz, damals im Vorstand der Deutschen Aids-Hilfe, berichtet darüber jüngst (in einem Kommentar):

„Das war doch das Jahr [1990, d.Verf.], in dem die DAH einen Aufklärungsporno veröffentlichte, von dem sich manche Standardproduktion eine Scheibe hätte abschneiden können. Den hattet Ihr [ACT UP auf dem 2. Deutschen Aids-Kongress 1990 in Hamburg, d.Verf.] gezeigt, Prof. Dietrich [Präsident des Kongresses, d.Verf.] untersagte das. Daraufhin sorgte ich in vermutetem Einverständnis mit den Vorstandskollegen dafür, dass er am DAH-Stand gezeigt wurde – und zwar unentwegt. Prof. Dietrich behauptete erst mal, Aussteller hätten sich beschwert, was sich bei einer Nachfrage als unzutreffend ergab, dann mussten die unschuldigen sittlich gefährdeten Kinder auf dem Kongress herhalten und wir teilten – ich glaube Act Up und DAH gemeinsam – der Presse einen Zeitpunkt mit, zu dem ihr die Vorführung wieder übernehmen würdet. Ich bin, nachdem ich schon in Pornokinos bei laufendem Betrieb Fetischlesungen gemacht habe, strapazierfähig, aber ich glaube, den Mitarbeitern der DAH wurde es auf Dauer etwas zu viel.“

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Der DAH Porno 90 war – anders als oft dargestellt – nicht der erste seiner Art. Bereits 1985, darauf weist Wieland Speck im DAH-Forum Sonderband (s.o.)  hin, gab es Ähnliches in New York von Gay Mens Health Crisis (GMHC), auch staatlich finanziert, wenn auch mit weit weniger Erfolg und Aufmerksamkeit.

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