Johan (Philippe Vallois, Frankreich 1976)

Ein bemerkenswerter, nur wenig bekannter Film: “ Johan “, ein schon im Sommer 1975 entstandener Spielfilm im Stil einer Dokumentation (mockumentary). Obwohl er um einige der explizitesten Szenen gekürzt wurde, kam er damals nur zensiert in die Kinos. 1996 wiederentdeckt, kam Johan erst 2008 erstmals in deutsche Kinos (in unzensierter Fassung).

Regisseur Philippe Vallois (geb. 27. August 1948 in Bordeaux) erzählt die Geschichte von Johan, der Hauptfigur des Films. Nur, Johan sitzt im Knast – und bleibt den gesamten Film lang unsichtbar. Stattdessen sucht der Regisseur Ersatz, an allen Orten die das schwule Leben im Paris Mitte der siebziger Jahre zu bieten hatte, in Saunen und Bars, bei Freunden und Feinden von Johan.

Entstanden ungefähr zeitgleich mit ‘La cage aux folles’ (‘Ein Käfig voller Narren’), ist dieser Film doch das ganze Gegenteil – ein Paradebeispiel eines schwulen Lebensstils noch vor der Industrialisierung des Sex, vor geklonten Pseudo-Freiheiten.

Und er zeigt dabei ein Leben weit in Zeiten vor Aids, eine Zeit vor dem ersten CSD (damals noch gay pride) in Europa. Zeit ein Leben, das sich so mancher meiner Freunde und Bekannten, die ihr Coming Out erst später, erst in den Jahren schon mit HIV hatten, kaum vorstellen kann.

Johan – Trailer:

Ein Film voll, so die Besprechung im Berliner schwulen Stadtmagazin ‘Siegessäule’ (Ausgabe März 2008), voll “offen und schuldlos gelebter Sexualität”. Der Rezensent schließt an, dieser Film sei ein Dokument, wohl wahr. Ein Dokument, so der gleiche Rezensent weiter, “aus einer Welt, die keine zehn Jahre später durch Aids unwiederbringlich verloren war, für immer.

Ich stutzte, irgend etwas rebelliert spontan in mir. Noch einmal lesen. Genau.

Ja, diese Welt war nur wenige Jahre später verloren, diese Welt einer unschuldigen, naiven und hemmungslosen Sexualität. In diesem Punkt empfinde ich ähnlich wie der Rezensent.

Aber – warum dieses apodiktische “für immer”?

Warum diese Schere im Kopf? Warum diese freiwillige Kastrierung eigener Hoffnungen?

Ist es nicht vorstellbar, dass es auch wieder eine Zeit ohne HIV, ohne Aids gibt? Oder eine Zeit, in der HIV ‘nur’ irgendeine weitere dieser lästigen, aber letztlich behandelbaren sexuell übertragbaren Infektionen ist? Eine Zeit in der Aids nicht mehr die potenziell tödliche Bedrohung ist?

Warum keine Visionen? Und wenn sie derzeit vielleicht auch als Utopien erscheinen mögen?

Ich will diese Hoffnung nicht aufgeben …
… diese Hoffnung auf eine Heilung
… diese Hoffnung auf eine neue Zeit ohne HIV und Aids

“Wer keinen Mit zu träumen hat, hat keine Kraft zu kämpfen”

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Johan

(weiterer in Frankreich verwendeter Titel: Johan, carnet intime homosexuel, auch Johan – mon été ’75; in Deutschland auch Johann – mein Sommer ’75)
Frankreich 1976, 81 Min.
ausgewählt für das Filmfestival Cannes 1976 (Section parallèle)
Uraufführung in Frankreich 17. Mai 1976 ( Cannes, Pespectives), 2. Juni 1976 (Kinos), 11. April 2007 (Grenoble, Wieder-Aufführung)
Regie: Philippe Vallois
Drehbuch: Philippe Valois, Laurent Olivier
Darsteller: Walter Maney, Georges Barber, Eric Guardagnan, Marie-Christine Weill, Philippe Vallois

Dazu:
Johan – Secrets du tournage (Philippe Vallois, 2006)

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meine Mütter – Rosas Suche nach der Mutter

Am 6. März 2008 hatte Rosa von Praunheims neuer Film “ meine mütter – Spurensuche in Riga” NRW-Premiere im Kölner ‘Filmhaus’.

Rosa von Praunheim wurde geboren als Holger Mischwitzky, am 25. November 1942 in Riga. Kurz nach seiner Geburt flüchteten seine Eltern, über Berlin in den Frankfurter Raum.

Seine Eltern?
Kurz vor ihrem Tod erzählt ihm seine damals weit über 90jährige Mutter, Rosa sei nicht ihr leibliches Kind, vielmehr habe sie ihn in einem Kinderheim in Riga ‘gefunden’. Mehr nicht, keine weiteren Angaben.

Rosa macht sich auf die Suche. Auf die Suche nach Spuren seiner Herkunft, Spuren seiner Mutter, seines Vaters. Spuren, die ihn tief in die deutsche und lettische Geschichte führen. Spuren, die er in dem Film “meine mütter – Spurensuche in Riga” dokumentiert.

Rosa von Praunheim bei der Premiere von "meine mütter"
Rosa von Praunheim bei der Premiere von „meine mütter“

Die Suche führt in Berliner Archive, norddeutsche Kleinstädte, zu Treffen von Heimatvertriebenen und in triste Knäste und Krankenanstalten. Zu möglichen Vätern, und zur leiblichen Mutter sowie der realen Geburtsurkunde.

Rosa von Praunheim dokumentiert in einem sehr persönlichen Film neben einem Ausschnitt seiner eigene Biographie auch ein Stück deutscher Zeitgeschichte.

Rosa von Praunheim bei der Premiere von "meine mütter"
Premiere von „meine mütter“
Rosa von Praunheim bei der Premiere von "meine mütter"
Rosa von Praunheim bei der Premiere von „meine mütter“

Der Film stieß bei seiner (nicht gut beworbenen und nur mäßig besuchten) NRW-Premiere auf etwas verhaltene Resonanz.

Hinterher sind mein Mann und ich verschiedener Ansicht. Mein Mann mag den Film spontan, schätzt gerade die als spannend empfundene Verknüpfung zwischen persönlicher und deutscher Geschichte. Einige Passagen von Rosa von Praunheims neuem Films erscheinen mir hingegen als larmoyant, manchmal ‘soßig’, viele spekulativ. Allerdings, sehr zu schätzen, Rosa geht wie immer respekt-, geradezu liebevoll mit seinen Figuren um, lässt sie zu Wort und zu ihrem Recht kommen. Insgesamt ein warmer, netter aber doch mir nicht übermäßig bemerkenswert erscheinender Film.

Rosa von Praunheim: ‘meine mütter – Spurensuche in Riga’, Dokumentarfilm, Deutschland 2007, 87 min.

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Das Boot (1981) in Bonn

Bei der ‘Oscar’-Verleihung im Jahr 1983 war der Film ‘ Das Boot ’ für insgesamt sechs Oscars nominiert. National und international erhielt der zunächst umstrittene Film zahlreiche Preise. Eine Ausstellung in Bonn erinnerte Ende 2007 / Anfang 2008 an die Entstehungsgeschichte des Films und historische Hintergründe, beleuchtete Mythen und Legenden.

Ausstellung 'Das Boot' in Bonn
Ausstellung ‚Das Boot‘ in Bonn
Ausstellung 'Das Boot' in Bonn
Ausstellung ‚Das Boot‘ in Bonn

In Bonn erinnerte im ‘Haus der Geschichte’ Ende 2007 / Anfang 2008 eine Ausstellung an den Film ‘Das Boot – Geschichte . Mythos . Film’. Die Ausstellung basierte auf der Ausstellung ‘Das Boot revisited’ im Deutschen Filmmuseum Frankfurt 2006.

Auf persönlichen Erinnerungen basierend, schrieb Lothar-Günther Buchheim den 1973 erscheinenden Roman ‘Das Boot’. Mehrere Bemühungen um Verfilmungen scheiterten an Einsprüchen des Autors, bis die Bavaria 1975 einen Vertrag mit Buchheim schloss und schließlich Wolfgang Petersen die Regie übernahm.

Die Ein- und Auslauflaufszenen sowie Szenen im U-Boot-Bunker entstanden in Frankreich in La Rochelle (während diese Szenen in Buchheims Roman in St. Nazaire spielen). Dort im originalen U-Boot-Bunker von La Rochelle / La Pallice wurden trotz teilweiser Zerstörung des 1:1-Modells bei Dreharbeiten im Sturm die Schluss-Szenen der Bombardierung des U-Boots gedreht. Die Szenen ‘auf freier Fahrt im Meer’ hingegen entstehen teilweise auf dem Bodensee.

La Rochelle U-Boot-Bunker im Hafen La Pallice
La Rochelle U-Boot-Bunker im Hafen La Pallice

Für 32 Millionen DM entstand 1980/81 ein Film, der bist heute mit annähernd sechs Millionen Besuchern zu den zehn erfolgreichsten deutschen Filmen zählt. Ein Film mit bewegender Musik (Klaus Doldinger) – und ein Film mit sehr kontroversem Echo, insbesondere dem Vorwurf der Mythisierung des U-Boot-Kriegs.

Ausstellung 'Das Boot' in Bonn 2008
Ausstellung ‚Das Boot‘ in Bonn 2008

Die Ausstellung kombinierte Bilder und Original-Requisiten des Films mit historischen Berichten und Dokumenten zum Einsatz der U-Boote und ihrer politischen Bedeutung. Durch diese Erweiterung um historische Hintergründe vermied die Ausstellung Heroisierungen. Für den Besucher wurde eine über die Entstehungsgeschichte des Films hinausgehende Einordnung und Bewertung möglich.

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Das Boot

Film von Wolfgang Petersen nach dem gleichnamigen Buch von Lothar Günther Buchheim. Uraufführung 17. September 1981 in München

Das Boot – Versionen

Kinofassung (1981; 149 Min.)
TV-Fassung (1985 als Dreiteiler in deutsch erstgesendet 2x 105 Min. plus 1x 98 Min, 1987 erstgesendet als Sechsteiler 6x 52 Min.)
Director’s Cut (1997; 208 Min.)

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Derek Jarman Blue – again

“Blue”, der wegweisende, unter die Haut gehende Film des Regisseurs Derek Jarman, ist in digitaler Version jetzt wieder in den Kinos.

“Blue” ist in meinem Augen (ähnlich wie Susan Sontags “Aids und seine Metaphern”) ein ‘Muss’ der kulturellen Auseinandersetzung mit Aids.
Claus Gillmann (gest. 29.8.1994), Weggefährte in früheren Jahren von schwulen- und aidspolitischem Engagement, schrieb 1994 über Blue:

„Die Leinwand ist – blau. Etwa 70 Minuten lang. Sonst nichts. Alltags- und Naturgeräusche, Gesprächsfetzen, meditative Musikelemente sind nur zu hören. Ein Monolog Jarmans bringt Erinnerungen, Bobachtungen und Reflexionen. Mitunter sarkastisch kommentiert er seine Krankheit.
‚Blue is darkness made visible’ sagte er einmal und lieferte damit den Schlüssel für die ästetische Umsetzung seiner Erfahrung. Das monochrome Blau setzt den Zuschauer der Befindlichkeit des in Folge von AIDS Erblindeten -Jarmans Realität- in radikaler Weise aus. Dem entginge man nur, wenn man seine Augen verschlösse. ‚Blau’ steht aber auch für die quälende Ungewissheit (‚incertainty’) der verrinnenden und noch zu lebenden Zeit bis zum gewissen Tod. ‚Blue’ ist nun wohl Jarmans letzter Film. Opulente Bilderfülle und Farben, wie wir sie etwa von ‚Caravaggio’ oder ‚Edward II’ kennen, wird es nicht mehr geben. ‚Blue’ ist eines der überzeugendsten Dokumente der vieldiskutierten ‚AIDS-Kultur’ – und das ganz persönliche Vermächtnis eines engagierten Künstlers.“
(Claus Gillmann in ‘Boulevard HIV’ Januar 1994),

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‚Blue‘ ist der letzte Film des Regisseurs und Malers Derek Jarman (31. Januar 1942 Northwood – 19. Februar 1994 London). ‚Blue‘ hatte am 19. September 1993 Premiere – hierfür kam es zu einer außergewöhnlichen Zusammenarbeit zwischen dem TV-Sender Channel 4 und dem radiosender BBC Radio 3. Beide strahlten zeitgleich aus, so dass Zuschauer den Film mit Stereo-Ton genießen konnten.

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Text von ondamaris auf 2mecs 25.01.2016

Hans Poelzig – Ausstellung

Bereits seit Mitte Oktober findet in der Akademie der Künste die Ausstellung “Hans Poelzig – Architekt Lehrer Künstler” statt.

Hans Poelzig (1869 bis 1936) war zunächst Architekt des ‘Heimatstils’ (wie bei der Erweiterung des Rathauses in Löwenberg). Bald jedoch entwarf er freier, fließender, bis hin zu expressionistischer Architektur – am beeindruckendsten in den Bauten für den expressionistischen Film “Der Golem, wie er in die Welt kam“von 1920 (Architektur-relevante Ausschnitte in der Ausstellung zu sehen).

Die Ausstellung in der Akademie der Künste in Berlin zeigt in insgesamt 12 Abteilungen die beeindruckende Vielfalt des Schaffens von Hans Poelzig anhand von Zeichnungen und Skizzen, historischen Fotos, Architekturmodellen oder Planungsunterlagen. Eine Entwicklung von frühen Anfängen des Heimatstils über Denkmal-Entwürfe und Planungen für Stadtraum-Gestaltungen (Platz der Republik) bis zu Höhepunkten wie dem großen Schauspielhaus (1920) in Berlin (später: der 1985 abgerissene Friedrichstadtpalast)

Hans Poelzig Ausstellung

oder auch dem Haus des Rundfunks (1928; Foto Seiten-Treppenhaus).
Im Vorraum der Ausstellung kann zudem in einer Video-Dokumentation betrachtet werden, welche Bauten von  Hans Poelzig bis heute überdauert haben.

Mich persönlich faszinieren das Schauspielhaus Berlin sowie das Haus des Rundfunks am meisten, während viele andere Entwürfe und Realisierungen so gar nicht ‘meine Welt’ sind. Poelzigs Architektur, die teils sehr stark Emotionen anspricht, empfinde ich oftmals als eher im Kontrast stehend zu der persönlich eher geschätzten rationalen, funktionalen Architektur.

Dennoch, es ist beeindruckend selbst anhand von Zeichnungen, Fotos, Architektur-Modellen und Filmausschnitten mit zu erleben, wie Poelzig sein ganzes Leben lang offen blieb für Neues, neue Strömungen aufnahm und in sein Schaffen integrierte ohne sich untreu zu werden.

Die Ausstellung wurde verlängert und ist in Berlin noch bis 6. 20. Januar 2008 zu sehen.

Ab 1. März 2008 (bis 18. Mai) ist die Ausstellung anschließend im Deutschen Architektur-Museum Frankfurt/ Main zu sehen.

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Aktualsierung
13.04.2013: Einen Bau von Hans Poelzig entdeckten wir im April 2013 in – Wolgast, die Sparkasse Wolgast.

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Messias in Rosa?

Oh Gott, ja, man braucht pointierte Schlagzeilen, um Aufmerksamkeit zu wecken. Selbst, vor allem auch beim Spiegel.

Aber gleich so?

“der schwule Messias”
“der große Held des deutschen Queer-Films”
“der Held des schwulen deutschen Kinos schlechthin”

Geht’s noch dicker?
Gut, Rosa von Praunheim hat Geburtstag, einen besonderen, wird 65.

Und ja, einige seiner Filme schätze ich sehr – mein persönlicher Favorit ist “Anita“, der Film über Anita Berber mit Lotti Huber.
Und die Wirkung von “Nicht der Homosexuelle ist pervers …” ist auch kaum zu überschätzen.

Aber gleich zum Messias erklären?

Manchmal frage ich mich eher, ob nicht die Rente doch wieder mit 65 eingeführt werden sollte …
… oder zumindest ‘Antimoralin’ ausgegeben werden könnte …

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Der Bürgermeister der Castro Street

„The Mayor of Castro Street“ – unter diesem Titel wird das Leben des US-Politikers und schwulen Bürgerrechtlers Harvey Milk verfilmt. Im Januar soll mit den Dreharbeiten begonnen werden.

Harvey Milk war der erste offen schwule Stadtrat in San Francisco. Vermutlich war er der erste offen schwul lebende Politiker überhaupt in den USA.
Er wurde 1977 in den San Francisco Board of Supervisors gewählt. Unter Bürgermeister George Moscone gelangen ihm einige wesentliche Verbesserungen für Lesben und Schwule in San Francsico, unter anderem brachte er ein ‚gay rights bill‘ ein und verhinderte eine Verordnung, die offen schwul und lesbisch lebende LehrerInnen an der Berufsausübung gehindert hätte.

Harvey Milk konnte nur elf Monate als Stadtrat arbeiten. Am 27. November 1978 wurde Milk vom ehemaligen Stadtrat Dan White erschossen. Auch Bürgermeister Moscone fiel dem Attentat zum Opfer.

Der Attentäter Dan White wurde im Mai 1979 verurteilt. Das Strafmaß (sieben Jahre Gefängnis) wurde von vielen Einwohnern San Franciscos als skandalös niedrig empfunden. Es kam zu massiven Demonstrationen und schweren Zusammenstößen mit der Polizei (bekannt als White Night). Bei anschließenden Aktionen der Polizei wurden mehrere schwule Bars in der Castro Street zerstört.

Milk selbst hatte mit Gewaltaktionen gegen ihn gerechnet. Er hatte Tonbänder vorbereitet, die gespielt werden sollten für den Fall, dass er Opfer eines Attentats werde. „Sollte eine Kugel mein Gehirn treffen, lasst diese Kugel jede Schranktür zerstören“ (Schrank -> closet, Symbol für den (unfreiwillig) nicht offenen, den ‚Schrank-Schwulen‘).

Nach seinem gewaltsamen Tod wurde Milk endgültig zu einer schwulen Ikone, zu einem Symbol eines neu erwachten schwulenpolitischen Bewusstseins im San Francisco der 1970er Jahre. Viele Orte und Zentren schwulen- und lesbenpolitischen Lebens und Engagements wurden nach ihm benannt, am bekanntesten vielleicht die ‚Harvey Milk Highschool‘ in New York (inzwischen eine öffentliche High School). Das Leben Harvey Milks wurde von Rob Epstein unter dem Titel ‚The Times of Harvey Milk‘ verfilmt.

Der Regisseur Gus van Sant wird nun das Leben von Harvey Milk als Spielfilm (BioPic) verfilmen. Beginn der Dreharbeiten soll nach jahrelangen Vorarbeiten im Januar 2008 sein. In den Hauptrollen sollten als Darsteller des Harvey Milk Sean Penn sowie als Darsteller des Dan White Matt Damon im Gespräch sein. Damon solle aber aus terminlichen Gründen doch abgesagt haben, wie pinknews berichtet.

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Text von ondamaris auf 2mecs 22.01.2016

einfach nett

Einfach nett finde ich es von Arte, dass sie mich erst wochenlang jeden Montag mit dem hervorragenden ReGenesis – Serial unterhalten haben, und dann heute auch noch “Mein Wunderbarer Waschsalon” oben drauf geben …

Wie schön, diesen Film endlich mal wieder zu sehen (und aufnehmen zu können).
Erinnerungen an damals, als er raus kam, Mensch, über zehn mal hab ich ihn vor Begeisterung im Laufe der Zeit im Kino gesehen … und schöne Erinnerung an eine Geburtstags-Party, die in Anlehnung an den Film im Waschsalon Brüsseler Strasse stattfand … lang lang ist’s her, seufz … ;-)

Danke, Arte :-)

PS:
Der “Wunderbare Waschsalon” wird wiederholt auf Arte am 2. Mai (0:55 Uhr) und am 7. Mai (14:55 Uhr).

Von Engeln und Raben

Gibt es einen Sinn?
Gestern Abend zeigte Arte die Verfilmung „Die Entdeckung des Himmels“ des gleichnamigen Romans von Harry Mulisch, einem meiner derzeitigen Lieblings-Autoren.

Harry Mulisch – seine Romane mag ich (soweit ich sie gelesen habe) alle, einzig zu einigen seiner eher essayistischen Texte finde ich kaum Zugang.
An seinen Romanen bewundere ich die großen Imaginationskraft seiner Sprache, die selbst absurdeste Einfälle wie ein bisher unbekanntes Kind Hitlers ganz ‘normal’ vorstellbar erscheinen lässt. Und vor allem, mit welcher Kontinuität er immer wieder, aus den verschiedensten Facetten und Blickwinkeln, die Zeit der NS-Besetzung der Niederlande und den Holocaust thematisiert.

Gestern Abend also auf Arte die niederländische Verfilmung des wohl bekanntesten Romans von Mulisch, „Die Entdeckung des Himmels“.

Schon bald stellt sich ein seltsames, schönes Gefühl ein: dieses Gefühl in einen Film einzutauchen, weil einem alles so vertraut vorkommt. Weil vieles so zu sein scheint, wie man es beim Lesen imaginiert hat. Ständige vermeintliche Déja-Vus mit der eigenen Phantasie.
Vollkommen abschalten, Hektik Gedanken Probleme Wirrungen der vergangenen Tage für gut 2 Stunden hinter mir lassen.

Gut, es gibt einiges, das anders war in „meinem“ Himmel.
Onno ist in meiner Phantasie jungenhafter gewesen, weniger der reife etwas hausbackene Mann der er im Film ist.
Vor allem aber fällt mir das Tempo auf. Zu dicht, zu schnell erzählt scheint mir der Film in weiten Passagen. Manchmal wünsche ich mir, ich könnte eine „Film-Bremse“ ziehen, das Erzähltempo des Films verlangsamen. Die ruhige, dem Inhalt angemessene Erzählweise geht verloren zugunsten einer stärkeren Verdichtung. Eine Geschwindigkeit, Dichte, die viele liebgewordene Details (wie die Beschreibungen des Hauses, in dem Quinten aufwächst) verloren gehen lässt.
Manchmal scheint mir zudem, ich habe (beim Lesen) die Mulisch’sche Roman-Realität in schwarz-grau-weiß gesehen. Wundere mich nun über die überraschende (der Zeit der Handlung geschuldete) Farbigkeit der Bilder.

Und doch, insgesamt, das zentrale Gefühl bleibt, wie im Buch. Rätselhaftigkeit die Sinn macht. Puzzlestücke die sich nur zögernd, langsam zu Zusammenhängen fügen mögen. Brüche Verwerfungen Rätselhaftigkeiten, die verstören, nur langsam in einen sinnhaften Zusammenhang treten.

Dieser Traum, diese Sehnsucht, dass endlich alles einen Sinn macht. Gibt es einen Sinn? Gibt jemand Sinn? Ist Sinn in mir? Ist dieser Sinn sinn-voll? Das Wissen, die unbegründete Zuversicht, dass da ein Sinn ist. Die Zuversicht, das das Richtige geschehen, ‘es’ sich fügen wird. Zielstrebigkeit, ohne dass einem die Richtung bewusst ist. Verstehen.
Und Gedanken die (scheinbar ganz nebenbei) die Frage streifen, was ist eigentlich die Grundlage unserer Zivilisation?

Ist das alles das Ende vom Anfang? – Möchte jemand ein Ingwerplätzchen? – Es ist ein Junge!

„Die Entdeckung des Himmels“ wird wiederholt auf Arte am 20. Dezember 2006

Superman? Scotty!

‘Superman’ gähnt sich wieder einmal durch die Kinos, und dann auch noch in Überlange. Weit über zwei Stunden eine konventionelle Geschichte konventionell erzählt, einzig die Tricks sind beachtenswert. Ein bisschen wenig, da halt ich mich lieber an Kirk und Spock.

Ja, ich gestehe, neben der ‚Bezaubernden Jeany’ (die aber auch alles her­beizwinkern konnte) und Stanley Beamish (der ‘rührte und quirlte und mixte, und fand eine Pille, doch eine verflixte’‚ Immer wenn er Pillen nahm’) gehörten Kirk und Spocky, Scotty und Pille schon zu den großen Helden meiner Jugend.

Was ‚Time Tunnel’ noch nicht schaffte, das war bei der Internationalen Hitparade (sonntags mit­tags, was wird gehört, die Egerländer oder die Hitparade …) und eben bei Raum­schiff Enterprise (samstags abends, wie lange muss ich im Garten arbeiten, wann baden, und schaff ich dann noch ‚Enterprise’ zu sehen?) regelmäßig vorprogrammiert: der Streit mit den Eltern, darf ich’s sehen oder nicht?

Die Vorliebe ist geblieben – nicht für den Streit, sondern für Enterprise, durch alle Generationen: wenn eine der neuen oder älteren Folgen läuft, schalt ich immer noch gerne mal rein, lass mich von Spannung Science Fiction und Action mitreißen.

“Beam me up, Scotty!”
und — ‘Freundschaft! Und ein langes Leben…’