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Frankreich Paris

Strahlungsmessung Paris 2001 mit Zeppelin NT

Die französische Regierung reagierte 2011 auf ihre Art auf die Atom-Katastrophe in Japan: ein Zeppelin NT wird eingesetzt zur Strahlungsmessung Paris. Die französische Regierung möchte hierdurch Referenzwerte erheben. Sie sollen als Grundlage dienen, um später feststellen zu können, ob die Strahlung aus Japan auch Europa erreicht.

Strahlungs-Messung / Blimp über Paris (nahe dem Arc de Triomphe)
Strahlungs-Messung / Zeppelin NT über Paris (nahe dem Arc de Triomphe)

(Danke an Manfred für das Photo!)

Die Messung der Strahlung erfolgte im Atomstrom-Land Frankreich regelmäßig; erstmals allerdings wurde ein Blimp Zeppelin NT eingesetzt. Zwischen dem 12. und 20. März 2011 kreiste der Ballon von der Marinefliegerbasis in Paris Le Bourget insgesamt 20 Stunden in einem vorgegebenen Raster über Paris und sammelte Messwerte. Ziel war die Erstellung einer ‚radiologischen Grundkarte‘.

Für die Strahlenmessung (Gamma – Ortsdosisleistung) wurde unter der Luftschiffkabine ein Spezialbehälter mit Messinstrumenten installiert. Zwei Mitarbeiter der CEA (Commissariat à l’énergie atomique) begleiteten die Messflüge an Bord.

Die aktuelle Messung habe keinen direkten Zusammenhang mit den Ereignissen in Japan (Atomkatastrophe von Fukushima), hieß es zunächst in französischen Medien. Der Einsatz sei monatelang vorbereitet worden.

Nach der Strahlungsmessung Paris sollen anschließend Messwerte über Strasbourg gesammelt werden. Anschließend soll der Zeppelin NT nach Friedrichshafen zurück kehren.

Blimps sind (im Gegensatz zu Zeppelinen) Luftschiffe ohne inneres Gerüst (wie Ballone). Zeppeline NT (NT = Neue Technologie) sind halbstarre Luftschiffe mit einer inneren dreieckigen Tragstruktur.

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Politisches

Atomstrom Frankreich: “Strom kommt ja aus der Steckdose …”

Frankreich ist Weltmeister in der Nutzung der Atomenergie. Kernenergie ist Staatsraison. Selbst wenn der Anteil des Atomstroms reduziert werden soll, Atomenergie bleibt auch langfristig das Rückgrat der Energieversorgung des Landes.

‚Weltmeister‘ in der Nutzung von Atomenergie ist ein Nachbar Deutschlands – Frankreich, das Land in dem der (Atom-) Strom auch nach Three-Miles-Island und Fukushima noch „sorglos aus der Steckdose kommt“.

Frankreich deckte auch 2019 noch seinen Strom-Bedarf noch zu 71 Prozent aus Atomstrom – unter den großen Ländern weltweit die höchste Quote. 58 Atomkraftwerke sind derzeit in Frankreich in Betrieb, dazu die  ‚Wiederaufbereitungs- Anlage‘ (Usine de Retraitement de La Hague) in La Hague. Ein Teil des erzeugten Atomstroms wird exportiert, u.a. auch nach Deutschland.

Die Entscheidung, die Energieversorgung des Landes möglichst stark auf Atomkraft zu stützen, wurde nach der Ölkrise 1973 getroffen. Frankreich sicherte sich Uranvorkommen weltweit (besonders im Niger) – und baute zahlreiche Reaktoren. Zudem wurde Frankreich wesentlicher Exporteur von Atom-Technologie.

Seit der Präsidentschaft von Francois Holland wurde eine Reduzierung des Anteils der Atomenergie angestrebt – und  nicht umgesetzt. Unter der Präsidentschaft von Emmanuel Macron strebte Umweltminister Hulot  erneut eine Reduzierung an, sowie die Abschaltung zahlreicher Reaktoren. Beide Vorhaben wurden jedoch im November 2017 auf unbestimmte Zeit verschoben.

Atomstrom Frankreich – Grafik: Anlagen / Atomkraftwerke

Anders als in Deutschland hat in Frankreich ein Großteil der Bevölkerung bisher recht wenig Befürchtungen in Sachen Atomkraft. Präsident Sarkozy kündigte 2008 an, ein neuer Atomreaktor (Typ EPR) werde gebaut, gehe 2017 in Betrieb – und (nahezu) niemand regte sich auf, demonstrierte, protestierte. Selbst die Katastrophe von Tschernobyl konnte die Atom-Begeisterung in Frankreich nicht in Frage stellen.

Entsprechend sorglos wird in Frankreich bis heute auch vielfach gern mit Energie umgegangen. So finden sich in vielen (auch neu errichteten) Wohnungen (wie hier in Lacanau) sich für kalte Tage (wenn überhaupt) nur Elektro-Heizungen.

Auch 2018 – überwiegend Atomstrom in Frankreich

Nahezu drei Viertel der Stromproduktion in Frankreich stammen weiterhin aus Atomkraftwerken.

Im Jahr 2018 produzierte Frankreich 72% seines Stroms mit AKW. 12% stammten aus Wasserkraft, 7% aus Gas und Kohle, Windenergie hatte einen Anteil von 5%, Sonnenenergie sowie Bio-Energie jeweils 2%.

Insgesamt bewegen sich etwa 30 Stromanbieter uin Frankreich auf dem Markt. Platzhirsch mit nahezu 80% Marktanteil (versorgte Haushalte) ist aber weiterhin EDF. Die beiden bedeutendsten Wettbewerber sind Engie (früher GDF-Suez) und Total Direct Energie.

2021 – Laufzeitverlängerung statt Stilllegung

Im Februar 2021 wurde bekannt, dass die französische Atomaufsicht ANS plant, die Laufzeit für die ältesten Atomkraftwerke Frankreichs von 40 auf 50 Jahre zu verlängern. Reparaturmaßnahmen wurden zur Auflage gemacht.
Die Stillegung des AKW Fessenheim bliebt allerdings unangetastet.

Gründe für die Atomstrom-Begeisterung in Frankreich

Dass Frankreich so stark auf Atomstrom – und damit auch auf Energie-Autarkie – setzt, hat Gründe.

Zweimal, im ersten wie auch im zweiten Weltkrieg, war Frankreich nicht ausreichend gewappnet gegen Aggression von außen, gegen deutsche Truppen. Zu Beginn des ersten Weltkriegs waren die Streitkräfte in Frankreich weit weniger modernisiert als die deutschen Gegner, die zudem sehr auf technologischen Fortschritt gesetzt hatten. Im zweiten Weltkrieg glaubte sich Frankreich (insbesondere durch die ‚Maginot-Linie‘) auf einen deutschen Angriff gut vorbereitet – konnte sich letztlich jedoch einer deutschen Invasion und schmachvollen Besetzung mit Teilung Frankreichs durch eine Demarkationslinie zunächst nicht erwehren.

Ausreichend vorbereitet, genügend gewappnet sein, die eigene Unabhängigkeit sicherstellen und verteidigen können – dies war deshalb spätestens nach 1945 zentraler Gedanken der französischen Politik. Die eigene nukleare Bewaffnung, die ‚Force de frappe‘, war und ist Konsens in nahezu der gesamten französischen Gesellschaft, von de Gaulle bis zu den Kommunisten.

Und während und nach der ersten ‚Öl-Krise‘, einem Höhepunkt der Proteste gegen Atomkraftwerke in Deutschland, setzte Frankreich auf Autarkie auch in der Energie-Politik. Statt Abhängigkeit von importierter Kohle, Öl oder Gas entstanden 58 Atomkraftwerke und ein Engagement im Uran-Bergbau.

Die massive Nutzung der Atomkraft zur Energiegewinnung, sie ist Konsens in weiten Teilen der französischen Gesellschaft. Alternativen werden nur selten und mit wenig Feedback ernsthaft diskutiert.

Der Ministerpräsident Frankreichs, Edouard Philippe, war zuvor Lobbyist, und zwar des Atomkraftwerk-Baukonzerns Areva (inzwischen Orano). Nukleokraten, wie atomfreundliche Beamte in Frankreich auch genannt werden, sind in der französischen Politik und Verwaltung breit vertreten. Und auch heute noch sind 225.000 Arbeitnehmer direkt in der Atomwirtschaft beschäftigt.

Widerstand gegen Atomkraft in Frankreich

Entsprechend war auch der Widerstand gegen die Nutzung der Atomkraft in Frankreich meist anders, weniger groß, geräuschloser als in Deutschland. „Non au nucléaire“, dieser Aufkleber, die lachende Sonne, Ikone des Protests gegen Atomkraft, sie ist in Frankreich wesentlich seltener zu sehen als in Deutschland, sowohl in den 1970er und 1980er Jahren als auch heute. Der Widerstand gegen die Erhöhung des Renten-Eintritts-Alters brachte Millionen Franzosen auf die Straße – nicht aber etwa Widerstand gegen die Nutzung der Atomkraft. Trotz Problemen in der atomaren Wiederaufbereitungsanlange in La Hague, trotz eines Risses im Atomkraftwerk Tricastin.

Selbst nach der Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl – französische Freunde verstanden kaum, warum wir in Deutschland diesen oder jenen Tee mieden, Pilze nicht en vogue waren oder Wildschwein nur selten auf der Speisekarte stand. Warum die Aufregung? Typisch deutsch, dachten sie (auch wenn sie es nur selten äußerten).

Gelegentlich allerdings flammt(e) auch in Frankreich der Protest gegen Atomkraft laut vernehmbar auf. Einmal sogar sehr laut, sehr vernehmbar – und zudem mit Erfolg: in Plogoff (Bretonisch: Plougoñ) im Finistère in der Bretagne (einer Gemeinde nahe der Pointe du Raz mit knapp 1.400 Einwohnern) konnten jahrelange Proteste schließlich erreichen, dass die Pläne zum Bau eines Atomkraftwerks (4 Druckwasserreaktoren à je 1.300 MW Leistung, Planungsbeginn 1978) 1981 völlig ad acta gelegt wurden.

Reduzierung des Anteils des Atomstroms in Frankreich

Trotz weitgehender Ruhe in Sachen ‚Kritik an der Nutzung der Atomkraft‘, nicht erst seit Fukushima ist auch in Frankreich einiges in Bewegung geraten in Sachen Atomkraft. Zwar sind Protestaktionen und Demonstrationen selbst gegen Uralt-Meiler wie Fessenheim immer noch (im Vergleich zu Aktionen in Deutschland) eher kleine Veranstaltungen, zudem – gerade in Fessenheim – mit hoher Beteiligung deutscher Atomkraft-Gegner.

Aber in die Politik kam ab den 2000er Jahren hörbar Bewegung. Zwar betonte Staatspräsident Nikolas Sarkozy, ein Atom-Ausstieg, ja nur ein Moratorium komme für Frankreich überhaupt nicht in Frage. Die französischen Sozialisten allerdings, traditionell ebenfalls eher sehr atomfreundlich, überlegten den Ausstieg, zumindest ein klein wenig. In ihrem über 100 Seiten umfassenden Manifest „Der Wandel“, dem programmatischen Kern-Papier der Sozialistischen Partei (PS) für die 2012 anstehenden Präsidentschafts-Wahlen, sprechen sie sich immerhin für eine Verringerung des bisher sehr hohen Anteils der Atomenergie an der Energieversorgung Frankreichs aus, zugunsten einer stärkeren Förderung ‚alternativer Energien‘.

Ich glaube, man muss aus der Nutzung der Atomenergie aussteigen“, äußerte Martin Aubry, Tochter von Jacques Delors und damals Vorsitzende der französischen Sozialisten (PS), Ende März 2011. Allerdings mit dem Nachsatz „ … in den kommenden 25 bis 30 Jahren.

2015 kam tatsächlich Bewegung in die französische Energiepolitik: Das Energieübergangsgesetz (loi de transition énergétique LTCEV; 17. August 2015) sah eine Reduzierung des Anteils des Atomstroms von 75% auf 50% vor.

Während der Präsidentschaft von Emmanuel Macron (2017 bis 2022) stehen zwei wichtige Etappen an: die Verlängerung der Laufzeiten bestehender (und inzwischen längst abgeschriebener und hoch rentabler) Reaktoren (in Diskussion: auf fünfzig oder sechzig Jahre), und die Entscheidung, ob ein Neubau-Programm für Atomkraftwerke ab 2025 aufgelegt werden soll, um bestehende Reaktoren zu ersetzen.

Umweltminister Hulot kündigte schließlich im Juli 2017 erneut an, den Atomstrom-Anteil in Frankreich von 75 auf 50% zu senken. „Um dieses Ziel zu erreichen, werden wir eine gewisse Anzahl an Reaktotren stillegen.“ Auf Nachfrage konkretisiert er, „das können vielleicht bis zu 17 Reaktoren sein.

Anfang November 2017 dann die Kehrtwende. Die französische Regierung beschloß, den teilweisen Aussteig aus der Atomenergie zu verschieben, auf ein unbestimmtes Datum in der Zukunft. Umweltminister Hulot verkündete nun, eine Reduzierung des Anteils des Atomstrioms von 75% auf 50% sei „unrealistisch„.

Hintergrund der Entscheidung für Atomstrom: Haupt-Ziel der französischen Umweltpolitik ist die Reduzierung klimaschädlicher Gase. In Deutschland ist der Ausstoss von Kohlendioxid 15mal so hoch wie in Frankreich, und Frankreich strebt eine weitere Reduzierung an – auch mit einer Beibehaltung des hohen Atomstrom-Anteils.

Inzwischen wird das Ziel 50% Atomstrom, wieder angestrebt – für das Jahr 2035. 14 Reaktoren sollen bis dahin stillgelegt werden, allerdings erst ab 2029. Laufzeit-Verlängerungen heutiger Reaktoren werden dazu unumgänglich.

Frankreichs Umweltministerin Elisabeth Borne kündigte Anfang Januar 2020 vor dem Parlament an, frühestens Ende 2022 werden über den etwaigen Bau neuer Atomkraftwerke entschieden. Bis dahin soll der neue Druckwasserreaktor EPR Flamanville in Betrieb gehen.

Aus deutscher Sicht dabei besonders interessant: das AKW Fessenheim mit seinen zwei Druckwasser-Reaktoren. Es wird 2020 endgültig abgeschaltet.

Die Abschaltung von Fessenheim ist dabei jedoch nicht Ausdruck einer generellen, erst recht nicht einer breit getragenen Energiewende. Ganz im Gegenteil, der Energiekonzern EDF plant sechs neue Atomkraftwerke im Land. Eine konkrete Entscheidung hat Staatspräsident Macron auf die Zeit nach der nächsten Präsidentschaftswahl verschoben. Aber Atomkrfat bleibt weiterhin Kernbestandteil des Energieriesen. Jean-Bernard Lévy, Chef des Energiekonzerns EDF betont gelassen

„Wir müssen die Bedingungen für ein Wiederaufleben der französischen Nuklearwirtschaft schaffen.“

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Politisches

Energiefragen – Ökostrom

Die Produktion von Ökostrom sei deutlich gestiegen, meldet der Verband der Elektrizitätswirtschaft (via SpON).

Das erfreut.

Und ich frage mich, in wie weit ist eigentlich ‘Ökostrom’ von Atomstrom-Konzernen wie Vattenfall tatsächlich Öko-Strom? Strom aus seit vielen Jahren bestehenden skandinavischen Wasserkraftwerken hierzulande als Ökostrom zu vermarkten führt zumindest wohl nicht zu einer Ausweitung der Ökostrom-Produktion. Nicht zu einer Energiewende. Und den Worten von Anbietern, die immer wieder bei ‘Pannen’ (welch verniedlichende Formulierung) mit der Wahrheit nur häppchenweise herauskommen, wie jüngst bei den Unfällen in norddeutschen AKWs, mag ich auch kaum noch glauben.

Es gibt Alternativen.
Anbieter, deren Strom zu 100% aus erneuerbaren Energien stammt, und dabei zu 90% aus erneuerbaren Energien, die nicht nach dem Erneuerbare-Energien- Gesetz gefördert werden.
Anbieter, deren Strom (außer geringen Mengen bei der Herstellung der Erzeugungsanlagen) keinen CO²- Ausstoß produziert (Bundesdurchschnitt 682g/kWh).
Anbieter, deren Strom AKW-frei ist, und deren Stromproduktion keinen radioaktiven Abfall produziert (Bundesdurchschnitt 0,006g/kWh; 80 Mrd. Bequerel/ kWh).
Und deren Strom dabei sogar noch preislich attraktiv ist.

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