Rien ne va plus ?

Zuletzt aktualisiert am 3. Juni 2016 um 6:30

‚ Rien ne va plus ‚ hieß es für mich im Mai 1996. Nichts geht mehr. Aufstehen, weitergehen – nicht mehr dran zu denken. Und doch …

„Das Leben zwingt dich ab und an in die Knie. Es liegt an dir, ob du liegen bleibst oder wieder aufstehst.“ Diesen Rat gaben mir früh ältere Freunde, und ich bemühte mich ihn zu beherzigen. „Aufstehen, Krone richten, weitergehen“, diese ’schwulere Variante‘ kam später hinzu.

Aufstehen und weitergehen. Schicksalsschläge annehmen, sich von ihnen aber nicht niederringen lassen. Aufstehen, eventuell innehalten, mich umschauen ob der Kurs noch stimmt, ob Korrekturen, neue Wege möglich, sinnvoll sind, und dann aufrecht weitergehen.

Vor zwanzig Jahren, im Mai 1996, war ich an einem Punkt, an dem ich mir eingestehen musste ‚ rien ne va plus ‚ – nichts geht mehr. Das Leben zwang mich in die Knie. Und diesmal, das war mir klar, das sagte jeder einzelne schwarze verzweifelte Moment der letzten Wochen, war jeder Versuch wieder aufzustehen nicht nur vergeblich, sondern unmöglich. Substanzlos.

Fast keine Helferzellen mehr, absurd hohe Viruslast, mehrere Lungentzündungen, Antiobiotika-Allergie und Lyell-Syndrom. „Ich kann nichts mehr für Sie tun“, hatte der Arzt auf ‚Station Rita‘ im Klösterchen Frank und mir vor einigen Tagen gesagt.

Am 29. Mai 1996 wurde ich entlassen, mit trostlosen und sehr endlichen ‚Aussichten‘.

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Es ging doch weiter, es gab ‚einen neuen Sommer‘ (hier kurz erzählt wie).

Dass ich doch wieder aufstand, lag kaum an meinem Willen. Nicht an meinem Körper. Viel zu minimal waren die allerletzten Reserven an Energie, körperlich wie auch psychisch. Zu groß war Hoffnungslosigkeit, meist gewichen einer schwarzen Resignation angesichts der Aussichtslosigkeit, dieser letztgültigen Aussichtslosigkeit. Dass ich doch wieder aufstand, es lag viel an Frank. Und an Hannelore und Matthias. Und sehr viel an zwei Ärzten, und einer Errungenschaft medizinischer Forschung.

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Dieses rien ne va plus, dieser Mai 1996, war einer der einschneidensten Momente in meinem Leben. Hat Narben und Spuren hinterlassen. Er hat mich verändert, geprägt wie nur wenige andere Momente in meinem Leben.

Noch intensiver als diese Zeit allerdings habe ich einen Moment in Erinnerung, einige Monate später: der Moment – und so sehr ich weiß, es war ein Prozeß mehrerer Wochen, Monate, mir ist ein konkreter Moment in Erinnerung -, dieser Moment als mein Körper sich wieder regte, mir sagte „Ja! Es geht weiter! Du bist wieder da!“

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