Carl-Heinz Rodenberg

Zuletzt aktualisiert am 31. Mai 2018 um 9:23

Carl-Heinz Rodenberg (Schreibweisen auch: Karl-Heinrich oder Karl-Heinz) wurde am 19.11.1904 in Heide geboren und starb 1995 im Odenwald. Carl-Heinz Rodenberg war ab 1943 wissenschaftlicher Leiter der Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung – und damit eine der zentralen Figuren der Homosexuellen-Verfolgung in der NS-Zeit.

Carl-Heinz Rodenberg studierte Medizin und promovierte 1930 an der Universität Marburg (Dissertation). Im April 1932 trat er der NSDAP sowie der SA bei und wurde 1933 Mitarbeiter des ‚Rassenpolitischen Amtes‘ der NSDAP. Bei der SS erreichte er später den Rang des ‚Obersturmbannführer‘ (Offiziersrang, vergleichbar etwa einem heutigen Oberstleutnant).

Carl Heinz Rodenberg
Carl Heinz Rodenberg

1937/38 war Rodenberg u.a. Geschäftsführer der ‘Staatsmedizinischen Akademie’, die ihren Sitz im Gebäude des 1933 geplünderten ‘Instituts für Sexualwissenschaften‘ von Dr. Magnus Hirschfeld hatte (Quelle 1, Quelle 2) sowie 1938 Leiter der Abteilung ‚Erb- und Rassenpflege‘ im ‚Reichsausschuß für Volksgesundheitsdienst‘. Rodenberg beteiligte sich zu dieser Zeit u.a. auch an der Registrierung und Verfolgung der Roma und Sinti (siehe Romani Studies).

Ab März 1939 arbeitete Rodenberg als Kriminalbiologe in der Abteilung Erb- und Rassenpflege am Reichsgesundheitsamt in Berlin. Von Februar bis Oktober 1940 war Rodenberg als Gutachter an der Euthanasie-Mordaktion T4 beteiligt (1).

1942 (August) wechselte Carl-Heinz Rodenberg an das ‚Reichssicherheitshauptamt‘ RSHA, Referat IIIB3 „Rasse und Volksgesundheit“. Im gleichen Jahr wurde Rodenberg im Reichsjustizministerium als für Fragen der Rassenpolitik und Volksgesundheit verantwortlicher Facharzt geführt. Ab Juli 1943 arbeitete er als wissenschaftlicher Referent für sexualpsychologische Fragen am ‚Reichskriminalpolizeiamt‘ (PKPA).

Carl-Heinz Rodenberg und die ‘Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung’

Zeitgleich mit seinem Wechsel an das ‚Reichskriminalpolizeiamt‘ wurde Carl-Heinz Rodenberg per 1. Juli 1943 zum ‘wissenschaftlicher Leiter’ der ‘Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung’. Zuvor hatte Kriminalrat Erich Jacob (5) als Nachfolger von Josef Meisingers bereits 1938 die Leitung, ab Eintritt Rodenbergs 1943 dann nur noch kriminalistische Leitung der ‚Reichszentrale‘ übernommen.

Rodenberg setzte sich aktiv für die ‚Bekämpfung der Homosexualität‘ durch medizinsiche Eingriffe ein. Er war ein ‘Freund’ der –  auch über das strafrechtlich mögliche hinausgehenden – Kastration Homosexueller. Insbesondere in den 1940er Jahren verfasste er mehrere Fachaufsätze über die ‚Notwendigkeit‘, die ‚Schaffung gesetzlicher Maßnahmen‘ sowie die ‚Zentralisierung der Untersuchungen‘ der Kastration Homosexueller. Die Zwangskastration war seit 1933 bei Straftaten gemäß §175 nach §42k RStGB unter bestimmten Umständen möglich; Reichel schätzt allein die Zahl der Zwangskastrationen auf 3.000.

Rodenberg zur Zwangskastration Homosexueller:

In den Sicherungsverwahrungsanstalten … sitzen eine ganze Reihe homosexueller Sittlichkeitsverbrecher. Ebenso in Konzentrationslagern. Die … kosten den Staat viel Geld und arbeiten nicht produktiv genug. Wenn sie kastriert werden, können sie in kürzester Zeit entlassen werden, da sie keine Gefahr mehr für die Volksgemeinschaft bilden, und außerdem können sie nutzbringend im Leben wieder eingesetzt werden.
Carl-Heinz Rodenberg (2)

Armin Schäfer kommentiert (in(: ‘Biopolitik des Wissens‘) :

“In einem Kosten-Nutzen-Kalkül wird der Homosexuelle zum Faktor einer Menschenökonomie gemacht. In der Person von Carl-Heinz Rodenberg verkörpert sich diese Strategie.”

Rodenberg hatte sich bereits seit 1941 in Fachzeitschriften mit der Kastration Homosexueller beschäftigt, was ihm am 30. Dezember 1942 eine Anerkennung Himmlers für „überzeugende Aufsätze einbrachte.  So konstatierte Rodenberg 1941 in der Zeitschrift „Der öffentliche Gesundheitsdienst“, dass eine

„erwünschte Befriedung des Geschlechtslebens aber auch bei Homosexuellen oft durch die Entmannung, und zwar nur durch Entmannung herbeigeführt werden kann.“

Bislang hätten, so Rodenberg,  nur wenige Homosexuelle „der Volksgemeinschaft ein Opfer“ gebracht und sich freiwillig kastrieren lassen, was er in einem „Mangel an Verantwortungsgefühl“ begründet sah (4).

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Rodenberg bestritt nach 1945 (3), jemals für die ‘Reichszentrale’ gearbeitet zu haben. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen seiner Teilnahme an einer Wannsee-Konferenz – Folgekonferenz (zur Sterilisierung der ‘Halbjuden’) am 27.10.1942 führten nicht zur Anklage.

Carl-Heinz Rodenberg lebte nach Kriegsende in Wald-Michelbach im Odenwald und starb 1995.

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(1) T4-Gutachterliste, Heidelberger Dokumente Nr. 127.891
(2) Carl-Heinz Rodenberg an RJM-Ministerialrat Rietzsch am 3.10.1942, zitiert nach: G. Grau: Homosexualität in der NS-Zeit, Frankfurt am Main 1993
(3) so 1986 gegenüber der Ludwigsburger Zentralstelle
(4) zitiert nach Burkhard Jellonnek: Homosexuelle unter dem Hakenkreuz, 1990
(5) Erich Jacob (1907 – 1974; seit 1938 Mitglied der SS, seit 1940 Mitglied der NSDAP; Schreibweise auch Jakob) war zuvor seit 1935 Leiter des Dezernats ‚Abtreibung‘ der Berliner Kriminalpolizei. Auch in der ‚Reichszentrale‘ leitete er das ‚Sachgebiet Abtreibung‘.

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