Magnus Hirschfeld Ufer Berlin – seit 2008

Zuletzt aktualisiert am 16. Oktober 2019 um 14:35

Magnus Hirschfeld Ufer eingeweiht – Mai 2008: 75 Jahre nach der Zerstörung von Hirschfelds ‘Institut für Sexualwissenschaften’ durch die Nazis ist das seinem Institut gegenüber liegende Ufer der Spree am 6. Mai 2008 in ‘Magnus- Hirschfeld-Ufer‘ benannt worden.

Magnus Hirschfeld Ufer - Stra0ßenschild, vor der Einweihung noch mit Regenbogenflagge verhüllt
Magnus Hirschfeld Ufer – Straßenschild, vor der Einweihung noch mit Regenbogenflagge verhüllt

Magnus Hirschfeld und das Institut für Sexualwissenschaft

6. Mai 1933. Studenten der Hochschule für Leibesübungen verschaffen sich gewaltsam Zutritt zum ‘Institut für Sexualwissenschaften’. Vor dem Haus bezieht eine Blaskappelle Stellung – derweil wüten die Studenten im Inneren des Instituts, plündern, zerstören die Einrichtung, transportieren die wertvolle Bibliothek ab. Die Bücher werden am 10.3.1933 zusammen mit einer Büste Hirschfelds Teil der Bücherverbrennung auf dem Bebelplatz. Das Institut für Sexualwissenschaften ist zerstört.

In das Gebäude des Instituts für Sexualwissenschaft zog später u.a. die ‚Staatsmedizinische Akademie‘, deren Geschäftsführer 1937/38 Carl-Heinz Rodenberg war – später als Gutachter an der Euthanasie-Mordaktion T4 beteiligt und per 1. Juli 1943 zum ‘wissenschaftlicher Leiter’ der ‘Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung’ ernannt.

Als Erinnerung an das Institut für Sexualwissenschaft wurde am 75. Gründungstag des Instituts, am 6. Juli 1994 eine (heute kaum noch wahrgenommene) Gedenksäule (nach Entwurf von Georg Seibert) in der Nähe des ehemaligen Standorts des Instituts am Bettina-von-Arnim-Ufer eingeweiht, das ‘ Denkmal für das Institut für Sexualwissenschaft ’.

Magnus Hirschfeld, geboren am 14. Mai 1868 in Kolberg, jüdischer Arzt und Sexualforscher, hatte das Institut 1919 gegründet. Schon 1897 hatte er das ‘Wissenschaftlich-humanitäre Kommitee’ (WhK) ins Leben gerufen, die erste und für damalige Verhältnisse sehr progressive Aktionsgruppe gegen antihomosexuelles Strafrecht.

Schon mehrfach von Radikalen bedroht, zudem vorgewarnt, war Hirschfeld bereits 1932 ins Exil gegangen, zunächst in die Schweiz, bald darauf nach Fankreich geblieben. Dort lebte er zusammen mit seinem Liebhaber bis zu seinem Tod am 14. Mai 1935 in Nizza.

Magnus Hirschfeld Ufer – Einweihung

75 Jahre nach der Zerstörung seines Instituts ehrt Berlin Magnus Hirschfeld 2008 mit der Einweihung des Magnus-Hirschfeld-Ufers. Der Abschnitt des Spreeufers zwischen Luther- und Moltkebrücke trägt nun seinen Namen.

magnus hirschfeld ufer Enthüllung 2008
Magnus-Hirschfeld-Ufer Enthüllung 2008

Die Benennung erfolgte in Gegenwart und mit Reden u.a. von Brigitte Zypries (Bundesministerin für Justiz), Lala Süsskind (Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin) und Prof. Martin Dannecker (Sexualwissenschaftler; Text der Rede Martin Dannecker zur Einweihung des Magnus Hirschfeld Ufer). Zum Programm gehörte u.a. auch das ‘Hirschfeld-Lied‘ von Otto Reutter.

Magnus-Hirschfeld-Ufer Einweihung / noch verhüllt: das Straßenschild
Hirschfeld Ufer Einweihung / noch verhüllt: das Straßenschild

Magnus Hirschfeld Ufer Einweihung Rede Bundesjustizministerin Zypries

Magnus Hirschfeld Ufer Einweihung Rede Bundesjustizministerin Zypries
 Magnus Hirschfeld Ufer Einweihung Rede Prof. Martin Dannecker
Hirschfeld Ufer Einweihung Rede Prof. Martin Dannecker
Magnus Hirschfeld Ufer Einweihung Schild enthüllt
Enthüllung des Schilds des Magnus Hirschfeld Ufers
Magnus-Hirschfeld-Ufer Schild nahe Lutherbrücke
Hirschfeld-Ufer Schild nahe Lutherbrücke

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Magnus Hirschfeld Ufer – Infotafeln (2012)

Das am 6. Mai 2008 eingeweihte Magnus Hirschfeld Ufer an der Spree in Berlin hat inzwischen nicht nur entsprechende Straßenschilder, sondern seit 2012 auch Info-Tafeln, die über die Person Magnus Hirschfeld und seine Bedeutung informieren:

Info-Tafeln am Magnus-Hirschfeld-Ufer in Berlin
Info-Tafeln am  Hirschfeld Ufer in Berlin

Die vom LSVD vorgeschlagenen Info-Tafeln verweisen auf das Magnus-Hirschfeld-Denkmal, das der Verband hier plant.

Eine der beiden Informations-Tafeln zu Magnus Hirschfeld und dem Hirschfeld-Ufer wurde Ende April 2014 gewaltsam beschädigt.
In den Wochen zuvor war es in Berlin bereits mehrfach zu Beschädigungen schwuler Erinnerungsorte gekommen, so war die Ausstellung zu Karl Heinrich Ulrichs mehrfach Ziel von Angriffen.

Nahe dem Hirschfeld-Ufer gegenüber gelegenen Spreeufer befand sich bis zu seiner Zerstörung 1933 das Institut für Sexualwissenschaften.

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2017: Magnus-Hirschfeld-Denkmal

Am 7. September 2017 wird auf einem Stück des Magnus-Hirschfeld-Ufers das Magnus-Hirschfeld-Denkmal eingeweiht – sechs Calla-Lilien in Regenbogenfarben.

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Am 14. Mai 1983 (Hirschfelds Geburts- und Todestag) wurde mit dem mhc in Hamburg erstmals ein nach Magnus Hirschfeld benanntes Schwulen- und Lesbenzentrum eingeweiht. 2013 feierte das mhc sein 30jähriges Jubiläum. 2014 benannte sich auch der Trägerverein entsprechend um.

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