Walter D. Schultz (1910 – 1964) – engster Freund von Kurt Hiller

Der Journalist Walter D. Schultz war ab 1948 Mitarbeiter, später Programmdirektor beim Norddeutschen Rundfunk NDR – und seit 1934 der engste Freund des Schriftstellers und schwulen Aktivisten Kurt Hiller, der in seinem Grab beigesetzt ist.

Walter Detlef Schultz – der sich Zeit seines Lebens Walter D. Schultz nannte – wurde am 5. Oktober 1910 in Hamburg geboren. Nach Schulzeit und kaufmännischer Lehre in Hamburg arbeitete er ab 1929 in Hannover und studierte parallel Betriebslehre, Staatswissenschaft und Literturgeschichte.

1930 trat Schultz aus der SPD aus und wurde in der KPD aktiv, enagierte sich gegen den Nationalsozialismus. Aufgrund seiner politischen Aktivitäten wurde er ab 1933 mehrfach in Konzentrationslagern (Mohringen, Oranienburg, Lichtenberg) inhaftiert. Im KZ Oranienburg lernte er 1933 oder 1934 den Schriftsteller und schwulen Aktivisten Kurt Hiller kennen, der sich in ihn verliebte.

Kurt Hiller und Walter D. Schultz

Kurt Hiller schrieb 1935 bis 1937 mehrere Liebesgedichte an Walter D. Schultz – veröffentlichte sie jedoch erst nach Schultz‘ Tod 1965 im Privatdruck ‚Archangelos‘. Hillers Liebe soll „weitgehend unerwidert“ geblieben sein (laut Rosenkranz/Lorenz, Hamburg auf anderen Wegen), Schultz habe sich „‚nach einer anfänglichen Romanze‘ den Frauen zugewandt„. Hiller merkte dazu später (laut Hergemöller / Mann für Mann) an, Schultz habe in beiden Ehen „nicht die erwünschte Erfüllung gefunden„.

Hiller und Schultz trafen sich in Prag wieder, wohin beide getrennt geflohen waren und wo Hiller 1934 bis 1937 an der ‚Neuen Weltbühne‘ mitarbeitete und Schultz Redaktionssekretär wurde und unter dem Pseudonym ‚T. Elfterwalde‘, später auch ‚Hans West‘ u.a. über seine Erlebnisse im KZ Oranienburg publizierte.

Flucht, Exil und Rückkehr

1938 schloß die KPD Schultz aus. Im November des Jahres gelang ihm mit Fürsprache Hillers die Flucht nach London. Hiller berichtete hierüber später

Es ging um die Rettung eines nahen Freundes von mir, D. [i.e. Schultz; d.Verf.]. … Niemanden haßte und verfolgte der kommunistische ‚Apparat‘ in gleichem Maß wie die Ehemaligen der eigenen Partei, die freiwillig Ausgeschiedenen und namentlich die Ausgeschlossenen. … Meine Aufgabe war, nachdem D.s Name endlich auf der Schriftstellerliste stand, durchzusetzen daß dieser mutige Antinazi auch wirklich nach England gerettet wurde. … Das Ende war: Katz gab mir sein Wort, daß D. zwei Tage nach mir [nach London, d.Verf.] fliegen werde. … Und Freitag, jawohl Freitag flog tatsächlich D.! [nachdem Hiller am Mittwoch geflogen war, d.Verf.].
[zitiert nach Michael Schwellen: Der Mann der Schwester meiner Mutter: eine deutsch-jüdische Familiengeschichte. DTV 2015]

In London schrieb Schultz für Exilpresse, wurde aber bald als ‚enemy alien‘ inhaftiert und 1940/41 nach Australien verbracht. Ab Oktober 1941 arbeitete er für die BBC; er engagierte sich in Exil-Gruppen und näherte sich wieder der SPD an.

Nach Kriegsende kehrte Schultz nach Deutschland zurück, trat 1948 wieder in die SPD ein. Im Mai 1948 bot Hugh Carleton Greene (Bruder von Graham Greene), 1946/47 ‚Chief Controller‘ für das Rundfunkwesen in der brtischen Zone und ‚Chefarchitekt‘ des Nordwestdeutschen Rundfunks NWDR, ihm an das neu gegründete ‚Außenreferat‘ des NWDR zu übernehmen. Schultz‘ Karriere beim späteren NDR begann.

Walter D. Schultz prägt den NDR mit

Zu Hiller hielt Schultz auch in dieser Zeit immer engen Kontakt, mehrfach ist Hiller – auch auf Schultz‘ Veranlassung – zu Vorträgen in Hamburg. 1958 diskutierten Kurt Hiller und Walter D. Schultz für den NDR (Mitschnitt im NDR-Archiv erhalten).

1955 wurde Schultz, der Ende 1949 bereits Mit-Initiator u.a. der insgesamt annähernd 200 Sendungen umfassenden Reihe ‚Das politische Forum‘ war, stellvertretender Leiter der Hauptabteilung Politik; 1961 wurde er zum Programmdirektor des NDR-Funkhauses Hannover.

Walter D. Schultz starb am 13. August 1964 in Hannover im Alter von 53 Jahren an einem Herzinfarkt. Er wurde beigesetzt auf dem Friedhof Ohlsdorf (Feld BM59, Grabstelle 297/298).

Walter D. Schultz Grab (Mai 2016)
Walter D. Schultz Grab (Zustand im Mai 2016)

Schultz‘ Freund Kurt Hiller kehrte erst am 15. August 1955, zwei Tage vor seinem 70. Geburtstag, aus dem Londoner Exil zurück (auch hierbei unterstützt von Schultz) und zog nach Hamburg. Er starb acht Jahre nach Walter D. Schultz am 1. Oktober 1972. Die Urne mit seiner Asche wurde im Grab von Walter D. Schultz beigesetzt, verbunden mit Hillers Anweisung, keine Inschrift auf dem Grabstein vorzunehmen.

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