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Putins Krieg

Ukraine-Flüchtlinge mit Behinderung

Zuletzt aktualisiert am 24. Juli 2022 von Ulrich Würdemann

Ukraine-Flüchtlinge mit Behinderung stehen nach Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine vor besonders großen Herausforderungen.

Menschen mit Behinderung sind im Krieg besonders schutzlos. Vielen ist eine Flucht nicht oder nur sehr schwer möglich, sie brauchen andere Fluchtrouten und Transportmittel, mehr Zeit, barrierefreie Unterkünfte. Menschen mit Mobilitätseinschränkungen haben oft nicht einmal die Möglichkeit, (oft unterirdische) Schutzräume aufzusuchen. Sammelunterkünfte, meist die einzige kurzfristig verfügbare Unterkunft, sind oft nicht barrierefrei. In ganz Deutschland gibt es nur einen einzigen russischsprachigen Verein, der Kinder mit Behinderung unterstützt (Sputnik e.V. in Berlin).

‚All den mutigen Ukrainerinnen und Ukrainern gehören unsere Solidarität und Unterstützung. … Große Sorgen machen wir uns um die Menschen mit Behinderung und ihre Familien. Wer kümmert sich um ihre Sicherheit, ihre Betreuung und Versorgung, wenn ein Land auf der Flucht ist?‘

Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und Bundesministerin a.D., 1. März 2022

Die Behindertenbeauftragten von Bund und Ländern wiesen am 8. März 2022 in einem Schreiben an verschiedene Bundesministerien auf die besonderen Bedürfnisse von Ukraine-Flüchtlinge mit Behinderungen hin.

Der Sozialverband VdK fordert eine Rettungsmission in der Ukraine für Menschen, die aufgrund hoher Vulnerabilität das Land nicht aus eigenen Kräften verlassen können.

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‚Die Vertragsstaaten ergreifen im Einklang mit ihren Verpflichtungen nach dem Völkerrecht, einschließlich des humanitären Völkerrechts und der internationalen Menschenrechtsnormen, alle erforderlichen Maßnahmen, um in Gefahrensituationen, einschließlich bewaffneter Konflikte, humanitärer Notlagen und Naturkatastrophen, den Schutz und die Sicherheit von Menschen mit Behinderungen zu gewährleisten.‘

UN- Behindertenrechtskonvention Artikel 11

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Aktuelle Informationen für Ukraine-Flüchtlinge mit Behinderung sammelt diese Info-Seite bei Aktion Mensch: Übersicht Hilfsangebote für flüchtende Menschen aus der Ukraine mit Behinderung

Organisationen der Behindertenhilfe führen Informationen zu Wohn-, Assistenz- und Transfer-Angeboten für Flüchtlinge mit Behinderung in einer Datenbank zusammen. Diese ist unter www.hilfsabfrage.de erreichbar.

Buzndessozial- und Bundesgesundheitsministerium haben in zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz DRK eine Kontaktstelle www.drk-wohlfahrt.de eingerichtet. Ukraine- Flüpchtlinge mit Behinderung sowie mit Pflegebedarf können hier Rat und Hilfe bei grundlegenden Fragen finden (auch telefonisch 030 / 85 404 789 zwischen 9:00 udn 17:00 Uhr).

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Situation von Menschen mit Behinderung in der Ukraine vor dem Krieg

In der Ukraine leben etwa 2,6 Mio. Menschen mit Behinderung (ca. 6% der Bevölkerung), davon 164.000 Kinder. Die Einstufung erfolgt durch eine medizinische Kommission in 3 Stufen (gemäß Grad der Beeinträchtigung und daraus resultierenden Einschränkungen).

Zu Zeiten der Sowjetunion wurden Menschen mit Behinderung i.d.R. in Heimen untergebracht, abgetrennt von gesellschaftlichem Leben [vgl. z.B. Phillips 2009: ‚“There Are No Invalids in the USSR!“: A Missing Soviet Chapter in the New Disability History*‘].

Oftmals sind Menschen mit Behinderung auch heute noch gesellschaftlich in der Ukraine an den Rand gedrängt. Stigmatisierung und Diskriminierung sind weit verbreitet. Erst langsam fiondet eine Öffnung für die Belange von Menschen mit Behinderung statt. Inklusion steht in der Ukraine erst am Anfang. In den letzten jahren wurden zahlreiche Nichtregierungsorganisationen für die Anliegen von Menschen mit Behinderungen gegründet.

Zwar gibt es eine Invaliditätsrente, diese betrug 2017 jedoch durchschnittlich nur 1.982 Hrywnia (etwa 60 Euro) monatlich.

Die Ukraine hat die ‚Behindertenrechtskonvention der UN‚ ratifiziert (ebenso Russland). 2017 übernahm die Ukraine die ICF (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit) der WHO.

2001 wurde der Nationale Verband der Menschen mit Behinderung NAIU (NAPD) gegründet als landesweite Interessenvertretung (Verband aus 120 nationalen und regionalen NGOs, Sitz in Kyiv).

Logo des NAIU

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Von Ulrich Würdemann

einer der beiden 2mecs.
Schwulenbewegt, Aids- und Therapie-Aktivist. Von 2005 bis 2012 Herausgeber www.ondamaris.de Ulli ist Frankreich-Liebhaber & Bordeaux- / Lacanau-Fan.
Mehr unter 2mecs -> Ulli -> Biographisches

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