Palais Jacques Coeur – Profanbau- Meisterwerk der Spätgotik

Jacques Coeur, ein zu großem Reichtum gekommener Kaufmann, ließ Mitte des 15. Jahrhunderts in seiner Geburtsstadt Bourges das Palais Jacques Coeur errichten – ein herausragendes Beispiel luxuriöser profaner Baukunst der Spät-Gotik.

Jacques Coeur wurde vermutlich 1395 oder 1400 in Bourges geboren als Sohn des Kürschners Pierre Coeur, der für den Herzog von Berry tätig war. Er lernte zunächst das Gewerbe des Tuchhändlers. 1418 heiratete er Macée de Léodepart, die Enkelin des Münz-Meisters von Bourges. Er erhielt so frühzeitig Zugang zum Hof des späteren Königs Karl VII. Bereits 1435 übernahm er die Münze von Bourges.

Jacques Coeur Geburtshaus in Bourges
Jacques Coeur Geburtshaus in Bourges

Ab 1432 unternahm Coeur zahlreiche Reisen in den Mittelmeer-Raum und an die Levante. Zielstrebig baute er ein Handelsunternehmen mit zahlreichen Kontoren rund um das Mittelmeer auf. Er führte die erste kommerzielle Handelsroute an die Levante ein, unter Umgehung von u.a. Venedig.

1438 ernannte König Karl VII. ihn zum ‚Argentier‘ (etwa: Intendant, Leiter der Versorung des königlichen Hofes). Er versorgte den König und seine Maitresse Agnès Sorel mit Luxus-Gütern. Bald übernahm er auch das Eintreiben königlicher Steuern.

Coeur wurde ein wohlhabender und einflußreicher Kaufmann und leitet ein großes Unternehmen. Im April 1441 erhob Karl VII. ihn in den Adelsstand. Ein Jahr später, 1442 wurde er zudem Mitglied des Kronrats. Jacques Coeur galt inzwischen als der reichste Mann Frankreichs.

Denkmal Jacques Ccoeur, Bourges, vor dem Palais Jacques Coeur
Denkmal Jacques Ccoeur (Antoine Auguste Préault, 1873-75) , Bourges, vor dem Palais Jacques Coeur auf dem gleichnamigen Platz

Coeurs Wohlstand und zunehmende Macht weckt auch Neid und Missgunst. Am 31. Juli 1451 wird er auf Anordnung Karls VII. verhaftet und wegen des Mordes an seiner Gönnerin Agnès Sorel angeklagt und am 29. Mai 1453 schuldig gesprochen. Teile seines Unternehmens werden beschlagnahmt, der Rest von Teilhabern weiter geführt.

Coeur gelingt nach drei Jahren Haft im Oktober 1454 die Flucht aus dem Schloss von Poitiers. Er flieht nach Rom zu Papst Nicolaus V. 1456 plant und leitet er für den neuen Papst Calixt II. einen Kreuzzug gegen die Türken. Am 25. November 1456 stirbt Jacques Coeur auf Chios.

Nach Coeurs Tod gelingen Versuche einer Rehabilitation nur unvollständig. Teile des eingezogenen Vermögens werden zurück gegeben, 1457 auch das Haus.

Palais Jacques Coeur

Ab 1443 bis 1451 lässt Coeur in seiner Geburtsstadt Bourges im Cher für die Summe von 100.000 Gold-Écu ein repräsentatives Gebäude errichten. Gebaut wird das befestigte Stadthaus auf den Resten der einstigen Stadtbefestigung aus gallo-römischer Zeit, auf einem Gelände von 8.000 m². Es soll ein Haus werden, das seinen Rang ausdrückt. „Groß, breit, hoch und prachtvoll“ solle das Haus sein, so Coeur.

Palais Jacques Coeur - Ansicht von der Stadt
Palais Jacques Coeur – Ansicht von der Stadt

1451 (ungefähr zur Zeit von Coeurs Verhaftung) wird der Bau fertiggestellt. jedoch sofort vom König konfisziert. Es ist sowohl ein herrschaftliches Wohnhaus als auch repräsentative Stadtvilla mit Hof und Garten. Coeur selbst wohnt Zeit seines Lebens nie hier (wohl aber seine Frau seit 1457). Erst seine Erben erhalten das Haus 1457 zurück.

Einer der späteren Eigentümer (der letzte private) des Palais Jacques Coeur ist 1679 Jean Baptist Colbert. Am 30. Januar 1682 verkauft Colbert das Gebäude an die Stadt Bourges, die hier diverse Verwaltungen (Rathaus) und später Justiz (Sitz des Gerichts). Ab 1820 mit der Umwandlung in einen Gerichtssitz erfolgt u.a. der Einbau des Appelationsgerichts, ein Großteil der noch erhaltenen Inneneinrichtung geht dabei verloren.

1840 wird das Gebäude in die erstmals angelegte Liste der Denkmäler aufgenommen. 1923 erwirbt der französische Staat das Gebäude, seitdem untersteht es der Denkmalschutz-Behörde. Umfangreiche Restaurierungen folgen in den Jahren 1927 bis 1937.

Palais Jacques Coeur - Ansicht von außerhalb der Stadtmauer
Palais Jacques Coeur – Ansicht von außerhalb der Stadtmauer, rue des Arènes (da sich hier in gallo-römischer Zeit das Theater befand)

Das Palais Jacques Coeur mit seiner reich dekorierten Haupt-Fassade gilt inzwischen als herausragendes Beispiel luxuriöser profaner Baukunst der Spät-Gotik und Meisterwerk des Flamboyant-Stils (gothique flamboyante).

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Villons Spott über Jacques Coeur

François Villon, bedeutender Dichter des Spätmittelalters in Frankreich (1431 – 1463), spottete in seinem ‚Épitaphe‘ über Coeur. Es sei nicht lohnend, den Reichtum eines Jacques Coeur anzustreben, denn

„mieux vaut vivre pauvre sous gros bureau qu’avoir été seigneur et pourrir sous un riche tombeau.“
(etwa: lieber arm leben und schlecht gekleidet, als [wohlhabender, einflussreicher] Herr gewesen zu sein und in einem reichen Grab zu verrotten“, Übers. UW)

Palais Jacques Coeur in Bourges – Fotos

Modell des Palais Jacques Coeur im Museum
Modell des Palais Jacques Coeur im Museum
Palais Jacques Coeur, Eingang zum Hof
Palais Jacques Coeur, Eingang zum Hof (über dem Eingang links und rechts zwei steinerne Figuren, sich aus Fenstern lehnend, vermutlich Jacques Coeur und seine Frau darstellend)
Palais Jacques Coeur - Hof
Hof des Palais Jacques Coeur

Palais Jacques Coeur - Devise Coeur
Palais Jacques Coeur – Devise von J. Coeur („A vaillans cuers riens impossible“, etwa ‚wollenden Herzens [oder: dem Mutigen / Wollenden] ist nichts unmöglich‘ [UW])
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zuletzt aktualisiert 23. Oktober 2016

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