HIV Heimtest: Frankreichs Nationaler Aids-Rat empfiehlt Zulassung (akt.6)

Frankreich: Nationaler Aids-Rat empfiehlt Zulassung von HIV Heimtest

Der Nationale Aids-Rat Frankreichs hat am Freitag 22. März 2013 die Zulassung von HIV-Schnelltests für die eigene Anwendung ( HIV Heimtest ) empfohlen und seine jahrelang ablehnende Haltung revidiert. In Deutschland sind selbst angewendete HIV-Schnelltests (HIV Heimtest) derzeit verboten.

Auf einer Veranstaltung am 22. März 2013 unter Leitung von Prof. Patrick Yeni, seit Mai 2012 Präsident des Nationalen Aids-Rats (Conseil national du sida, CNS), im Ministerium für Gesundheit und Soziales wurden zunächst ein Bericht und eine Stellungnahme zu HIV-Heimtests vorgestellt. Anschließend wurden in 2 Workshops mögliche Risiken und Nutzen von HIV-Heimtests (im Französischen: autotest VIH) sowie mögliche Vertriebs-Kanäle und unterstützende Maßnahmen diskutiert. Unter den Teilnehmern waren auch Vertreter der französischen Aidshilfe-Organisation Aides sowie von ACT UP Paris und der HIV-Aktivistengruppe The Warning. Der Nationale Aids-Rat CNS berät die französische Regierung in Aids-Fragen, er entspricht ungefähr dem nationalen Aids-Beirat in Deutschland.

Autotests de dépistage de l’infection à VIH ( HIV-Heimtest ), Grafik: CNS
Autotests de dépistage de l’infection à VIH ( HIV Heimtest ), Grafik: CNS

Die neue Haltung des Nationalen Aids-Rats (CNS) Frankreich lautet nun:

„Considérant l’importance de l’enjeu d’améliorer la précocité du dépistage en France, les propriétés des autotests, la place qu’ils sont susceptibles de prendre dans l’offre de dépistage et leur rapport bénéfices / risques, le Conseil national du sida se prononce en faveur de la mise à disposition des autotests de dépistage de l’infection à VIH.“
(„In Anbetracht der Bedeutung der Frage der Verbesserung der Früherkennung in Frankreich, sowie der Eigenschaften des HIV-Heimtest , des Platzes den sie vermutlich im Rahmen von Testangeboten einnehmen werden, und des Verhältnisses von Risiken und Nutzen spricht sich der Nationale Aids-Rat für die Bereitstellung von HIV-Tests für die Selbstanwendung aus.“, Übers. UW)

Vor einer Zulassung des HIV Heimtest in Frankreich ist noch die Position des Comité consultatif national d’éthique (CCNE) erforderlich. Dieses Ethik-Beratungsgremium hatte sich 2005 nach Beratungen (bei denen auch Mitarbeiter der französischen Aidshilfe-Organisation Aides konsultiert wurden) ebenfalls gegen den HIV Heimtest ausgesprochen. Über eine neue Position ist noch nichts bekannt. Einer Pressemitteilung der französischen Aidshilfe-Organisation Aides zufolge ist die neue Empfehlung bereits in Abstimmung mit dem CCNE erfolgt. (siehe auch Aktualisierungen unten)

Zusätzliche Empfehlungen für HIV Heimtest

Der Nationale Aids-Rat erließ zusätzliche Empfehlungen, „um die Wirksamkeit und Sicherheit dieser neuen Screening-Tools zu optimieren“. So sollen Selbsttests bestehende Angebote ergänzen, diese nicht ersetzen sondern vielmehr durch konventionelle Tests bestätigt und durch verschiedene Präventuionsansätze, auch zu sexuell übertragbaren Krankheiten, ergänzt werden.

Der HIV Heimtest soll in Frankreich rezeptfrei in Apotheken, Drogerien sowie über das Internet angeboten werden, empfiehlt der Rat. Gerade mit der Zulassung von Internet-Vertrieb solle das Risiko fehlerhafter oder gefälschter HIV-Heimtests reduziert und zugleich auch eine anonyme Zugangsmöglichkeit geboten werden. Er soll besonders Menschen mit einem hohen HIV-Infektionsrisko angeboten werden, hierzu sollen auch Verbände und Beratungsstellen genutzt werden. Jeder HIV Heimtest soll zusammen mit Informationsmaterial u.a. zu Bestätigungstest, Zugang zu medizinischer Behandlung oder Grenzen des Heimtests abgegeben werden. Für eine erfolgreiche Bereitstellugn von HIV-Heimtests sei eine „breite Mobilisierung, auch über die traditionellen Akteure im Kampf gegen HIV / AIDS“ von wesentlicher Bedeutung. Ein Jahr nach Einführung der HIV-Selbsttests soll eine Evaluation erfolgen.

Der 1989 gegründete Nationale Aids-Rat Frankreichs revidiert damit eine zuvor jahrelang geäußerte ablehnende Haltung zu HIV-Heimtests. Noch anlässlich des Welt-Aids-Tags 2008 hatte der Nationale Aids-Rat Frankreichs HIV-Heimtests als „eine falsche gute Idee“ bezeichnet. Man wolle zwar einen breiteren Zugang zu HIV-Tests, auch um die Zahl später HIV-Diagnosen zu reduzieren, Heimtests seien aber abzulehnen u.a. wegen fehlender direkter Anbindung an Pflege und Betreuung sowie der Möglichkeit, dadurch zu Sex ohne Kondomen zu ermuntern. Eine ähnliche Haltung hatte der CNS auch bereits 2004 und 1998 eingenommen und damals besonders die Notwendigkeit ärztlicher Aufsicht über HIV-Tests betont.

Frankreich: Aids-Aktivisten für HIV Heimtest

Im Vorfeld der Veranstaltung hatte sich insbesondere die Aktivistengruppe The Warning zugunsten von HIV-Heimtests eingesetzt. Mit Hilfe selbst angewendeter HIV-Schnelltests könne jeder Benutzer Akteur seiner eigenen Gesundheit werden. Der HIV Heimtest seien ein sinnvolles Werkzeug um die HIV-Epidemie zu beenden. Unter dem bisherigen Verbot seien nur über das Internet aus dem Ausland bezogene HIV-Heimtests unsicherer Qualität möglich gewesen. Angesichts von mindestens 20 bis 30% der HIV-Infizierten, die in Europa nicht von ihrer Infektion wüssten, sei der HIV Heimtest eine weitere Möglichkeit des HIV-Screenings und stärke zudem die Autonomie der Anwender.

The Warning fordert bereits seit 2008 in Frankreich die Zulassung von Selbsttests. Bereits am Rand der XIX. Internationalen Aids-Konfernez in Washington im August 2012 hatte Georges Sidéris, Präsident von The Warning, die französische Gesundheitsministerin Marisol Touraine auf HIV-Heimtests angesprochen. Die Ministerin zeigte sich offen für das Thema, sie sei sich dieser Frage bewusst. Im Anschluss hatte Touraine den Nationalen Aids-Rat des Landes um eine Stellungnahme gebeten.
Die heutige Empfehlung des Nationalen Aids-Rats, den HIV Heimtest in Frankreich zuzulassen, begrüßten die Aktivisten von The Warning (die jüngst in Belgien mit dem Start der Kampagne Mr. HIV für Aufmerksamkeit sorgten). Nun sei das Ministerium gefordert, die notwendigen administrativen Schritte zügig umzusetzen, um eine baldige Verfügbarkeit zu erreichen.

HIV Heimtest: USA – ja, Deutschland – nein

In den USA wurden HIV-Schnelltests für die Selbstanwendung zuhause bereits im Juli 2012 zugelassen und sind dort seit Oktober 2012 über Apotheken verfügbar. In Australien hatte jüngst ACON, eine Aidshilfe-Gruppe die sich besonders in LGBT-Szenen engagiert, die Legalisierung von HIV-Selbsttest gefordert.

In Deutschland sind HIV-Tests für die Selbstanwendung derzeit nicht zugelassen (Verbot seit dem 21.03.2010, ‚Gesetz zur Änderung medizinprodukterechtlicher Vorschriften‘). HIV-Tests, auch Schnelltests, dürfen nur im Beisein eines Arztes / einer Ärztin durchgeführt werden.
Die Zulassung eines HIV-Schnelltests zur Selbstanwendung in den USA hatte die Deutsche Aids-Hilfe im Juli 2012 als „Ausdruck der Verzweiflung“ angesichts der sich immer weiter ausbreitenden HIV-Epidemie eingeschätzt und darauf hingewiesen, dass Beratung entscheidend sei: „Auch wenn der Heimtest vielleicht attraktiv erscheint, weil man ihn völlig anonym machen kann – Antworten auf Fragen und Beratung zu HIV, Safer Sex und anderen sexuell übertragbaren Infektionen kann er nicht liefern.“

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Aktualisierung:
22.03.2013, 14:00: Die französische Aidshilfe-Organisation Aides betonte ihre Unterstützung für den HIV-Heimtest und die neue Empfehlung des CNS.
ACT UP Paris stimmte der neuen Empfehlung des CNS zu. Die Gruppe hatte sich in den Jahren zuvor gegen Heimtesst ausgesprochen. Allerdings sollte der HIV-Heimtest mit Bedacht eingesetzt werden, und komplementär zur Verwendung von Kondomen.
22.03.2013, 16:00: Die französsiche Presse berichtet breit über die neue Empfehlung des CNS. Eine Zulassung der HIV-Heimtests könne zur Verringerung der Zahl der jährlichen HIV-Neuinfektionen um 400 führen, berichtet Ouest-France (die auflagenstärkste französische Regionalzeitung). 2011 seien 6.100 HIV-Infektionen in Frankreich diagnostiziert worden. 30.000 bis 40.000 Menschen lebten in Frankreich mit einer HIV-Infektion, ohne von dieser zu wissen.
Das Schwulen-Magazin Tetu konnte aufgrund eines Streiks bisher nicht berichten.
22.03.2013, 18:30: Die Position des Ethik-Gremiums CCNE wird Montag (25.3.2013) gegen 14:00 Uhr bekannt gegeben werden. Eine Entscheidung der zuständigen Gesundheitsministerin über die Zulassung des HIV-Heimtest in Frankreich wird anschließend für die folgenden Tage erwartet.
25.03.2013, 14:00: Das CCNE hat seine 30 Seiten umfassende Stellungnahme („Les problèmes éthiques posés par la commercialisation d’autotests de dépistage de l’infection VIH“ vom 21.2.2013) am 25.3.2013 um 14:00 Uhr veröffentlicht. Details siehe 2mecs 25.03.2013: HIV-Heimtest: Ethik-Gremium CCNE spricht sich nicht gegen HIV-Heimtest aus, formuliert Vorkehrungen
29.03.2013: Iast auch bei uns Zeit für eine unaufgeregte Debatte zum HIV-Selbsttest? (Interview mit Blog Immunantwort)
03.04.2013: Sind HIV-Selbsttests eine gute Alternative für Menschen, die nicht in Beratungseinrichtungen gehen wollen? Diese Frage hat ein Übersichtsartikel behandelt, der in PLOS Medicine publiziert ist: Nitika Pant Pai et al.: Supervised and Unsupervised Self-Testing for HIV in High- and Low-Risk Populations: A Systematic Review, PLOS Medicine
„In Deutschland sind HIV-Selbsttests auch nicht sinnvoll“, sagt Holger Rabenau vom Nationalen Referenzzentrum für Retroviren in Frankfurt.
06.04.2013: Am Freitag, 05. April 2013, hat sich Frankreichs Gesundheitsministerin Tourain für die Zulassung von HIV-Selbsttests ausgesprochen und angekündigt, die erforderlichen Bewertungsverfahren in die Wege zu leiten.

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weitere Informationen:
Conseil national du sida 22.12.2012: Avis sur les autotests de dépistage de l’infection à VIH (pdf)
Conseil national du sida 22.12.2012: Rapport sur les autotests de dépistage de l’infection à VIH (pdf)
Conseil national du sida 22.03.2013: Autotests de dépistage de l’infection à VIH : présentation de l’Avis du CNS
Conseil national du sida 01.12.2008: Dépistage et autotest : une fausse bonne idée
Conseil national du sida 09.12.2004: Note valant avis sur la commercialisation des autotests VIH
Conseil national du sida 19.06.1998: Rapport sur l’opportunité de la mise sur le marché français des tests à domicile de dépistage du VIH
Comité consultatif national d’éthique 2005: Avis No. 86: Problèmes posés par la commercialisation d’autotests permettant le dépistage de l’infection VIH et le diagnostic de maladies genetiques (pdf)  
ondamaris 05.05.2012: Frankreich: Patrick Yeni zum neuen Präsident des ‘Conseil national du sida’ nominiert
Warning 06.08.2012: Marisol Touraine se montre ouverte à la question des autotests VIH
Warning 21.03.2013: Pourquoi Warning soutient la légalisation des autotests VIH
Warning 15.03.2013: Autotest VIH: chaque utilisateur est acteur de sa santé et de la lutte pour la fin de l’épidémie
Warning 13.03.2013: «Ma séropositivité, c’est par un autotest que je l’ai apprise»
ACON Februar 2013: ACON’s Position Statement on Home Based HIV Testing & Gay Men (komplette Pressemitteilung als pdf)
DAH 17.06.2009: Bundestag sichert Qualität des HIV-Test
DAH 04.07.2012: „Die Zulassung der HIV-Heimtests in den USA ist ein Ausdruck der Verzweiflung“
ACT UP Paris 22.03.2013: Le Conseil national du sida (CNS) rend un avis favorable à la mise à disposition des autotests de dépistage de l’infection à VIH
Aides 22.03.2013: Aides dit „oui“ aux autotests
Ouest-France 22.03.2013: Dépistage du sida. Les autotests reçoivent un avis favorable
CCNE 25.03.2013: Les problèmes éthiques posés par la commercialisation d’autotests de dépistage de l’infection VIH (Avis No. 119, pdf)
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12 Antworten auf „HIV Heimtest: Frankreichs Nationaler Aids-Rat empfiehlt Zulassung (akt.6)“

  1. Mit einem HIV-Heimtest und einem vernünftigen Beipackzettel, der z.B. erklärt, dass ein zweiter Test notwendig ist, dass HIV-Positivität noch nicht AIDS ist und dass auch AIDS nahezu heilbar, zumindest so gut behandelbar ist, dass man im günstigen Fall eine nahezu normale Lebenserwartung hat – jedenfalls so die Richtung – damit kommt meine Erachtens auch Lieschen Müller zurecht und dies ist auch ein Beitrag zur Normalisierung. Ein Heimtest ermöglicht auch eine Privatheit, die Menschen eher ermutigt, sich mal mit Ihrem Immunstatus (positiv oder negativ) auseinanderzusetzen – Ärzte, Gesundheitsamt, AIDS-Hilfen – das sind auch Hürden, die manchem zu hoch und zu bedrohlich sind.

    Gestern auf den 15. Münchner AIDS und Hepatitis Tagen habe ich mit einem Pharma-Vertreter für HIV-Heimtest geredet. Der Stand der Dinge ist, dass die Heim-Tests nur durch den Arzt abgegeben werden – allerdings erhalten Sie von Apothekern immer häufiger Anfragen, die dürfen zwar eigentlich nicht direkt verkaufen, aber auch hier ist ein Interesse direkt zu verkaufen – an Freunde des Apothekers wird wohl schon abgegeben….
    Der Vertreter würde auch einen direkten Verkauf über das Internet gut finden – nicht nur aus finanziellem Interesse, sondern weil eine niederschwellige frühzeitige Kenntniss über den Immunstatus einfach wichtig ist – die Gefahr, dass man bei einem ersten positiven Ergebnis gleich aus dem Fenster springt – offen gesagt, ich glaube, dass hier eine erste „geheime“ ganz private Testdurchführung manchmal besser ist als der Anruf von dem Arzt, der dann mit einer betulichen Dramatik das Ergebnis zum Beispiel bei mir mit dem Kommentar „sie haben noch 15 Jahre Lebenserwartung“ auch noch verschlimmbessert – ein kluger Bepackzettel könnte hier manchen Arzt qualitativ locker ersetzen.
    Fazit – wir sollten fordern dass HIV-Heimtests freigegeben werden.

    1. nun gibt es ja auch ängste in sachen breite verfügbarkeit vion hiv-heimtests, und ich kann diese angst ja auch verstehen …

      finde es andererseits überlegenswert, ob man insbes. in schwulen und männerliebenden szenen (um die abkürzung msm zu meiden) vielleicht anders mit (eben auch anonym verfügbaren) heimtests umgehen kann. ja, die von dir angeführte niedrigschwelligkeit ist da auch ein argument.

      ein argument, das in der debatte in frankreich viel erörtert wurde, ist die frage wie weit ein „schnell mal vorher zu machender hiv-heimtest“ dazu führt, diesen als ‚motovation‘ zu nehmen beim sex dann auf kondome zu verzichten (und zB die frage des diagnostischen fensters außer acht zu lassen)

  2. “schnell mal vorher zu machender hiv-heimtest” dazu führt, diesen als ‘motivation’ zu nehmen beim sex dann auf kondome zu verzichten (und zB die frage des diagnostischen fensters außer acht zu lassen)“
    Das ist vielleicht für eine Diskussion interessant, aber im Licht der Realität betrachtet eher von geringer Relevanz – einfach weil Sex so nicht (oder äusserst selten) stattfindet.
    Entweder Menschen haben Sex, dann denken sie in der Regel an nichts, was sie dabei stören könnte – und die Kondompropaganda ist ja zu Recht immer lustvoll präsentiert, schöne Körper, gute Stimmung und nur eine softe Warnung – niemals schockierend.
    Also man denkt an Sex und einer denkt mit einem verlegenen Lächeln (in der Regel ohne zu benennen warum) schnell und nonverbal an ein Kondom – reicht ja auch….
    Wahrscheinlich ist, dass zwei Menschen, die als Pärchen auf Kondome verzichten wollen – oder als Paar merken, dass Kondome gerade bei einer paarbezogenen und dann auch intensiveren Sexualität einfach nicht wirklich gut funktionieren, mal den Test gemeinsam machen – klar, die berücksichtigen auch das diagnostische Fenster nicht wirklich – aber es geht hier in eine Richtung, die ok ist. Manche Menschen können dann auch Pech haben, aber sie wissen dann eben auch Bescheid – z.B. nach einem zweiten Heimtest – und das Risiko wird auch hier letztlich geringer.
    Ich habe gerade in München einen eher schlechten Ärztevortrag gehört – die Ärztin stellte aus ihrer Praxis ein Problem zur Diskussion: Ein schwuler Mann, positiv, bissl Viruslast und Immunsystem noch ganz ok will unbedingt die Medikation – soll man sie ihm geben oder nicht?
    Das für mich Ärgerliche war, dass die versammelte Ärzteschaft nicht in der Lage war, die mögliche Motivation dahinter zu ergründen – und die war vielleicht nicht der Wunsch, das
    böse Virus hysterisch loszuwerden, sondern möglicherweise der Wunsch niemanden anzstecken – eben mit Viruslast unter Nachweisgrenze den bisherigen schwulen Lebensstil beizubehalten. Das erschien dem Patienten möglicherweise wichtiger, als die eventuell negativen Folgen einer zu frühen Medikation.
    Heimtest – Viruslast unter Nachweisgrenze – übrigens auch nett war das T-Shirt, das auf den 15. Münchner AIDS und Hepatitis Tagen verteilt worden ist. Es ist zwar orange (nicht meine Farbe) aber der Aufdruck – „POSITIV – nicht infektiös“ – da kommt doch was in Bewegung, das ist doch ne Erkenntnis. Gerade in der Szene wird es in diese Richtung laufen – man will wissen wie der eigene Status ist, will, wenn man positiv ist, nicht infektiös werden, denn das ist eine lebbare Option – und letztlich bleiben bei dieser Entwicklung auch mehr Menschen dauerhaft negativ, das ist auch logisch. Vielleicht (da kommt der Konservative bei mir wieder durch) ist es auch gut, das Thema dauerhafte Bindung ist einfach schöner als das allzu Promiske (Stichwort Lebensparnerschaft) liebevoll zu pflegen – mißverstehe mich jedoch nicht, selbst die dunkelsten Ecken unserer Szene sind Teil unserer Subkultur – und sicherlich der interessantere – aber wir mußten in der Neuzeit einfach lernen, dass wer Gaia umarmt und viele Menschen liebt, auch von Mutter Erde umarmt wird – und die Umarmung der Urmutter ist oft auch tödlich. Unsere Vorfahren hatten hier – auch z.B. mit ihrer Abwendung vom Menschen als Mönche (und das in nahezu allen Kulturen) – einen Instinkt, dem diese tödlichen Erfahrung bewußt war – wir haben diesen Instinken seinerzeit zutiefst mißtraut – letztlich zu Recht, denn wir kennen jetzt unsere Feinde (nicht Gott und die Moral) – Mikroorganismen, die jeden fressen, der mit allzuvielen Organismen Körpersäfte austauscht, sei es eine Fliege, ein Fisch oder ein Mensch – in üppiger Gefräßigkeit verschlingt Gaia diejenigen, die sie zu sehr lieben – ok das ist jetzt ne andere Diskussion.
    Mit dem Heimtest sind wir auch hier einen Schritt weiter – und ich habe individuelles Handeln immer schon besser gefunden als Institutionelles – und vertraue dem Individuum (das den Heimtest macht) mehr als einer Institution (die evtl. Risikogrummen zum Test vorlädt ). Liebe Grüße – was für ein scheiß Wetter zur Zeit 🙂

  3. Man kann die Zulassung von Heimtests auch von einem anderen Standpunkt aus betrachten. Die Haltung der Gesellschaft und da insbesondere die Art und Weise der Thematisierung/Berichterstattung von HIV/AIDS in den div Medien ist schlicht und ergreifend nach 30 Jahren immer noch katastrophal. Sie ist diskriminierend, verallgemeinernd und Angstbesetzt, von einigen Journalisten die zu einer sachlichen objektiven Berichterstattung fähig sind abgesehen. Sexualität im Alltag auch oder besonders promiskes Verhalten nimmt nach wie vor einen hohen Stellenwert ein. Im professionellen Sexanbieter Dienstleistungsgewerbe ist der Wunsch – die Nachfrage nach AO in einem relativ großen Maß vorhanden. Dazu kommt das ein Heimtest ungeschützte ONS bei der jüngeren Generation geradezu begünstigt – unterstützt. Bei Preisen zwischen Euro 20 und Euro 100 kommt da einiges an Umsatz/Profit zusammen das sich kein Konzern entgehen lassen will.

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