Hotel Zehnpfund Thale – größtes Sommerhotel Deutschlands

Zuletzt aktualisiert am 4. April 2020 um 9:37

Das größte Sommerhotel Deutschlands befand sich einst in Thale – das Hotel Zehnpfund :

Thale wurde 1862 an das Eisenbahnnetz angeschlossen (Berlin – Magdeburg – Thale). Schon bald wandelte sich der Charakter des am Harzrand gelegenen Ortes – Thale begann, zusätzlich zum Industriestandort auch ein attraktives Touristen-Ziel zu werden.

Direkt in Nachbarschaft zum Bahnhof Thale wurde bereits ein Jahr nach Eröffnung des Bahnhofs Thale am 1. April 1863 auch das Hotel Zehnpfund eröffnet, gebaut von der Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft im Auftrag des Magdeburger Bahnhofswirts Franz Zehnpfund. Ein zweiter Bauabschnitt wurde 1867 realisiert.

Das Hotel Zehnpfund entwickelte sich bald zum vornehmsten Hotel der Harz-Region. Zu seinen bekanntesten Gästen zählte Theodor Fontane, der sich zwischen 1868, 1877, 1881 und 1882 mehrfach im Hotel Zehnpfund aufhielt und nach eigenem Bekunden hier das Vorbild für seine Effi Briest entdeckte, hier spielen Teile seines Romans Cecile. 1885 erinnert sich Fontane:

„Ich saß im Zehnpfund-Hotel, auf dem oft beschriebenen Balkon und sah nach der Rosstrappe hinauf, als ein englisches Geschwisterpaar … auf den Balkon hinaustrat. Das Mädchen war genauso gekleidet, wie ich Effi in den allerersten und dann auch wieder in den allerletzten Kapiteln geschildert habe: Hänger, blau und weiß gestreifter Kattun, Ledergürtel und Matrosenkragen. Ich glaube, dass ich für meine Heldin keine bessere Erscheinung und Einkleidung finden konnte.“

Das Hotel Zehnpfund wurde seinerzeit mit seinen 150 Zimmern und Suiten als größtes Sommerhotel Deutschlands bezeichnet. Fontane selbst hält sich 1883 und 1884 erneut in Thale auf – diesmal jedoch nicht im Hotel Zehnpfund, sondern im ‚Hubertusbad‘.

Das ehemalige ' Hotel Zehnpfund ' in Thale, Dezember 2010
Das ehemalige ‚ Hotel Zehnpfund ‚ in Thale, Dezember 2010

Dem Hotel Zehnpfund war keine lange Karriere als Hotel beschieden. Bereits 1913 wurde der Hotelbetrieb endgültig eingestellt; im ersten Weltkrieg wurde es als Reserve-Lazarett für Kriegsverwundete verwendet. Nach Ende des Ersten Weltkreigs wurde das Hotel nicht wieder in Betrieb genommen; schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte die nahe gelegene Eisenhütte den touristischen Stern Thales und des Hotels sinken lassen. Am 22. Oktober 1920 erwarb der Landkreis Quedlinburg das Gebäude.

Vom 1. Mai 1921 bis 2003 wurde das Gebäude kommunal genutzt, zunächst als zentrales Verwaltungsgebäude, bald auch mit Sitz von Ortskrankenkasse und Sparkasse. Schließlich wurde es auch formal Rathaus von Thale, in DDR-Zeiten Sitz der Stadtverwaltung und Bibliothek.

2004 gab es Planungen einer Wiedereröffnung als Luxus-Hotel – im Winter 2010/11 (siehe Foto) war es immer noch ‚Baustelle‘. 2015 wurde ein Projekt lanciert, bis zu 60 Wohnungen in dem ehemaligen Hotel und Rathaus zu realisieren. 2016 sollte der Baubeginn erfolgen.

Anfang 2019 wurden Planungen bekannt, in dem Objekt ein Seniorenzentrum einzurichten.

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