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Homosexualitäten

Herbert Tobias 1980 über Männlichkeit

„Mir scheint, daß die sich,,maskulin“ gebenden Schwulen im Bewußtsein der Kleinbürgerwelt mehr und Besseres bewirken als das ermüdende Vorzeigen eines ,,Kreischtunten-Wahns“. (Wenn es einen ,,Männlichkeitswahn“ gibt, den es sicher gibt, muß es ergo auch die Entsprechung dafür geben, nein?) …

Natürlich könnte nun eine endlose Diskussion darüber ausbrechen: Was ist das, ein Mann? …

Ich bin sicher, daß sich hinter den meisten Traumbildern schwuler Wunschvorstellungen etwas anderes verbergen wird, als ein Kerl, dessen Körper, Hirn und Fühlen tagaus tagein mit Pailletten verklebt ist! …

In der sich maskulin oder super-maskulin darstellenden schwulen Welt hat die Gettobildung im Getto einen eher noch höheren Stellenwert. Wenn man die Wände eines Leder-Club-Lokals betrachtet, sieht man den Vereinsmeierwahn in voller Aktion. …

Was wurde aus den Leder-Clubs? In den meisten Fällen etwas Enges, Bigottes, Elitäres… Gruppen, die fast immer zur Selbstdarstellung die Figur des negativen Außenseiters brauchen, also genau konkret das Gegenteil dessen, was man im Moment der Gründung – fast wie die Lösung einer Loge – an ethischem Anspruch auf die Fahne schrieb: Kameradschaft wohl vor allem. …

Aber zurück zu uns: Ihr da in den Vereinen und Grüppchen, die da mit den Pailletten auf den Tüll-Fummeln und ihr Lederkerle mit den nietenübersäten Kerls-Cledagen (das sind eure Pailletten, es ist kaum ein Unterschied!) überlegt Euch doch mal, ob das Leben so amüsant wird wie ihr glaubt, wenn ihr die paar Einzelfiguren, diese paar Individualisten die ihr noch übrig gelassen habt, auch noch umbringt:
Was wollt ihr tun, wenn sie nicht mehr da sind, woran wollt ihr euch darstellen, wenn der bitter-nötige Kontrast zu eurer Selbstbefriedigung nicht mehr vorhanden ist?
Denn schwarz – ohne daß es weiß gäbe, ist nichts! Denkt! Es ist fünf vor zwölf. – Oder doch schon danach?“

Herbert Tobias: 10 Jahre später – Gedanken über uns und die siebziger Jahre. Schlechte Zeiten für Individualisten. in: him applaus Jubiläumsausgabe, Nr. 5/6 Mai/Juni 1980

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Herbert Tobias (1924 – 1982) gilt als einer der bedeutendsten deustchen Fotografen der Nachkriegszeit. Herbert Tobias starb am 17. August 1982 in Hamburg an den Folgen von Aids (als einer der ersten Prominenten in Deutschland). Seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof Hamburg Altona.

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Hamburg Homosexualitäten

Wähl Liebe Hamburg Spielbudenplatz 15. Februar 2025

Wähl Liebe – solange du noch kannst, unter diesem Motto fanden am 15. Februar 2025 in 55 deutschen Städten Aktionen für Vielfalt, Demokratie und Minderheiten-Schutz statt.

An der Veranstaltung in Hamburg auf dem Spielbudenplatz nahmen ca. 3.500 bis 4.000 menschen teil.

Wähl Liebe Hamburg Spielbudenplatz 15. Februar 2025
Wähl Liebe Hamburg Spielbudenplatz 15. Februar 2025
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Homosexualitäten Kulturelles

Ganymed und Adler – PichiAvo (Mural, Heidelberg 2020)

Das Mural ‚Ganymed und der Adler‘ realisierte das Künstler-Duo PichiAvo 2020 auf der über 140 m² großen Nordwand im Hauptbahnhof Heidelberg.

Ganymed und Adler - PichiAvo Mural, Heidelberg 2020
Ganymed und Adler – PichiAvo, Mural, Heidelberg 2020

Das Mural wurde von PichiAvo Ende Juli 2020 im Hauptbahnhof Heidelberg als Kooperation mit der DB und dem Metropolink- Festival realisiert.

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Berlin Homosexualitäten

Post Daddies (2024)

Zwei ältere Männer, beide queer, treffen sich in einer Sauna. Sie kommen ins Gespräch, über Dating, über das Älterwerden, über die Frage ob es vielleicht ‚eine Art kollektive Weisheit der Älteren‘ gibt – und wer das wissen will.

„Wir sind tatsächlich die Alten. Da gibt es eine Kluft. Wir wissen so wenig voneinander.“

Konstantin Achmed Bürger, Regisseur von Post Daddies
Post
Post Daddies (Aushang am Heimathafen Neukölln)
Post Daddies
addiesPost Daddies (Aushang am Heimathafen Neukölln)
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Frankreich Homosexualitäten

Tetu erneut in Gefahr – Eigentümer in Insolvenz

Zum wiederholten Mal ist die französische LGBT Magazin Tetu in Gefahr. Die Muttergesellschaft I/O Media meldete Insolvenz an.

Tetu zu den Präsidentschaftswahlen 2007
Tetu zu den Präsidentschaftswahlen 2007

Des ist mindestens die dritte Insolvenz in der inzwischen 28jährigen Geschichte des Magazins.

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Homosexualitäten Oldenburg

CSD Oldenburg 2023

Etwa 11.000 Menschen zogen am 17. Juni 2023 bei bestem Wetter zur Demonstration zum CSD Oldenburg 2023 durch die Stadt.

CSD Oldenburg 2023

Motto 2023: „Queere Vielfalt leben – sichtbar und sicher

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Frankreich Homosexualitäten

Illico (1988 – 2022)

Das Magazin illico wurde im März 1988 von Jacky Fougeray (geb. 1959; früher Rdakteur beim Schwulenmagazin Gai Pied) gegründet. Illico erschien monatlich und wurde in den Schwulen- Treffpunkten von Paris gratis ausgelegt.

Die Print- Ausgabe von Illico erschien von 1988 bis 2007. Zeitweise errerichte die Auflage des im Format A5 erscheinenden Magazins 40.000 Exemplare. Chefredakteur war ab 1999 (Mitarbeit ab 1989) der Journalist Didier Roth-Bettoni (geb. 8. Mai 1967; später u.a. Autor bei Tetu).
Zur Finanzierung von Illico diente auch eine scwule Dating-Seite (3615 boy auf Minitel, einem französischen Btx- Pendant). Am 15. Juni 2007 erschien mit Ausgabe Nr. 174 die letzte Print-Ausgabe von Illico.

Bereits in den 1990er Jahren wurde parallel zur Print-Ausgabe eine Internetseite e-illico in’s Leben gerufen, diese wurde bis Mai 2022 aktualsiert.

Seit 2022 wird die Internetseite e-illico nicht mehr gepflegt, keine neuen Inhalte mehr – nur noch ein Archiv früherer Ausgaben ist online.

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Homosexualitäten Oldenburg

IHWO Oldenburg (1973 – 1974)

Die ‚Internationale Homophile Welt Organisation‘ IHWO hatte zeitweise eine Regionalgruppe in Oldenburg .

Regionalgruppe meinte damals auch es gab mindestens lokales Mitglied, das seine Einwilligung gab, dass seine Adresse an Kontaktpersonen in der Region weitergegeben werden konnte.

IHWO Oldenburg

Über die IHWO Regionalgruppe Oldenburg berichtete die IHWO in ihren ‚Nachrichten‘ im Februar 1973, diese befinde sich ‚kräftig im Aufstreben‘. Die Gruppe besaß immerhin ein gutes Dutzend aktive Mitglieder (Wolfert). In ihrem Umfeld soll es kleinere Gruppen in Jever sowie in Wilhelmshaven gegeben haben.

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Homosexualitäten Oldenburg

OLG Oldenburg 1946: Paragraph 175 ist Nazi- Unrecht

Das Oberlandesgericht Oldenburg entschied 1946, dass die Paragraphen 175 und 174a Nazi- Unrecht seien.

Präsident des OLG Oldenburg war damals (1945-51) Dr. Ekhard Koch (15.4.1902 Jever – 2.3.2000 Oldenburg), der 1951 – 1962 Staatssekretär im Niedersächsischen Justizministerium war. [Nachlass im Niedersächsischen Landesarchiv in Oldenburg (NLA OL Erw 70 ) Nachlass Ekhard Koch)]

Urteil des OLG Oldenburg vom 15.4.1946 (SJZ Süddeutsche Juristen Zeitung 1946, 96) (Höchstrichterliche Entscheidungen in Strafsachen HESt Band 1, Nr. 131, S. 295 – 298)

Ähnlich urteilten die OLGs Braunschweig und Kiel 1947 (vgl. Herzer 1990).

Bei der Rechtsbereinigung mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 55 (20. Juni 1947) wurden diese dann jedoch nicht in die Aufhebungsanordnung einbezogen.

„Zunächst ist zu bedenken, dass nach 1945 in erster Linie nur die Judenverfolgung und „herrisches Gehabe“ als spezifisch nationalsozialistisch galten. Die Verfolgung von Homosexuellen, politischen Gegnern, „Asozialen“sowie die Sterilisation von Geisteskranken z.B. wurden nicht als nationalsozialistisch begriffen.“

Peter Bahlmann, Verbrechen gegen die Menschlichkeit? Wiederaufbau der Justiz und frühe NS-Prozesse im Nordwesten Deutschlands. Dissertation, 2008
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Homosexualitäten Oldenburg

recht schwul – Anfänge der ’schwulen Juristen‘ in Großenkneten

Die ‚Bundesarbeitsgemeinschaft schwule Juristen‘ (BASJ), ein Freundeskreis schwuler Juristen und Autoren des Rechtsratgebers für Schwule, startete – in Großenkneten bei Oldenburg.

Der Jurist Stefan Reiß, 1985 erster offen schwuler Abgeordneter Deutschlands und Mitbegründer der Deutschen Aids-Hilfe, berichtet