Filmstudio Bendestorf 1947 bis 2012 – ‚Sünderin‘ – Atelier abgerissen

Zuletzt aktualisiert am 5. Dezember 2018 um 9:34

„Die Sünderin‘ wurde hier gedreht, sowie zahlreiche deutsche ‚Heimatfilme‘. Doch kaum jemand kennt das Filmstudio Bendestorf. 2018 wurde das Haupt-Atelier im Filmstudio Bendestorf abgerissen.

Bendestorf – die Gemeinde in Niedersachsen südlich von Hamburg ist nur wenig bekannt. Doch ab 1947 wurden hier annähernd 100 Spielfilme gedreht. Der Spitzname ‚Heide-Hollywood‘ für Bendestorf speist sich aus diesem Teil der Dorfgeschichte. Kaum einer der hier gedrehten Spielfilme erreichte große Bekanntheit – und doch, zahlreiche Stars wie Marika Rökk, Ruth Leuwerik, Hildegard Knef oder Zarah Leander, Hardy Krüger oder Hans Albers drehten hier. Selbst John Lennon war in den Filmstudios Bendestorf (in der Halle A3) – zu Probeaufnahmen für „Wie ich den Krieg gewann“ (Richard Lester 1967; teilweise in Bendestorf gedreht).

Filmstudio Bendestorf 1947 bis 2012

Die Filmstudios Bendestorf entstanden am 1. April 1947 durch die „Junge Film Union“, eine der ersten Filmgesellschaften in West-Deutschland nach dem 2. Weltkrieg. Gründer und ex- UFA-Volontär Rolf Kurt Werner Otto Meyer, der unter dem Namen ‚Kurt Werner‘ in einigen seiner Filme selbst mitwirkte, wurde 1956 angeklagt wegen Konkursvergehen und Steuerkürzung.

Der erste hier gedrehte Spielfilm ist „Menschen in Gottes Hand“, 1948 in Hamburg Harvestehude uraufgeführt. Weitere bekannte Filme, die hier entstanden, sind neben der ‚Sünderin‘ u.a. die ‚Czardasfürstin‘ oder ‚Ave Maria‘.

Der bekannteste hier entstandene Film bleibt ‚Die Sünderin‘ aus dem Jahr 1951, mit dem Hildegard Knef ihren Durchbruch erzielte. Gedreht wurde ‚Die Sünderin‘ im 1.000 m² großen Atelier A1 der Filmstudios Bendestorf – dem Studio, das 2018 abgerissen wurde.

drehte im Filmstudios Bendestorf die 'Sünderin': Hilegard Knef, hier bei der Eröffnungsfeier der DEFA 1946 (Wolfgang Staudte (links) und Hildegard Knef (Mitte) neben Herbert Uhlig) [Foto: Abraham Pisarek / Deutsche Fotothek
drehte im Filmstudios Bendestorf die ‚Sünderin‘: Hilegard Knef, hier bei der Eröffnungsfeier der DEFA 1946 (Wolfgang Staudte (links) und Hildegard Knef (Mitte) neben Herbert Uhlig) [Foto: Abraham Pisarek / Deutsche Fotothek, cc by-sa 3.0
Eröffnungsfeier der DEFADeutsche Fotothek‎CC BY-SA 3.0 de

Die Filmstudios Bendestorf wurden in den 1960er Jahren zu klein für große Spielfilm-Produktionen. TV-Produktionen folgten, meist TV-Shows für öffentlich-rechtliche und später auch private TV-Sender, später dann Werbefilme. Im Sommer 2015 wurde im Filmstudio Bendestorf der letzte Film gedreht – ein Spielfilm über Fritz Lang.

Filmstudio Bendestorf – Abriss

Am Abend des 25. März 2014 stimmte der Gemeinderat von Bendestorf mit zehn zu drei Stimmen einer geplanten Wohnbebauung und damit dem Abriss der Filmstudios zu. Die Suche nach etwaigen Investoren war zuvor erfolglos verlaufen. Die Samtgemeinde Jesteburg hatte angeboten, den Kauf der Filmhalle A1 zu finanzieren. Dafür allerdings hätte das Filmmuseum an die Gesamtgemeinde abgegeben werden müssen. Die Gemeinde Bendestorf lehnte dies jedoch ab.

Auf der 14.000 m² großen Fläche will ein neuer Investor nun 30 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern errichten. Der Besitzer des Areals, Hans-Joachim Fink, äußerte sich zufrieden mit dem Beschluß.

Die Abrissarbeiten sollten ursprünglich noch 2014 Jahr erfolgen, voraussichtlich im November, nach endgültiger Genehmigung des Bebauungsplans. Doch nach Protesten, zwischenzeitlichen Wahlen und Übrarbeitungen des Bebauungsplans verzögerte sich der Abriss.

Mitte  April 2018 begann der Abriss dann endgültig. Auch die ehemalige Halle A1 des ‚ Heide Hollywood ‚ verschwand.

An die Filmgeschichte von Bendestorf erinnert ein kleines Filmmuseum (das u.a. zwei Projektoren des alten ‚Koralle-Kinos‘ hat). Früher in der Gemeindeverwaltung untergebracht, soll es zukünftig in das einzige Gebäude der klassischen Filmstudios einziehen. Dieses Gebäude blieb erhalten, die ehemaligen Vox Klangstudios / Produzentenkino. In diesem ehemaligen und inzwischen wieder hergestellten Produzentenkino hat nun auch das kommunale Kino seinen Sitz, getragen vom Förderverein des Filmmuseums Bendestorf.

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Text zuletzt aktualisiert 17. April 2018

2 Antworten auf „Filmstudio Bendestorf 1947 bis 2012 – ‚Sünderin‘ – Atelier abgerissen“

  1. Schade um die Studios!

    Wo sind die ersten Filme zu sehen?
    Zugvögel
    Wege im Zwielicht
    Menschen in Gottes Hand

    Gibt es Literatur über Rolf Meier oder die Junge Filmunion ?

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