Lübeck Synagoge – Die jüdische Gemeinde von Lübeck

Zuletzt aktualisiert am 2. Mai 2019 um 16:10

Bei unseren Spaziergängen 2011 durch das frühlingshafte Lübeck kommen wir an der Synagoge vorbei – die gerade offen ist, eine kleine Informations-Veranstaltung beginnt gerade.

Lübeck Synagoge
Lübeck Synagoge

Juden leben in der Region Lübeck seit dem 17. Jahrhundert – lange im Dorf Moisling, damals vor den Toren der Stadt. 1812, während der drei Jahre währenden Napoleonischen Phase (und der damit verbundenen erstmaligen Gleichstellung der Juden), entstand erstmals eine Synagoge in Lübeck. Doch nach der Niederlage Napoleons widerrief der Lübecker Senat die Gleichstellung, 1824 wurden die Juden aus Lübeck vertrieben und zogen zurück nach Moisling.

Lübeck Synagoge – Geschichte

1848, in Folge der März-Revolution, erlangten die Juden wieder das Recht, sich in Lübeck niederzulassen. 1850 wurde eine Synagoge eingeweiht; 1880 dann eine neue Synagoge an der St.-Annen-Straße, noch heute Sitz der Synagoge und jüdischen Gemeinde Lübecks.

Nur sehr wenige Lübecker Juden überlebten den Holocaust. Nach 1945 entwickelte sich zunächst eine bis zu 250 Mitglieder starke neue jüdische Gemeinde, schon Anfang der 1950er Jahre jedoch sank die Mitgliederzahl stark.

Lange hatte die jüdische Gemeinde Hamburg die Verwaltung der Lübecker Synagoge übernommen – zu gering war die Mitgliederzahl der Lübecker Gemeinde. Seit einigen Jahren, die Mitgliederzahl war stetig gestiegen, ist die (orthodoxe) Lübecker jüdische Gemeinde, die seit Kurzem auch ein kleines Museum unterhält, wieder selbständig. Heute wird die Lübecker jüdische Gemeinde überwiegend getragen von Auswanderern aus den Staaten der früheren Sowjetunion.

Lübeck Synagoge Innenraum
Lübeck Synagoge Innenraum

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Lübeck Synagoge – Brandanschlag 1994

Die Lübecker Synagoge steht auch für ein weiteres Stück sehr traurige und bestürzende deutsche Geschichte: am 24. April 1994 verüben vier Täter einen Brandanschlag auf die Lübecker Synagoge. Erstmals seit der Pogrom-Nacht 1938 brannte in Deutschland eine Synagoge. Die Täter wurden gefasst und zu zweieinhalb bis viereinhalb Jahren Haft verurteilt.

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Eines der bekanntesten Mitglieder der jüdischen Gemeinde Lübecks im 19. Jahrhundert war der Apotheker Siegfried Seligman Mühsam. Mühsam, auch Mitglied der Lübecker Bürgerschaft, führte die ‚Apotheke am Lindenplatz‘ – und ist Vater von Erich Mühsam, später als Autor und Anarchist bekannt geworden, der in Lübeck seine Jugendjahre verbrachte.

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siehe auch:
Jüdische Gemeinde Lübeck
Horst Schinzel: Die Juden in Lübeck – Der lange Kampf um die Bürgerrechte
Michael Winter: Die Juden in Moisling und Lübeck – Drei zusammenfassende Darstellungen, ein ergreifender Bericht aus der Zeit des Nationalsozialismus‘ und eine Zeittafel der wichtigsten Ereignisse
Der jüdische Friedhof in Moisling
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