Positiven-Uni 2016: „HIV ist auch nicht mehr das, was es mal war“ – Pillen, Präventionen, Perspektiven für die Selbsthilfe

Zuletzt aktualisiert am 27. Januar 2018 um 14:20

Vom 21. bis 24. Januar 2016 findet die 4. ‚Positiven-Uni‘ unter dem Titel „HIV ist auch nicht mehr das, was es mal war – Pillen, Präventionen, Perspektiven für die Selbsthilfe“ im Waldschlößchen statt (VA-Nr. 6905).

Hier das von der Akademie Waldschlößchen  veröffentlichte Programm (das ich mit konzipiert habe) – Anmeldung online möglich hier

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Positiven-Uni – „HIV ist auch nicht mehr das, was es mal war“ – Pillen, Präventionen, Perspektiven für die Selbsthilfe

vom 21.-24. Januar 2016 in der Akademie Waldschlösschen

Seit Aufkommen der Dreierkombi mit Proteaseinhibitoren, dann der ART und später der HAART begann ein zunächst schleichender, in den letzten Jahren zunehmend sichtbarer Prozess der Veränderung hin zu einer Normalisierung von Aids und der HIV-Infektion. Inzwischen ist die HIV-Infektion in Industriestaaten in der Regel eine gut behandelbare chronische Infektionskrankheit. Die WHO formuliert seit 2011 als realistisch erreichbares Ziel politischen Handelns das ‚Ende von Aids‘.

Aids hat in der Folge seinen Ausnahme-Charakter bereits seit längerem verloren, inzwischen zunehmend auch die HIV-Infektion – mit der Normalisierung schwindet die Zeit des Aids-Exzeptionalismus.

Letzte Wegmarken dieser Entwicklung sind das EKAF-Statement (Januar 2008), die (breite Anerkennung der Tatsache der) Nicht-Infektiosität erfolgreich behandelter HIV-Positiver, Diskussionen um Therapie als Prävention (TasP) und zuletzt Aids-Medikamente als Mittel der HIV-Prävention (PrEP).

Diese Wegmarken verdeutlichen zugleich: biomedizinische Interventionen (im wesentlichen: Pillen) haben in den letzten Jahren deutlich an Gewicht gewonnen, während sozialwissenschaftlich basierte Interventionen in den Hintergrund treten. Die Gesundheitspolitik, so hat es den Anschein, setzt vermehrt auf Primärprävention, das erfolgreiche Konzept der strukturellen Prävention (primär, sekundär, tertiär) mit seiner Kombination aus Verhaltens- und Verhältnis-Prävention gerät ins Hintertreffen bzw. wird gerade aktuell infrage gestellt.

In Folge der Entwicklungen der letzten Jahre hat sich auch das Selbstbild von Menschen mit HIV deutlich verändert. Für viele ist es inzwischen vergleichsweise normal und unproblematisch, mit ihrer Infektion zu leben – und für viele auch, offen mit ihrer HIV-Infektion umzugehen. Trotzdem sind gleichzeitig Stigmatisierungserfahrungen von HIV-Positiven z.B. im Gesundheitssystem, im beruflichen Kontext oder auch im sozialen Umfeld keine Seltenheit. Positive Identitäten haben sich verändert – sowohl individuell als auch kollektiv. Mit diesen Entwicklungen verändern sich die Selbsthilfe von Menschen mit HIV in Deutschland und auch die Bundesweiten Positiventreffen. Wenn Leben mit HIV zunehmend ’normal‘ wird – was braucht es dann noch, wovon können wir uns verabschieden? Wo und was ist an Selbsthilfe von Menschen mit HIV in Deutschland heute noch notwendig?

‚Pillen, Präventionen, Perspektiven“ – unter diesem Obertitel wollen wir während der Positiven-Universität 2016 die skizzierten Entwicklungen untersuchen und diskutieren, verbunden mit der Frage: was heißt das für die/für unsere Zukunft? Brauchen wir strukturelle Prävention noch? Sind Pillen wirklich alles? Gibt es ‚den Positiven‘ noch?

Workshops und Vorträge u.a. zu folgenden Themen sind geplant:
• Positive Identitäten – einst notwendig, heute Auslaufmodell?
• Ist das Konzept der strukturellen Prävention noch relevant?
• Pillen gut – alles gut? Realistische Versprechen oder böses Erwachen?
• Welche Rolle spielen Positive zukünftig noch in der Prävention?
• Endlich wieder befreiten Sex – PrEP, die Pille für den schwulen Mann?

Ziel ist dabei, auf Basis eines Überblicks über die bisherigen Entwicklungen, eine kritische Diskussion des Erreichten zu initiieren, die münden soll in Ausblicke in und Positionierungen für die Zukunft bei AIDS- und Selbsthilfe.

Referenten u.a.: Björn Beck, Sprecher „PositHIVe Gesichter“, Mitglied bei PRO+ Hessen – Netzwerk von Menschen mit HIV und Hessen; Prof. Dr. Martin Dannecker, Sexualwissenschaftler, Berlin; Matthias Hinz, war lange Zeit AIDS-Aktivist und Mitglied bei Positiv e.V., Berlin; Siegfried Schwarze, Mitarbeiter bei projekt information, Berlin;
Leitung: Carsten Schatz, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und bei Positiv e.V., Berlin; Wolfgang Vorhagen, pädagogischer Mitarbeiter der Akademie Waldschlösschen, Gleichen

Bitte beachten: Eingeladen zu dieser „Positiven-Uni“ sind HIV-Positive, die Lust an der kritischen Reflexion der Vergangenheit und dem Bearbeiten von Zukunftsperspektiven haben. Anfang Dezember erhalten die Teilnehmenden mit dem Ablauf auch die inhaltlichen Informationen zu den geplanten Workshops.
WICHTIG: Dieses Treffen ist kein „übliches“ Positiventreffen – das bedeutet weniger die Vermittlung von Basisinfos und auch kein Lernen von Entspannungstechniken. Ein deutliches Interesse an den Themen und eine aktive Teilnahme an den Workshops und Diskussionen setzen wir voraus.

Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit von Positiv e.V., der Akademie Waldschlösschen und der Deutschen AIDS-Hilfe statt.

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Disclaimer:
Ich war bis Sommer 2015 Mitglied bei positiv e.V.. Ich war an der Konzeption dieser Positiven-Uni beteiligt.

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