It’s a sin – Die sieben Todsünden

Zuletzt aktualisiert am 21. Dezember 2018 um 18:17

Die sieben Todsünden sind ein Begriff aus dem Katechismus der katholischen Kirche. Der christliche Mönch und orthodoxe Mystiker Evagrios Ponticus (355 bis 399) formulierte erstmals eine Aufstellung menschlicher Verfehlungen und gilt als Begründer der ‚Achtlasterlehre‘. Unter Papst Gregor I. (ca. 540 bis 604) wurde die Aufstellung überarbeitet, verdichtet und ergänzt – der bis heute verwendete Katalog der ’sieben Todsünden‘ entstand. Seit dem Mittelalter werden den ’sieben Todsünden‘ oftmals die ‚Kardinaltugenden‘ gegenüber gestellt.

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Die sieben Todsünden sind eigentlich – keine Sünden. Sondern schlechte Charaktereigenschaften, aus denen heraus erst die Sünde entsteht.

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Sünde:
im religiösen Sinn: Übertretung eines göttlichen Gebots
allg.: Verstoß gegen bestehende moralische Norm. Nicht verantwortbare unvernünftige Handlung.
trivial: als falsch angesehene Handlung

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Bertolt Brecht seziert in seinem Stück „Die sieben Todsünden“ den Wesensgehalt des Begriffs Sünde, und deutet die klassischen Todsünden zu Tugenden um – denn im modernen Materialismus habe nichts mehr einen Wert, wenn es nicht einen materiellen Wert habe.

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“ … everything I long to do
no matter when or where or who
Has one thing in common, too
it’s a, it’s a, it’s a, it’s a sin“
Pet Shop Boys, ‚It’s a sin‘

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Die sieben Todsünden

Superbia / Hybris – Hochmut, Eitelkeit, Stolz

Überschätzung des eigenen Werts. Fähigkeiten, Wert oder Rang der eigenen Person besonders hoch stellen. Auch: Anmaßung, Arroganz, Überheblichkeit.
Gegensatz: Demut, Hingabe

Der Hochmut
Der Hochmut

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Avaritia – Geiz, Habgier

Zwanghafte oder übertriebene Sparsamkeit. Streben nach Gewinn um jeden Preis. Unwille etwas abzugeben, zu teilen.
Gegenteil: Freigebigkeit, Großzügigkeit.

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Der Geiz
Der Geiz

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Luxuria – Wollust, Genusssucht

Kultivierung lustvoller Empfindungen. Ausschweifungen. Durch Lasterhaftigkeit gekennzeichnete Lebensweise.
cave: hinter dem Begriff Wollust verbirgt sich auch die katholische Sexualmoral.
Gegenteil: Frigidität

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Die Wollust
Die Wollust

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Ira – Zorn, Wut, Rachsucht

Gegenteil: Sanftmut

Der Zorn
Der Zorn

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Gula – Völlerei, Maßlosigkeit, Selbstsucht

Maßloses Leben. Maßlosigkeit.
Gegenteil: Bescheidenheit, Mäßigung.

Die Völlerei
Die Völlerei

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Invidia – Neid, Missgunst, Eifersucht

Einem anderen dessen Glück, Erfolg, Besitz, körperliche Eigenschaften etc. mißgönnen. Oft gepaart mit feindseeliger Gesinnung.
Gegenteil: Gönnen.

Der Neid
Der Neid

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Acedia – Gleichgültigkeit, Faulheit, Feigheit, Ignoranz

.Mühsam meiden. Passivität. Mangelnder Wille sich anzustrengen. Trägheit.
Gegenteil: Fleiß. Tatendrang.

Der Müßiggang
Der Müßiggang

„Müßiggang ist aller Laster Anfang“, textet Bertolt Brecht 1933 in „Die sieben Todsünden der Kleinbürger“ (s.o.).

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Die sieben Todsünden – St. Nikolai, Stralsund

Die hier verwendeten volkstümlichen Darstellungen der sieben Todsünden stammen aus der nördlichen Chorschranke von St. Nikolai in Stralsund, entstanden um 1411:

Die sieben Todsünden, Darstellung auf der Chorschranke von 1411, St. Nikolai, Stralsund
Die sieben Todsünden, Darstellung auf der Chorschranke von 1411, St. Nikolai, Stralsund

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5 Antworten auf „It’s a sin – Die sieben Todsünden“

  1. „Die sieben Todsünden sind (eigentlich – keine Sünden), sondern schlechte Charaktereigenschaften, aus denen heraus erst die Sünde entsteht.“

    Wo ist die Grenze von schlechter Charakereigenschaft die man überschreitet um in den Bereich der Sünde „einzutreten“. Bewußtes Handeln – ausagieren?

    1. ganz pragmatisch gedacht (abseits theologischer Argumentationen): der Begriff Sünde ist religiös definiert (Gebot Gottes übertreten). Der Begriff Charaktereigenschaft erlaubt auch weltlich-areligiöse Betrachtung

  2. Confiteor Deo omnipotenti vobis
    fratres quia peccavi nimis cogitatione, verbo, opere
    et omissione. Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa.

    Äußerst angenehm ist ja bei den Katholiken, dass man nach dem Südenfall nur ein bisserl beichten muss – und schon kann’s wieder von vorn losgehen. 😉

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