Bordeaux: Haftstrafe wegen homophober Attacke

Zuletzt aktualisiert am 16. Mai 2014 um 18:05

„Homophobes condamnés“, titelt die Regionalpresse. Wegen eines homophoben Überfalls sind am 21. September 2012 in Bordeaux drei junge Männer verurteilt worden.

Ein Jahr zuvor, am 21. September 2011, hatte sich die Attacke in Bordeaux ereignet, am „mirroir d’eau“, dem spiegelartigen Wasserspiel an der Garonne, das tagsüber wie auch abends bei Spaziergängern und Touristen sehr beliebt ist. Wie viele andere, waren auch drei junge Männer in der Nacht vom 20. auf den 21. September 2011 hier unterwegs, als sie von vier Männern „vulgär angesprochen“ und mit „homophoben Beleidigungen“ bedroht wurden. Die drei jungen Männer wollten sich der Situation entziehen und gingen in Richtung des stadteinwärts gelegenen ‚Place de la Borse‘. Die Aggresseure jedoch folgten ihnen; einer der drei schlug mit einer Glasflasche auf die jungen Männer ein. Ein junger Mann, der einen Schlag direkt abbekam, verlor für mehrere Minuten das Bewusstsein, er war für zehn Tage arbeitsunfähig.

Bordeaux, mirroir d'eau nachts
Bordeaux, mirroir d’eau nachts

Die vier Aggresseure, junge Männer im Alter von 16 bis 21 Jahren, wurden am 21. September 2012 vor Gericht angeklagt – zwei wegen öffentlicher Beleidigung wegen der sexuellen Orientierung („injures publiques en raison de l’orientation sexuel‘), einer wegen Gewalt und Beleidigung aufgrund der sexuellen Orientierung. Zwei von ihnen wurden zu einer Strafe von je 60 Tagessätzen à 15 Euro verurteilt (als Haftstrafe abzuleisten, sofern nicht gezahlt wird). Der Aggresseur, der die jungen Männer mit der Glasflasche angegriffen hatte, wurde zu vier Monaten Haft verurteilt.
Die Angeklagten waren bei der Verhandlung nicht anwesend.

Eric Grosselle, Anwalt zweier der angegriffenen jungen Männer sowie des Vereins „Lesbian and Gay Pride Bordeaux“, wies im Verlauf der Verhandlung auf den Anstieg homophober Attacken in Frankreich um 150% in den vergangenen Jahren hin. Das Fehlen der Angeklagten bei der Verhandlung sei für ihn ein Hinwies darauf, dass diese sich keiner Schuld bewusst seien. Er hatte in der Verhandlung eine „exemplarische Bestrafung“ gefordert, verbunden mit Schmerzensgeld-Zahlungen von 1.000 bzw. 2.000 Euro für die Angegriffenen, sowie einem symbolischen Euro für den Verein „Lesbian and Gay Pride Bordeaux“.

Das Gericht ordnete das symbolische Schmerzensgeld von einem Euro an (und erkannte damit den Verein gleichzeitig implizit als Kläger an), sowie je 1.100 € Schmerzensgeld für zwei der angegriffenen jungen Männer und 4.500 € für den dritten jungen Mann, der durch die Schläge mit der Glasflasche verletzt wurde.

Bordeaux, mirroir d'eau nachts
Bordeaux, mirroir d’eau nachts

Eine Antwort auf „Bordeaux: Haftstrafe wegen homophober Attacke“

  1. Es wäre zu wünschen, daß man bei uns denjenigen, die solchen Haßattacken Vorschub leisten wie dies einige CDU-Provinzpolitiker im Osten tun, genauso konsequent begegnet. Aber das ist noch ein langer Weg.

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