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Homosexualitäten ondamaris Texte zu HIV & Aids

Färöer Homosexualität – ein Schritt in die richtige Richtung

Es gibt erfreuliches über die Färöer zu berichten …

Ende Oktober schrieb ich über Homophobie auf den Färöer. Nach einer Häufung von Übergriffen gegen Schwule hatte die Gruppe Act against Homophobia eine Unterschriften-Kampagne gegen Homophobie auf den Färöer gestartet. Die gesammelten Unterschriften sollten der Regierung übergeben werden.

Die Aktion scheint von einem Erfolg gekrönt: Gestern Abend meldete Sabine in ihrem Blog: das Parlament der Färöer in Tórshavn hat ein Gesetz verabschiedet, das zukünftig die Diskriminierung von Schwulen und Lesben untersagt. 17 Abgeordnete stimmten für das neue Gesetz, 15 dagegen.

Mehr Infos auch auf gayweb.
Und – danke an Sabine für die Nachricht 🙂

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ondamaris Texte zu HIV & Aids Politisches

Jaroslaw Kaczynski Antrittsbesuch in Berlin

Heute ist Polens Premierminister (und Parteichef der PiS) Kaczynski in Berlin. Über die Diskriminierung von Schwulen und Lesben in Polen wird vermutlich nicht gesprochen werden.

Jaroslaw Kaczynski ist heute zu seinem offiziellen Antrittsbesuch in Berlin.
Gesprochen wird sicher über: eine Gaspipeline durch die Ostsee, ein ‚Zentrum gegen Vertreibung‘, die EU, vielleicht generell über die gestörten Beziehungen.

Gesprochen wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht darüber, wie immer noch in Polen mit Lesben und Schwulen umgegangen wird.

Das konservative doppelte Lottchen der polnischen Restauration, das nun trotz einer tiefen Regierungskrise doch gemeinsam weiter an der Macht bleibt, kann mit seiner systematischen Diskriminierung und Unterdrückung von Schwulen und Lesben weiter machen.

Als Staatspräsident Lech Kaczynski im März an der Humboldt-Uni eine Rede hielt, kam es noch zu massiven Protesten von Lesben und Schwulen.

Mehr zur Situation von polnischen Lesben und Schwulen und einer polnischen Schwulen- und Lesbengruppe in Frankfurt/Oder auch in diesem Gayweb-Artikel.
Ein weiterer Bericht über die März-Demo gegen Kaczynski findet sich hier.
Einige schöne Zitate aus einem Times-Interview Lech Kaczynskis über Homosexualität finden sich in Argus‘ Blog.

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Text 25. Januar 2017 von ondamaris auf 2mecs

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Homosexualitäten ondamaris Texte zu HIV & Aids

Faröer Homophobie völlig okay ?

Die Regierung der Färöer Inseln lehnt es ab, Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung zu verurteilen – Schwule und Lesben zu diskriminieren ist entsprechend der Gesetzgebung der Färöer vollkommen in Ordnung …

Gewalt und Diskriminierung von Homosexuellem, die als solche öffentlich auftreten, sind auf den Färöer nicht selten. Hiergegen einzutreten ist auf den Färöer schwierig – viele Bewohner scheinen der Ansicht, wenn es keine Gesetze dagegen gebe, seien Gewalt gegen und Diskriminierung von Schwulen und Lesben völlig okay.

Hiergegen protestiert die Organisation AAH Act Against Homophobia mit einer Unterschriften-Aktion . Die gesammelten Unterschriften sollen der Regierung der Färöer übergeben werden.

Die Färöer sind innerhalb des Königreichs Dänemark gleichberechtigte Nation (ähnlich wie Grönland). Die Färöer sind im Gegensatz zu Dänemark jedoch nicht Mitglied der EU.
In Dänemark ist Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung gesetzlich verboten.

Die Färöer sind allerdings über Dänemark Mitglied in der UNO – erkennen somit die Universelle Deklaration der Menschenrechte an.
Alles nur graue Theorie? Die nicht für Schwule und Lesben gilt?

… und Dank an Sabine für den Hinweis in ihrem Blog!

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Text 21. Februar 2017 von ondamaris auf 2mecs

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Berlin

Nachgefasst: Anti-Gewalt-Projekt

Wozu ist das Berliner Anti-Gewalt-Projekt da? Diese Frage stelle ich mir langsam immer mehr, nach Erfahrungen mit dem Berliner Anti-Gewalt-Projekt Maneo.

Über den Überfall auf einen Mann auf einem Cruising- Platz und bisherige Ermittlungen der Polizei habe ich ja bereits geschrieben.

Selbstverständlich habe ich den Überfall auch beim schwulen Anti-Gewalt-Projekt Maneo, dem Berliner Anti-Gewalt-Projekt gemeldet, sowohl telefonisch als auch auf deren Website. Schon das Telefonat mit dem Maneo-Mitarbeiter verläuft etwas irritierend. Ich erwarte nach dem kurzen Berichten des Vorfalls irgendwelche Nachfragen nach Details, die aber so gar nicht kommen. Auf meine eigene Nachfrage erfahre ich dann zumindest, der zuständige Projektleiter sei „derzeit in Urlaub“.
Ich hinterlasse meine Telefonnummer und gebe die Details, die ich dennoch für berichtenswert hielt, auf der Maneo-Internetseite an. Hier findet sich ein ausführlicher Fragebogen. Unter Punkt 29 folgt dann auch „Stehst Du uns für Rückfragen zur Verfügung?“ Ja, klar, wieder gebe ich brav meine Rufnummer an. Und höre nichts.

Maneo schreibt selbst über seine Arbeit: „Maneo ist das Schwule Überfalltelefon Berlin. Der Name Maneo steht dafür, dass wir Betroffenen von Gewalt Mut machen wollen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Mit unseren Angeboten richten wir uns an Schwule und Bisexuelle, ob sie beleidigt oder körperlich angegriffen wurden, ob sie von schwulen- feindlicher oder häusliche Gewalt betroffen waren – auch an Partner, Angehörige und Zeugen, denn auch sie können großen Belastungen ausgesetzt sein.“
Das hört sich gut an – aber entspricht die Realität diesem selbst formulierten Anspruch?

Weiter lese ich „Jedes Anliegen nehmen wir ernst. Mit jedem, der sich an uns wendet, erarbeiten wir individuelle Lösungswege.“
Ah ja. Na, ich habe davon nichts gemerkt, gottseidank war ich „nur“ Zeuge, nicht Betroffener. Aus dem Bekanntenkreis erfahre ich aber von zwei Fällen, in denen Opfer antischwuler Gewalt auffallend ähnliche Erfahrungen gemacht haben – der „Fall“ wird aufgenommen, und das war’s (siehe auch Kommentare zum ersten Posting). „Wende dich vertrauensvoll an uns“ lese ich auf dem Maneo-Plakat – und frage mich, ja, mit dieser Erfahrung, wie denn? Das war nicht vertrauenerweckend …

Nicht vertrauenerweckend – denn wie soll ich bei solchen Erfahrungen zukünftig Opfern antischwuler Gewalt ruhigen Gewissens empfehlen, sich ‘vertrauensvoll’ an Maneo zu wenden?

Ich beginne, mir die Frage zu stellen. Was sagt mir das Verhalten von Maneo? Geht es hier wirklich darum, den Opfern von antischwuler Gewalt zu helfen? Oder ist das eigentliche Ziel vielleicht vielmehr, eine möglichst gute Statistik zu bekommen? Auf dass mit gut dokumentierten Fällen antischwuler Gewalt die eigene Verhandlungsposition gestärkt wird? Oder gar die Finanzierung der eigenen Projektstellen gesichert werden kann? Immerhin, selbst die Internetseite von Maneo spricht ja auffallend deutlich von „Gewalterfassung“.

Für reines Statistik-Futter ist mir meine Zeit zu schade – ich frage mich langsam immer mehr, ob ich zukünftig Fälle noch bei Maneo melden soll.
Ja, ich weiß, es gibt zahlreiche Fälle, in denen die Polizei Täter und Fälle ermittelt hat – allein die Opfer sind unbekannt, melden sich nicht. Was soweit führen kann, dass eine Strafverfolgung wesentlich erschwert wird. Natürlich haben da schwule Anti-Gewalt-Projekte ihren Sinn.
Aber so? Ausschließlich als ‘Statistik-Agentur’ zur Registrierung von Fällen? Das ist mir zu wenig. Vor allem vom eigentlich ehrenwerten „ersten schwulen Überfall-Telefon Deutschlands“ (immerhin gegründet 1990).

Schließlich, welchen Sinn hat ein Anti-Gewalt-Projekt noch, das so offensichtlich desinteressiert wirkt?
Oder umgekehrt: machen schwule Anti-Gewalt-Projekte eigentlich Sinn? Und wenn ja, mit welchen Zielen und Aufgaben?

PS. ein guter Übersichtsartikel zu Gewalt gegen Schwule findet sich hier.
Und Dank an Patrick von [queer moments] in dessen Posting über Matthew Sheppard ich auf diesen Link stieß.

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Berlin

Nachgefasst: Berlin ein Uhr nachts

In der Nacht vom 22. auf den 23. September wurde ich Zeuge einer antischwulen Gewalttat. Darüber habe ich ja in Berlin ein Uhr nachts bereits geschrieben.

Am 12. Oktober finde ich in meinem Briefkasten zwei Schreiben der Polizei, eine „Vorladung zur Lichtbildvorzeigedatei“ sowie eine Vorladung zur Zeugenaussage.
Immerhin, die Polizei reagiert, entgegen meinen Erwartungen.
Ich erinnere mich, in einer ähnlichen Situation vor vielen Jahren in Köln bekam ich (ebenfalls als Zeuge) nur nach vielen Wochen ein kurzes Schreiben, die Ermittlungen gegen Unbekannt seien eingestellt. Hier, immerhin das Gefühl sie versuchen die Täter ausfindig zu machen.
Das schwule Antigewalttelefon hingegen hat sich bisher noch nicht gemeldet, weder auf meine telefonische Meldung noch auf die Angaben auf ihrer Website hin.

16. Oktober. Der Einblick in die Lichtbildvorzeigedatei verläuft eher wie das Hornberger Schießen. Dass ich mich an Größe, Statur, ungefähres Alter erinnere interessiert nicht, na und Gesichter hab ich im Dunkeln (es war 1 Uhr nachts) auf zehn Meter Entfernung kaum erkennen können. „Ja dann… “, und schon war ich wieder draußen.

23. Oktober. Zeugenvernehmung in einem Gebäude, das alle Behauptungen, Berlin gebe zu viel Geld aus, Lügen strafen möchte (so marode wirken Flure und Treppenhäuser).
Schon auf dem Weg in die zweite Etage fällt mein Blick auf den Etagenflur auf ein blaues Plakat, zwei sich küssende Fussballspieler. Daneben, noch größer, ein Plakat für die Respect Games.

Ein freundlicher Beamter nimmt meine Aussage auf, fragt zwischendurch nach “können wir ‘schwul’ schreiben, oder ist Ihnen eine andere Formulierung lieber?”. Ich bin erstaunt über die respektvoll-aufmerksame Behandlung und nach 30 Minuten wieder draußen. Nicht dass große Hoffnungen bestehen, die Täter ausfindig zu machen. Aber immerhin habe ich den Eindruck, die Polizei nimmt den Vorfall ernst, ermittelt soweit das möglich ist.

Übrigens, vom schwulen Antigewalttelefon hab ich bisher immer noch nichts gehört. Doch dazu ein anderes Mal mehr.

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Politisches

Mark Foley – Schmierenstück um Homophobie und Doppelmoral

In den Meinungsumfragen für die US-Wahlen am 7. November fallen die Republikaner immer weiter zurück, gehen die Demokraten in Führung. Leider aus zweifelhaften Gründen.

Galt vor der Sommerpause noch, dass ein knappes Behaupten der zugunsten der Republikaner erwartet wurde, vermuten einige Analysten inzwischen im Abgeordnetenhaus sowie im Senat einen Erdrutsch-Sieg der Demokraten.

Das Erstaunliche an dieser Entwicklung: der Stimmungsumschwung unter den Wählern ist nicht das Ergebnis einer Politik. Nicht auf den Irak-Krieg der Bush-Regierung ist der Umschwung zurückzuführen, nicht auf Bushs Innen- oder gar Außenpolitik, nicht auf seine Wirtschaftspolitik, auch nicht Iran- oder Nordkorea-Krise gaben den Ausschlag.

Entscheidend für den Stimmungswandel gegen die Republikaner ist scheinbar vielmehr in gravierendem Umfang ausgerechnet ein Schmierenstück – das Verhalten des schwulen Republikaner-Abgeordneten Mark Foley, der inzwischen zurückgetreten ist, sowie der Umgang der Partei damit.

Der Abgeordnete Mark Foley (Rep) chattete 2003 in sexuell eindeutiger Weise mit Minderjährigen. In der US-Presse wird der Chat des Politikers zu einem großen Skandal aufgeblasen – oft mit deutlich anti-schwulen Untertönen. Gern vergessen wird dabei, dass z.B. in beinahe allen (bis auf 2) US-Bundesstaaten bereits Teenagern ab 16 Jahren (mit elterlichem Einverständnis) die Heirat erlaubt ist. Das Alter erster sexueller Aktivitäten dürfte auch in den USA noch niedriger liegen …

Die New York Times betont inzwischen (15.10.2006) den auffälligen Kontrast zwischen „outward homophobia and inner gayness“ bei den Republikanern, angesichts der großen Zahl offen und nicht offen schwuler Mitarbeiter und Abgeordneter in dieser Partei und der Parteipolitik in Sachen Homosexualität.

Die Affäre Foley – ein (in weiten Teilen schwulenfeindliches) Schmierenstück, das nicht für einen Umschwung in den Meinungsumfragen sorgt, sondern auch den Kern des Problems verdeckt.

Das eigentliche Problem sind Politiker, die nicht offen schwul sein können – aus welchen Gründen auch immer. Und Parteien, die immer noch nicht zu ihren schwulen (oder lesbischen) PolitikerInnen stehen wollen, aus eben dem Grund ihrer Homosexualität. Politiker, die aus gleichen Gründen nicht zu ihren KollegInnen stehen wollen. PolitikerInnen, die aufgrund ihres Schwulseins oder Lesbischseins beurteilt werden, nicht ihrer politischen Leistungen.

Wünschenswert wären politische Parteien, in denen die sexuelle Orientierung ihrer Mitglieder für die politischen Engagements nicht bedeutend ist (weder im Negativen noch im Positiven). Und das nicht nur in den USA …

Dass schwule Politiker anti-schwule Politik machen, wird das allerdings auch nicht wesentlich verhindern.

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Text 21. Februar 2017 von ondamaris auf 2mecs

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Berlin

Berlin ein Uhr nachts

Vergangene Nacht, circa ein Uhr. Etwas müde komme ich aus dem ‘Lab’, bin auf dem Weg zur S-Bahn. Rechterhand der Parkplatz vor dem ‘ND’, früher war doch hier Cruising, geht es mir durch den Kopf.

Tatsächlich, drei, vier Männer unterschiedlichen Alters streifen auffällig unauffällig herum, mustern mich. Einer von ihnen weckt durchaus mein Interesse, wir beäugen uns. Inzwischen sind weitere Herren aus der Unsichtbarkeit von Gebüschen und PKWs in von den grellen Laternen möglichst wenig beleuchtete Ecken getreten.

“Ey, was’n hier los!“ Erst jetzt bemerke ich zwei junge Männer, die, vielleicht auf dem Weg zum ‘Berghain’, über den Parkplatz gehen. Kleidung, Gang, lauter Tonfall verraten sofort, die sind aus irgendeinem anderen Grund hier als die anderen Cruiser, mich eingeschlossen.

Ich sehe die zwei auf einen Mann etwa meinen Alters zugehen, der sich gerade in sein Auto flüchten will. „Ey, was suchst du hier?!“ Wieder die gleiche aggressive Stimme, der in eine Frage gekleidete Vorwurf, als würde er sein Revier verteidigen. Die Arme in die Hüften gestemmt baut er sich ihm auf, hindert ihn daran, seinen Wagen zu öffnen.

‘Ach, lass doch den Scheiß!’, höre ich seinen Kumpel rufen, fast zeitgleich den Autofahrer sagen „Ach, lass mich doch in Ruhe.“

Sekundenbruchteile später geht der Mann zu Boden, liegt zusammengekrümmt neben seinem Wagen. ‘Mann, nu lass doch den Scheiß!’ Der Kumpel des Schlägers versucht diesen an weiteren Schlägen, Tritten zu hindern. Sie sehen sich an. Ich brülle irgendetwas, keine Ahnung mehr heute, dann schreie ich laut „Polizei, Hilfe!“
Beide Typen sehen zu mir herüber. Einen Moment wird mir flau im Magen. Was, wenn die sich jetzt auf mich stürzen? „Polizei, Hilfe!“ schreie ich nochmal. Es ist merkwürdig ruhig geworden auf dem Platz, fast leer, wie von der Dunkelheit verschluckt sind die meisten Cruiser so plötzlich wie sie auftraten wieder von der Bühne verschwunden.

‘Lass uns abhauen, komm!’ Wieder höre ich den Kumpel des Schlägers, sehe, wie er versucht ihn wegzuziehen. Der sieht kurz auf, zu mir herüber, beide laufen weg, Richtung Straße. Ich laufe zu dem Mann, der immer noch zusammengekrümmt vor seinem Wagen liegt.

„Ich kann nichts sehen“ wimmert er immer wieder. Ich sehe im Halbdunkel Blut von seiner Schläfe laufen.
Nur ein junger Mann hat sich zu uns gesellt, ansonsten ist der Parkplatz nun leer, unschuldig fast, als sei hier nie etwas anderes geschehen als Parken. „Hast du ein Handy?“ frage ich ihn. Er nickt. Wir rufen Polizei und Krankenwagen herbei, beide benötigen fast ¼ Stunde. Endlich wird der Zusammengeschlagene, der sich inzwischen wieder etwas erholt hat, von einem Krankenpfleger versorgt. Zwei Polizeibeamte nehmen unsere Daten auf. Die beiden jungen Männer sind längst über alle Berge.

Auch wenn viele es nicht (mehr) wahrhaben wollen, Gewalt gegen Schwule gibt es immer noch, auch im ‘Homo-Paradies Berlin’.

Solltest du selbst betroffen sein oder Zeuge eines Überfalls werden, melde dies, der zuständigen Polizeidienststelle, mindestens aber dem Überfalltelefon (in Berlin: Maneo, täglich 17:00 bis 19:00 Uhr, Tel. 216 33 36).

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Berlin Homosexualitäten

Udo Walz erklärt: Schwulsein nix Analverkehr

Udo Walz ? Ich gestehe, das vierbuchstabige Revolverblatt gehört nicht zu meiner Pflicht-Lektüre, nicht einmal wenn’s irgendwo eh‘ rumliegt.

Aber heute [im September 2006] musste ich einem Link ja doch folgen, wollte die Story einfach nicht glauben. Die ominöse ‘Zeitung’ „ fragte den prominenten Homosexuellen, Star-Figaro Udo Walz “. Ah ja, wir sind gespannt was folgt.

Jetzt werden also schon gewisse Berliner Friseusen Experten in Sachen Homo-Aufklärung…
Aber, das Würgen geht noch weiter:

Herr Walz erklärte in dem Artikel, er möge das Wort „schwul“ nicht, das klinge doch so vulgär. Um uns anschließend wörtlich aufzuklären

Die meisten denken dann gleich an Darkrooms und Analverkehr. Und ich kann Ihnen versichern, dass Homosexualität damit nichts – ausschließlich – zu tun hat.

U. Walz 2006

Ah ja!

Nicht mehr steigerungsfähig?
Aber natürlich doch!
Ob er denn verstehen könne, wenn Leute sich auch heute noch, auch in der Großstadt, darüber aufregen, wenn zwei Männer sich küssen, fragt natürlich ganz ohne böse Absicht die ‘Redakteurin’.

Und Herr Walz antwortet brav, wie bestellt,

Ja, das stört mich nämlich auch.

Und, fährt er bei der nächsten Gelegenheit fort, was er noch nicht mag, diese „speziellen Einrichtungen“, er meint für sexuelle Abenteuer.

Wie ekelig, sich küssende Männer. Und dann auch noch Analverkehr. Und Darkrooms, igitt igitt.

Aber, was ist denn Herr Walz, wenn er sich als schwul bezeichnet?

Udo Walz, Berlinale 2008 (Foto: Siebbi)
Udo Walz, Berlinale 2008 (Foto: Siebbi, Lizenmz cc by 3.0)

Udo Walz, well known German hairdresser Volkswagen People’s Night 2008Siebbi  – CC BY 3.0

Na ja, eigentlich will ich das gar nicht wissen. Ich will nicht wissen, was Herr Walz wählt, wem er die Haare schneidet, und was er im Bett treibt.

Wie beunruhigend allerdings, dass Herr Walz auch noch betont, er sei „ein sehr maskuliner Mann“. Ach, tatsächlich?

Wer’s nicht glauben will und die Würgegefühle nicht scheut: hier der Link .

Und wer nicht weiß, wer Herr Walz ist – seien Sie froh, muss man nicht wissen…

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Herr Walz war 2004 auch gegen die Homoehe:

„Ich finde, zwei Männer können nicht heiraten. Heiraten hat ja auch mit Kindern und mit Fortpflanzung zu tun.“

Udo Walz 2004

Am 26. Juli 2008 dann ließen Udo Walz und sein Lebensgefährte ihre Lebenspartnerschaft registrieren, Schlagzeilen wie „Udo Walz hat geheiratet“ folgten …

… doch Walz lehnt die Homoehe ab. Auch 2019 erklärte er noch, er sei der Ansicht zwei Männer könnten nicht heiraten.

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Udo Walz wurde am 28. Juli 1944 in Waiblingen geboren. Seit 1963 lebte Walz in Berlin. Walz starb am 20. November 2020 im Alter von 76 Jahren in Berlin.

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Homosexualitäten ondamaris Texte zu HIV & Aids

Homosexuelle in Polen nicht diskriminiert – sagt Kaczynski

Der polnische Regierungschef Jaroslaw Kaczynski war am 30. August 2006 in Brüssel bei der EU zu Besuch. Im Anschluss an ein Gespräch mit EU-Kommissionspräsident Baroso betonte er vor der Presse, Homosexuelle würden in Polen nicht diskriminiert.

Erstaunt reibe ich mir die Augen. Habe ich in den letzten Jahren, besonders während der letzten Monate eine andere Realität mitbekommen als dass doppelte Polit-Lottchen in Polen? Oder hat der Begriff der Diskriminierung inzwischen, von mir unbemerkt, eine neue Bedeutung bekommen?

Wie war das in der Zeit, als sein Bruder Lech, heute Staatspräsident, noch Bürgermeister von Warschau war? Wie war das mit jüngsten Äußerungen aus seiner Regierung gegen Homosexuelle? Wurden Schwulen- und Lesbenclubs nicht gerade erst unter fadenscheinigen Gründen geschlossen? Sprach die Regierungspartei PiS auf einer Pressekonferenz nach dem Warschauer CSD nicht vor kurzem von „westlichen terroristischen Gruppierungen“, die friedliche Bürger angegriffen hätten?

„Homosexuelle“, so betonte Kaczynski in Brüssel, hätten in seinem Land „alle Rechte“. Wäre ja auch noch schöner, wenn’s anders wäre, mit welchem Grund wollte er sie ihnen denn aberkennen?
Und weiter, es gebe „keine Tradition“, Homosexuelle zu verfolgen
Nein, eine Tradition war das in Polen bisher vielleicht nicht. Auch wenn es Polens Lesben und Schwule in den Jahren zumeist nicht leicht hatten. Während der letzten Monate allerdings kann man sich kaum des Eindrucks erwehren, dass Polens Regierung mit einem rechtskonservativen Wertewandel auch eine verstärkte antihomosexuelle Stimmung durchzusetzen versucht.

Erfreulich, wenn auch nicht ausreichend, zu wissen dass viele Regierungen, jetzt auch wieder die EU-Kommission, Pole immer wieder an die europäischen Werte, auch an den der ‚Nicht-Diskriminierung‘, erinnern, mahnen.

Allein, Erinnern und Ermahnen reichen nicht. Als Lech Kaczynski in Berlin war, haben Schwule und Lesben aus beiden Ländern gemeinsam gegen seine Rede protestiert. Diese Tradition, diese grenzüberschreitende Solidarität gegen Diskriminierung, für freie Bürgerrechte gilt es fortzusetzen, auszubauen.

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Text 21. Februar 2017 von ondamaris auf 2mecs

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Lech Kaczynski Berlin 2006 – LGBT Proteste in der HU am 9. März 2006

Donnerstag, 9. März 2006 – Der polnische Staatspräsident Lech Kaczynski ist in der Stadt, hält zum Abschluss seines Staatsbesuchs auf Einladung des Instituts für Europarecht der Humboldt-Universität (HU) eine Rede über das „Solidarische Europa“ im Audimax.

Genau jener Kaczynski, der sich schon als Bürgermeister von Warschau bei Schwulen und Lesben nicht nur in Polen einen zweifelhaften Ruf u.a. dadurch erworben hat, dass er Schwulen- und Lesbendemos verboten hat, oder Homosexualität auf alle mögliche Art und Weise verunglimpfte. Inzwischen hat er es zum Staatspräsidenten gebracht, irritiert selbst konservative deutsche Politiker durch zutiefst europaskeptische, manchmal europafeindliche Äußerungen.

Lech Kaczynski Berlin 2006 HU Proteste LGBT 1
Lech Kaczynski Berlin 2006 HU Proteste LGBT 1

Das Audimax, in dem Kaczynski sprechen soll, ist abgeriegelt, einzig eine Videoübertragung im Kinosaal ist offiziell zugänglich. Nach einer vom LSVD initiierten Demonstration vor dem Haupteingang der HU verschaffen sich einige schwule Aktivisten dennoch Eintritt in das Audimax, protestieren lautstark gegen die Verweigerung von Grundrechten für Schwule und Lesben in Polen. Hindern Kaczynski zunächst erfolgreich am Reden, ein Redakteur der ‚Siegessäule’ wirft ihm auf dem Podium vor, er „verhetze das polnische Volk, er schüre den Katholizismus“ (was auch immer er damit meinte).

Lech Kaczynski Berlin 2006 HU Proteste LGBT 2
Lech Kaczynski Berlin 2006 HU Proteste LGBT 2

Nach seiner Rede, aufgrund einer Frage aus dem Auditorium, kommt Kaczynski nicht umhin, sich doch noch zur Homosexualität zu äußern. Die Förderung der Homosexualität, meint er, führe doch in letzter Konsequenz dazu, dass die Menschheit aussterben müsse.