Zuletzt aktualisiert am 27. September 2024 von Ulrich Würdemann
Das Spundloch Hamburg war lange Zeit die Disco der Wahl für uns – und es war eine eigenartige Gratwanderung zwischen ‚kommerzieller Sub‘ und ‚Bewegung‘ (ein Unterschied, das uns damals eigentlich wichtig war – außer hier …
St. Pauli war damals ‚unser Kiez‘ – nicht weit entfernt lag der schwule Buchladen Männerschwarm (1981 eröffnet), auch das 1979 gegründete Café Tuc Tuc war schnell erreicht.

die Geschichte des Spundloch Hamburg
Bereits seit Anfang der 1950er Jahre (1952) befand sich in der Paulinenstraße 19 eine Gaststätte. Die frühere Probierstube wurde unter Leitung von Jens Sund gemeinsam mit seinem Freund Michael ab Juli 1963 (!) unter dem neuen Namen Spundloch zu einer Kleinkunst-Kneipe mit elektrischem Klavier, besucht von überwiegend homosexuellem Publikum.
Jürgen Hauptmann kaufte das Spundloch von Sund (der mit seinem Freund nach Spanien auswanderte) Ende 1969 (15.12.1969). Zusammen mit seinem Freund Rüdiger Fabke (gest. 2003) entwickelte er das Spundloch weiter zur Diskothek, zunächst mit Musikbox und kleiner Tanzfläche. Ab 1973 führte Fabke das Spundloch alleine, Hauptmann eröffnete im September 1974 das (noch bis 2024 existierende) Café Spund. Hauptmann starb am 10. November 2012 im Alter von 72 Jahren.
Im April 1973 sorgte eine Polizei- Razzia im Spundloch, das schon damals auch bei Schwulenbewegten der HAH eine beliebte Diskothek war, für Aufsehen.
2001 übernahm Fabkes langjähriger Partner Günter Loosen (‚Luise‘) das Spundloch. Nach seinem Tod (27.3.2005) übernahmen Thomas Klein und Dennis Klemm das Spundloch.
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Viele Nächte im Spundloch, viele Geschichten …
Damals war Nachtleben in Hamburg zunächst fast eine Grundsatz.-Entscheidung: St. Pauli oder St. Georg? Entweder – oder. Zum Pendeln zwischen beiden Szenevierteln war uns der nächtliche Weg meist zu weit … es sei denn ich landete nachts noch im CU …
Spätestens 1983 büßte das Spundloch für uns deutlich an Attraktivität ein … das Front wurde der bevorzugte Tanztempel …
7 Antworten auf „Spundloch Hamburg“
[…] – der Name war Programm. War der Gegenentwurf zu Spundloch (1963 eröffnet) oder Pit (1971 eröffnet) und dem antikisierenden Chic der Schwulensauna Club […]
[…] der ‚Männerschwarm‘ unweit des (längst legendären) Tuc Tuc und des Spundloch erwies sich hierbei für mich bald eine wahre […]
….und ich habe -lange, bevor es das TucTuc wurde- in der Kneipe kommun. Kampflieder gesungen.. War Stammlokal der KPD/ML
War 1989 mit 17 Jahren das erste Mal da, schon eine Erfahrung 🙂 Wann hat das Spundloch eigentlich final dicht gemacht?
den Zeitpunkt der endgültigen Schließung des Spundloch habe ich bisher leider nicht in Erfahrung bringen können …
[…] schwule Leben der Großstadt schätzen, viele schwule Kneipen, eine Auswahl an Diskotheken (wie das Spundloch, das bald ‚Stamm-Disko‘ wurde), mehrere Saunen, und sogar ein schwuler Buchladen. Bald […]
Zum Spundi: Erster schwuler Ausschankwagen Deutschlands / Mobiler Meilenstein der queeren StraßenkulturWurzeln: Entstanden aus der traditionsreichen Hamburger Diskothek „Spundloch“ (Paulinenstraße 19, St. Pauli)Aktiver Zeitraum: 1989 – 20181. Die Ur-Historie: Vom Spundloch zum „Spundi“Die Geschichte des „Spundi“ ist untrennbar mit der Kult-Kneipe und späteren Diskothek „Spundloch“ in Hamburg-St. Pauli verknüpft, die bereits seit den 1960er Jahren ein schwuler Fixpunkt war. Ab 1973 führte Rüdiger Fabke (szenebekannt als „Roththrauth“) den Club allein. Zusammen mit seinem Partner Günter Loosen („Luise“) und mit maßgeblicher Unterstützung von Detlef Borbe („Hilde“) entstand Ende der 1980er Jahre die wegweisende Idee, die schwule Bar-Kultur mobil auf die Straße zu bringen.2. Chronik & Meilensteine1989: Die Geburtsstunde auf der ElbeDer erste Wagen: Roththrauth und Luise schicken 1989 den ersten, damals noch komplett weißen Ausschankwagen auf die Straße. Er trägt stolz den Namen des Mutter-Clubs „Spundloch“.Der erste Paukenschlag: Auf dem 800. Hamburger Hafengeburtstag und der anschließenden Windjammerparade Sail 89 sorgt der Wagen zusammen mit der „Urpüppi“ für großes Aufsehen. Es war ein historischer Akt sichtbarer, schwuler Präsenz im Herzen von Hamburger Großveranstaltungen.1990er – 2004: Die goldene Ära der UrväterFeste Institution: Der Wagen etabliert sich unter dem liebevollen Szene-Namen „Das Spundi“ als Herzstück der norddeutschen Straßenfeste.Einsatzorte: Das Spundi ist fester Bestandteil auf dem Hamburger CSD, dem Hofwegfest sowie dem legendären Pulverteichfest in St. Georg.Tragische Zäsur: Im Jahr 2003 verstirbt Rüdiger Fabke („Roththrauth“). Nur zwei Jahre später, am 11. April 2005, scheidet auch Günter Loosen („Luise“) tragisch aus dem Leben. Damit endet die Gründungsära.2005 – 2017: Die Ära Milan & DetlefDie Rettung: Im Juli 2005 übernehmen Milan und Detlef den Wagen, um das Lebenswerk der Urväter zu bewahren. Pünktlich zum Pulverteichfest 2005 rollt das Spundi in alter Tradition wieder an den Start.Bürokratischer Druck: Trotz treuer Stammkundschaft und wirtschaftlich exzellenter Phasen (unter anderem einem der besten Umsatzjahre überhaupt) steigen ab 2017 die Repressalien durch Stadt und Veranstalter massiv.Das Aus der Tradition: Explodierende Gebühren für Standplätze, GEMA/DEMA, Strom, Wasser und Abwasser sowie der immense bürokratische Aufwand für Steuern und Mitarbeiter zwingen Milan und Detlef 2017 zum schweren Schritt: Sie verkaufen das florierende Spundi in der Hoffnung, dass die Nachfolger das Erbe würdig weiterführen.2018: Das Ende eines Stücks Hamburger GeschichteDer Niedergang: Die Nachfolger scheitern an der Aufgabe. Aufgrund von Inkompetenz in der Betriebsführung geht das Projekt vermutlich im Laufe des Jahres 2018 pleite.Das Vermächtnis: Nach fast drei Jahrzehnten gelebter Sichtbarkeit, Lebensfreude und Pionierarbeit auf Hamburgs Straßen wird das Spundi endgültig eingestellt.3. Bedeutung für die Hamburger LGBTQ+-GeschichteDas Spundi war weit mehr als nur ein Getränkestand. Zu einer Zeit, in der queeres Leben oft noch hinter geschlossenen oder diskret klingelbaren Türen stattfand, brachte das Spundi schwule Lebensfreude, Offenheit und schillernde Persönlichkeiten unübersehbar mitten in den öffentlichen Raum – auf bürgerliche Stadtteilfeste ebenso wie auf die großen Paraden. Es bleibt als wegweisendes Symbol für die Emanzipation und die Straßenkultur der Hamburger Szene in Erinnerung.