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Frankreich Politisches

Appell vom 18. Juni 1940 – Charles de Gaulle

Frankreichs Widerstand gegen die Besatzung wird weitergehen – in seinem Appell vom 18. Juni 1940 ruft Charles de Gaulle zum Widerstand und zum Kampf auf. Er legt damit den Grundstein für Frankreichs Zukunft und rettet die Ehre der Franzosen.

“Aber ist das letzte Wort gesprochen? Muss die Hoffnung weichen? Ist die Niederlage endgültig? Nein!”

“Was auch geschieht: Die Flamme des französischen Widerstandes darf und wird nicht erlöschen.”

Mit eindringlichen Worten wendet sich Charles de Gaulle in seinem Appell vom 18. Juni 1940 an das französische Volk. Der britische Premierminister Winston Churchill hatte de Gaulle genehmigt, sich über BBC direkt an das französische Volk zu weden.

De Gaulle fordert energischen Widerstand gegen die Besetzung Frankreichs und gegen die NS-Truppen, gegen die Teilung Frankreichs durch eine Demarkationslinie. Die Niederlage sei nicht endgültig. Er fordert insbesondere Offiziere und Soldaten, Facharbeiter und Ingenieure der Rüstungsindustrie auf sich ihm anzuschließen, und kündigt weitere Ansprachen für die folgenden Tage an.

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Politisches

Lager Versen Emsland

Das Lager Versen ist eines der heute weniger bekannten ehemaligen Emslandlager. Nach 1945 wurde es als Strafgefangenen-Lager genutzt – auch für Homosexuelle, die wegen Vergehen nach Paragraph 175 verurteilt wurden.

Lager Versen – 1938 bis 1945

Im Sommer 1938 wurde das ‘Lager Versen‘ als ‘Lager IX‘ der Emslandlager errichtet, für geplant 1.500 Häftlinge. Im Sommer 1939 war es mit 900 Häftlingen belegt.

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Frankreich

Nacht und Nebel – der Schriftsteller Jean Cayrol

Der französische Poet, Essayist und Schriftsteller Jean Cayrol (1911 – 2005) ist in Deutschland wenig bekannt – wohl aber eines seiner bekanntesten Werke, ‘ Nacht und Nebel ‘.

Jean Cayrol

Jean Raphaël Marie Noël Cayrol wurde am 6. Juni 1911 in Bordeaux geboren. Seine Kindheitstage verbrachte Cayrol oft im nahe Bordeaux am Atlantik gelegenen Lacanau Océan. Bereits mit 16 Jahren gründete er seine erste Literatur-Zeitschrift. Nach einem ohne Abschluss beendeten Jurastudium arbeitete er in Bordeaux als Bibliothekar.

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Deutschland

letztes Lebenszeichen von Edith Stein

In Schifferstadt erinnert eine Gedenktafel an ein letztes Lebenszeichen von Edith Stein am 7. August 1942 – zwei Tage später wurde sie in Auschwitz ermordet.

Die Philosophin (Doktorvater: Edmund Husserl) und Frauenrechtlerin Edith Stein (geb. 12. Oktober 1891 in Breslau) konvertierte 1922 von Judentum zur katholischen Konfession.

Edith Stein ca. 1920
Edith Stein ca. 1920

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Berlin Homosexualitäten

Gedenkstunde für in der NS-Zeit verfolgte Lesben

“Verschwiegen und Vergessen – Schicksale und Lebenswege lesbischer Frauen im Nationalsozialismus” – unter diesem Titel fand am 7. Mai 2014 am ‘Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen’ in Berlin die zweite Gedenkstunde für in der NS-Zeit verfolgte Lesben statt.

Annähernd 100 Personen nahmen an der Gedenkstunde teil, die nach 2013 bereits zum zweiten Mal am ‘Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen’ stattfand. Es sprachen Prof. Dr. Corinna Tomberger, Dr. Claudia Schoppmann / Sigrid Grajek sowie Prof. Dr. Sabine Hark. Musikalische Begleitung: Corinne Douarre.

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Hamburg

Stolperstein Hamburg Hartungstr. 7a – Johann-Nielsen Jebsen (akt.)

Gunter Demnig verlegte am 4. März 2014 in Hamburg Rothenbaum einen Stolperstein für Johann-Nielsen Jebsen.

Am 4. und 5. März 2014 war Gunter Demnig (2009 mit dem Erich-Mühsam-Preis ausgezeichnet) in Hamburg. Am 4. März verlegte er auf der Hartungstrasse (Eimsbüttel / Rotherbaum) einen Stolperstein für Johann-Nielsen Jebsen:

Stolperstein Hamburg Hartungstr. 7 - Gunter Deming bei der Verlegung am 4. März 2014
Stolperstein für Johann-Nielsen Jebsen, Hamburg Hartungstr. 7 – Gunter Deming bei der Verlegung am 4. März 2014

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Homosexualitäten

Josef Meisinger (1899 – 1947)

Josef Meisinger wurde am 14. September 1899 in München geboren und am 7. März 1947 in Warschau hingerichtet. Josef Meisinger war ab Errichtung 1936 bis in das Jahr 1938 Leiter der Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung – und damit neben Carl-Heinz Rodenberg eine der zentralen Figuren der Homosexuellen-Verfolgung in der NS-Zeit.

Nach zwei Jahren als Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg arbeitete Josef Meisinger zeitweise zunächst in München bei einer Bank, bevor er ab 1922 bei der Polizei München (zeitweise bei der ‘Sitte’) tätig war.

1923 beteiligte er sich aktiv am so genannten Hitlerputsch, wurde dafür mit dem ‘Blutorden der NSDAP‘ ausgezeichnet. Er trat im März 1933 in die SS sowie in die NSDAP ein. Ebenfalls im März 1933 wurde Josef Meisinger in die ‘Bayrische Politische Polizei’ versetzt, lernte dort u.a. Reinhard Heydrich kennen. Heydrich nahm ihn 1934 mit nach Berlin, Meisinger wechselte ab dem 1. Mai 1934 an das Geheimen Staatspolizeiamt (Gestapa). Dort war Meisinger zunächst ab Sommer 1934 als Kriminalrat Mitarbeiter, seit 1935 Leiter des Sonderdezernats II 1 (Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung).

Innerhalb der Gestapo machte Meisinger schnell Karriere und galt Stümke zufolge [4] “in Parteikreisen als ‘der gefürchtetste Kriminalist’“. Selbst sein Vorgesetzter Heydrich soll ihn als einen “abstoßenden Wuiderling” bezeichnet haben.

1935: Änderung §175, Aktennotiz Josef Meisinger
1935: Änderung §175, Aktennotiz Josef Meisinger (Referatsleiter IIS ‘Homosexualität und Abtreibung’)

Von ihrer Einrichtung 1936 bis 1938 war Josef Meisinger Leiter der ‘Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung’.

Josef Meisinger (um 1940), 1936-38 Leiter der Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung
Josef Meisinger (um 1940), 1936-38 Leiter der Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung

Rüdiger Lautmann charaktrisierte Meisingers Arbeit in dieser Zeit [1]:

Besondere Aktivitäten bei der Verfolgung homosexueller Männer entwickelte er in politischen Fällen, wie beispielsweise bei der Verhaftung von Mitgliedern der SA-Führung im Rahmen der Mordaktion Röhm 1934, bei den Sonderaktionen gegen katholische Geistliche und Laien im Zusammenhang mit den Sittlichkeitsprozessen 1936/37, bei den Aktionen gegen die Führung des Nerother Wandervogel 1937 (Oelbermann) sowie Anfang 1938 im Rahmen der Ermittlungen gegen Generaloberst Werner Freiherr v. Fritsch (Fritsch-Blomberg-Krise).”

Josef Meisinger beschriebt in einem Vortrag 1937 in Berlin sein Verständnis der ‘Arbeit’ der Homosexuellenverfolgung:

“Damit hat aber die Homosexualität die Grenzen einer rein kriminalistischen Betrachtungsweise überschritten und ist zu einem Problem von politischer Bedeutung geworden. Unter diesen Umständen kann es nicht Aufgabe der Polizei sein, die Homosexualität wissenschaftlich zu untersuchen. Sie kann höchstens die wissenschaftlichen Feststellungen bei ihrer Arbeit so weit als möglich beachten. Ihre Aufgabe besteht darin, die Bewegung der Homosexualität und ihre schädlichen Auswirkungen festzustellen, um damit die durch diese Erscheinung drohende Gefahr für Volk und Staat abzuwenden. Der Polizei wird auch nicht gesagt: Du darfst diesen Dieb nicht festnehmen, denn er könnte die Kleptomanie erworben haben. Ebenso wenig fragen wir – nachdem wir nun einmal den Homosexuellen als Staatsfeind erkannt haben – als Polizei und noch viel weniger als Politische Polizei danach, ob er sein Laster erworben hat oder ob es ihm angeboren ist.”

Aufgrund von Ermittlungsfehlern und schlechten Beurteilungen seiner Arbeit bei der ‘Affäre Fritsch’ (den Vorwurfs der Homosexualitäthatte Meisinger ‘recherchiert’ bzw. konstruiert) wurde Josef Meisinger im Frühjahr 1938 strafversetzt [3]. Zum Nachfolger Meisingers als Leiter der ‘Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung’ wurde Kriminalrat Erich Jacob berufen, als ‘wissenschaftlicher Leiter’ ab Juli 1943 der Neurologe und Psychiater Carl-Heinz Rodenberg.

Josef Meisinger war nach seiner Strafversetzung zunächst im Archiv des SD-Hauptamtes tätig und wurde im September 1939 Kommandeur der Sicherheitspolizei in Warschau. Hier veranlasste Meisinger Massenerschiessungen, die Ermordung Tausender Polen, und wurde unter dem Namen ‘Schlächter von Warschau’ gefürchtet.

Von  April 1941 bis Mai 1945 war Ernst Meisinger Polizeiverbindungsoffizier (Polizeiattaché)  an der deutschen Botschaft in Japan und Verbindungsoffizier zum japanischen Geheimdienst. Parallel ‘engagierte’ sich Meisinger bei der Judenverfolgung in Japan und in den von Japan besetzten Gebieten.

Am 6. September 1945 wurde Josef Meisinger in Yokohama von US-Kräften verhaftet und 1946 an Polen ausgeliefert. Der Oberste Volksgerichtshof Warschau verurteilte ihn zum Tod. Am 7. März 1947 wurde Josef Meisinger hingerichtet.

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Meisinger – der die ‘Bekämpfung der Homosexualität als ‘politische Aufgabe’ sah – ist eine der SS-’Figuren’ in Jonathan Littells Roman “Die Wohlgesinnten“.

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[1] in: Rüdiger Lautmann: Lexikon zur Homosexuellenverfolgung 1933 bis 1945
[2] Josef Meisinger Vortrag gehalten auf der Dienstversammlung der Medizinaldezernenten und –referenten am 5./6. April 1937 in Berlin
[3] Zu Meisinger in derFritsch-Blomberg-Affäre siehe u.a. Heinz Höhne “Der Fall Fritsch-Blomberg 1938” (Teil 2), Spiegel 6/1984
[4] Hans-Georg Stümke: Homosexuelle in Deutschland – eine politische Geschichte. München 1989

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Homosexualitäten

Carl-Heinz Rodenberg (1904 – 1995)

Carl-Heinz Rodenberg (Schreibweisen auch: Karl-Heinrich oder Karl-Heinz) wurde am 19.11.1904 in Heide geboren und starb 1995 im Odenwald. Carl-Heinz Rodenberg war ab 1943 wissenschaftlicher Leiter der Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung – und damit eine der zentralen Figuren der Homosexuellen-Verfolgung in der NS-Zeit.

Carl-Heinz Rodenberg studierte Medizin und promovierte 1930 an der Universität Marburg (Dissertation). Im April 1932 trat er der NSDAP sowie der SA bei und wurde 1933 Mitarbeiter des ‘Rassenpolitischen Amtes‘ der NSDAP. Bei der SS erreichte er später den Rang des ‘Obersturmbannführer’ (Offiziersrang, vergleichbar etwa einem heutigen Oberstleutnant).

Carl Heinz Rodenberg
Carl Heinz Rodenberg
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Homosexualitäten

Hans Hirschberg Hamburg 1912 – 1943

Hans Hirschberg starb am 28. Dezember 1943 im Alter von 31 Jahren – möglicherweise bei dem Versuch, nach der KZ-Haft wegen §175 seiner Verlegung in eine Tötungsanstalt zu entgehen. Seit 2012 erinnert ein Stolperstein an ihn.

Hans Hirschberg, Portrait aus Langenhorn 1936, StAHH 352-8_7, Abl. 1995_2, 22976
Hans Hirschberg, Portrait aus Langenhorn 1936, StAHH 352-8_7, Abl. 1995_2, 22976

Hans Hirschberg

Hans Kurt Albert Hirschberg wurde am 2. Februar 1912 in Altona [4] geboren. Hans Hirschberg lebte in Altona und im Hamburger Stadtteil St. Pauli.

Dort arbeitete er als Stricher / Strichjunge. Er wurde mehrfach verhaftet und kam 1938 in ‘Schutzhaft’ in das KZ Fuhlsbüttel (vgl. Beispiele aus dem KZ Neuengamme: Häftlingsart Homo). Aufgrund von Vergehen gegen den 1935 verschärften Paragraph 175 ((a), Ziffer 4, “gewerbsmäßige Unzucht”) wurde Hirschberg verurteilt.

Später wurde Hans Hirschberg als “schwachsinnig” in die Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn eingewiesen. Dort wurde er sterilisiert (s.u.). [1]

Hirschberg heuerte auf dem HAPAG-Versorgungsschiff ‘Oldenburg’ (8.597 BRT) an, das für die Wehrmacht fuhr. Auf diese Weise, hoffte er vielleicht, könne er aufgrund “Frontbewährung” vorzeitig aus Langenhorn entlassen werden. Möglicherweise wollte er sich so einer Verlegung aus Langenhorn in eine Tötungsanstalt entziehen [2].

Hans Hirschberg starb am 28. Dezember 1943 in der  Nordsee nördlich von Bergen / Norwegen (Stadlandet) auf dem Versorgungsschiff ‘Oldenburg’, das von einem Torpedo (des britischen U-Boots Seadog) getroffen wurde und sank.

Seit April 2012 erinnert ein Stolperstein an Hans Hirschberg, verlegt in Altona an seinem früheren Wohnort Gilbertstraße 24 (heutiger Straßenname [3], früher: Gustavstraße 24, II Stock).

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Stolperstein Hans Hirschberg

Stolperstein für Hans Hirschberg
Stolperstein für Hans Hirschberg

Der Text des im April 2012 verlegten Stolpersteins für Hans Hirschberg:

Hier wohnte
Hans Hirschberg
Jg. 1912
Mehrmals verhaftet
zuletzt 1938
KZ Fuhlsbüttel
eingewiesen 1938
Heilanstalt Langenhorn
„Frontbewährung“
Tot 28.12.1943

Lage des Stolpersteins für Hans Hirschberg
Lage des Stolpersteins für Hans Hirschberg

Im Erdgeschoß des Hauses, vor dem der Stolperstein Hans Hirschberg liegt, informiert seit Herbst 2018 eine (auf diesem Text basierende) Tafel über Hirschberg:

Stolperstein Hans Hirschberg – Infotafel

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Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn

Die Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn war Teil des nationalsozialistischen Euthanasie-Programms (siehe Mordaktion T4). Im Rahmen dieses Programms wurden zwischen 1933 und 1945 über 100.000 Menschen ermordet.

Die Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn war ab 1936 die einzige große Institution in Hamburg für psychisch Kranke. Sie war die zentrale ‘Drehscheibe’ in Hamburg für Deportationen in Tötungsanstalten. Mindestens 4.097 Fälle von Deportationen Geisteskranker und Behinderter (oder als solcher Erklärter) aus Langenhorn in Tötungsanstalten sind bisher dokumentiert. 3.755 von ihnen wurden ermordet.

Auf dem Gelände der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn befindet sich heute die Asklepios Kinik Nord – Ochsenzoll. Seit Mai 2009 erinnert dort eine Gedenktafel (vor Haus 42) an die Deportation und Tötung von Patienten.

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Sterilisation Homosexueller in der NS-Zeit

Die Sterilisation / Kastration Homosexueller war Bestandteil der ‘nationalsozialistischen Rassenhygiene’. Besonders eingesetzt für die Frage der Kastration Homosexueller hat sich Carl-Heinz Rodenberg, der dafür u.a. 1942 eine Anerkennung Himmlers für “überzeugende Aufsätze” erhielt. Rodenberg war ab Juli 1943 “wissenschaftlicher Leiter” der ‘Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung‘.

Bei Personen, die nach Reichsstrafgesetzbuch Paragraph 175 rechtskräftig verurteilt waren, konnten gemäß Änderungsgesetz vom 26. Juni 1935 (des “Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses”) Kastrationen vorgenommen werden, wenn “sie nach amts- oder gerichtsärztlichem Gutachten erforderlich” waren, um die Person “von einem entarteten Geschlechtstrieb zu befreien”, und wenn der Betreffende in diesen Eingriff ‘einwilligte’.

Viele verurteilte Homosexuelle stimmten “freiwillig” ihrer Kastration zu (sahen sich de facto dazu gezwungen), um einer (erneuten) Einweisung in Straflager oder KZ zu entgehen.

Ab 1942 wurden in KZ auch Zwangs-Kastrationen ‘legalisiert’.

Eine weitere Verschärfung wird ab 1942 geplant: das “Gesetz über die Behandlung Gemeinschaftsfremder” sieht vor, dass Zwangs-Sterilisation / Zwangs-Kastration / Entmannung nun vom Richter bei Verurteilungen nach den §§ 175 und 175a (als so genannte ‘Sittlichkeitsverbrecher’) angeordnet werden kann ohne ärztliches Gutachten und ohne Einwilligung des Betroffenen. Nach Erarbeitung mehrerer Entwürfe bis 1944 soll das Gesetz per 30. Januar 1945 in Kraft treten, kriegsbedingt kommt es nicht mehr dazu.

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Schöpfer des Projekts Stolpersteine ist der Künstler Gunter Demnig.
Die Hamburger Initiative ‘Stolpersteine für homosexuelle NS-Opfer’ wurde von Bernhard Rosenkranz † und Ulf Bollmann Anfang 2006 ins Leben gerufen.

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Lesezeichen:
“Wege in den Tod – Hamburgs Anstalt Langenhorn und die Euthanasie in der Zeit des Nationalsozialismus”, Hamburg 1993
Hinz&Kunst 29.04.2010: Von der Kneipe ins KZ

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[1] Quellen im Staatsarchiv Hamburg sind vor allem eine Strafakte (213-11, 2839/36 und eine Patientenakte der Staatskrankenanstalt Langenhorn,352-8/7, Abl .1995/2 Nr. 22976.
[2] Die Gefahr der Verlegung aus Langenhorn in eine Tötungsanstalt war auch für Homosexuelle konkret, vgl. zum Beispiel Schicksal Alfred Beckmann
[3] Als Spätfolge der Altonaer Eingemeindung von 1937 wurden um 1950 zahlreiche Straßen in Altona umbenannt.
[4] Altona war damals eine selbständige Stadt in Holstein, kam erst im April 1937 mit dem Groß-Hamburg-Gesetz zu Hamburg

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Danke an Ulf Bollmann / Initiative „Gemeinsam gegen das Vergessen – Stolpersteine für homosexuelle NS-Opfer“ für Informationen zu Hans Hirschberg.

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Bordeaux Frankreich Homosexualitäten

Bordeaux: Homosexuelle von Gedenk-Veranstaltung an Deportation ausgeschlossen

In Frankreich wurde am Sonntag der Gedenktag für die Opfer der Deportation begangen. In Bordeaux wurden 2013 – anders als in anderen Städten Frankreichs – Homosexuelle von der offiziellen Gedenkveranstaltung ausgeschlossen. 2014 war eine Teilnahme dann möglich.

Bordeaux am vergangenen Sonntag: in erster Reihe bei der offiziellen Gedenk-Veranstaltung an die Deporation: Vertreter der Veteranen-Verbände, Staats-Funktionäre, Würdenträger. Ganz hinten, allerletzte Reihe, weit abgedrängt, nicht eingeladen, nicht in Reden erwähnt Homosexuelle. Dieses traurige Bild bot eine Gedenkveranstaltung an die Deportation, die am Sonntag 28. April 2013 in Bordeaux stattfand.

Roger Joly, Präsident der Nationalen Vereinigung der Deportierten, hält die Rede. Spricht von der Deportation vieler Franzosen durch NS-Besatzer und hilfswillige französische Behörden. Erwähnt Widerstandskämpfer, Juden, Roma und Sinti. Er erwähnt mit keinem Wort: Homosexuelle.