Kaffee auf die Hand

Zuletzt aktualisiert am 30. Oktober 2010 um 15:47

„Macht dann 1 Euro 15“.
Frank will gerade seinen Kaffee im Bahnhof bezahlen.

Ich stutze, „wieso, da steht doch der Becher Kaffee kostet einen Euro?“, frage ich die junge Verkäuferin irritiert.
Und erfahre „ja, da kommt aber ja noch der Becher zu, da nehmen wir 15 Cent für.“
Nun stutzen wir beide.

Schauen sie an, offensichtlich so ratlos, dass sie sich bemüht fühlt zu ergänzen „na, wir müssen die Becher ja auch bezahlen“.

Wir schauen den wertvollen Becher an. Weißer Kunststoff, kaum Festigkeit vermittelnd, die Wärme des Kaffees hält er eh nicht ab (in den USA wäre dieser Becher schon wieder ein Prozess-Risiko).

Wir sehen uns kopfschüttelnd an.
„Wie, 15 Cent für den Becher, echt?“, fragt Frank schließlich bass erstaunt.

„Jaahahah“, antwortet sie, die Stimme leicht singend, am Ende kann man das Ausrufezeichen deutlich hören.

„Und, bekomm’ ich den Kaffee auch ohne den Becher?“, fragt Frank. Ich kenne diesen leichten Anflug von Ironie in seiner Stimme.
Keine Reaktion, nur dieser sehr deutliche Blick, ‘nun zahlen Sie aber mal langsam, ich hab noch zu tun’.
Frank legt einen Euro fünfzehn auf den Tresen. Wir sagen kein Wert mehr, gehen.

Und lernen, man kann Kaffee anscheinend auch ohne Becher kaufen.
‘Einfach so auf die Hand’ hab ich bisher ja nur gesagt, wenn ich ein Stück Kuchen sofort essen wollte – aber vielleicht gilt das ja auch für Kaffee?’, meint Frank, als wir in den Zug steigen, in einem Tonfall irgendwo zwischen resigniert und amüsiert.

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