NAPWA nationale US-HIV-Positiven-Organisation erklärt am 14.2.2013 Bankrott (akt.)

Die US-Positiven-Organisation NAPWA National Association of People With AIDS erklärte am 14. Februar 2013 nach knapp 30 Jahren Bestehen ihre Insolvenz.

Schulden von über 750.000 US-$ – knapp 30 Jahre nach ihrer Gründung in Denver muss die US-Positivenorganisation NAPWA ihren Bankrott erklären. Die Gruppe habe bereits bei den Behörden die entsprechenden Erklärungen abgegeben und werde liquidiert, erklärte Tyler TerMeer, Leiter des Kuratoriums der NAPWA. Schon seit mehreren Monaten soll NAPWA sowohl Löhne und Gehälter als auch Mieten schuldig geblieben sein. Der bisherge NAPWA-Chef Frank Oldham war im November mit Wirkung zum Ende 2012 ausgeschieden.

Die NAPWA wurde im Sommer 1983 zur Umsetzung der ‘Denver-Prinzipien’ gegründet. Die Denver Prinzipien gelten als erstes kraftvolles Statement einer Selbsthilfe-Bewegung von Menschen mit HIV und Aids. Die NAPWA bezeichnete sich selbst als die größte Organisation von Menschen mit HIV in den USA.

National Association of People With AIDS, Logo (NAPWA)
National Association of People With AIDS, Logo (©NAPWA)

In der Präambel der Denver-Prinzipien wurde 1983 formuliert

We condemn attempts to label us as ‘victims,’ a term which implies defeat, and we are only occasionally ‘patients,’ a term which implies passivity, helplessness, and dependence upon the care of others. We are ‘People With AIDS.’”
(“Wir verurteilen alle Versuche, uns als Opfer zu bezeichnen, ein Begriff der Niederlage beinhaltet. Und wir sind nur gelegentlich Patienten, ein Begriff, der Passivität, Hilflosigkeit und Abhängigkeit von der Hilfe anderer beinhaltet. Wir sind ‘Menschen mit AIDS.“)

Die NAPWA ist bei US-Aktivisten seit längerer Zeit in der Kritik. 1998 rief die Organisation den ‘National HIV Testing Day’ (NHTD) ins Leben und konzentriert sich seitdem stark auf HIV-Tests.

Bereits Anfang Dezember 2012 hatte der US-Aids-Aktivist Michael Petrelis spekuliert, ob die NAPWA “am Zusammenbrechen” sei. Petrelis bemerkte bereits damals, die NAPWA sei de facto keine Community-basierte Organisation mehr. Er kritisierte deren enge Zusammenarbeit mit der US-Gesundheitsbehörde CDC sowie der Pharmaindustrie und ihre starke Fokussierung auf HIV-Tests.  Zudem drohten, so Petrelis, Ermittlungen gegen NAPWA wegen steuerlicher Probleme. Petrelis äußerte damals die Hoffnung, ein Zusammenbruch der NAPWA werde Raum eröffnen für eine wirklich von US-Positiven getragene nationale Positiven-Organisation.

Sean Strub, US-Aktivist und Gründer von ‘POZ’, hatte noch im Oktober angesichts der Ankündigung des Abgangs des bisherigen Chefs von der Chance für einen Neuanfang für die auch von ihm kritisierte Organisation gesprochen. Auch Strub bemerkte, NAPWA habe in den vergangenen Jahren die breite Unterstützung der Community gefehlt, die erforderlich gewesen wäre um ein machtvoller Akteur in der nationalen Aids-Politik zu sein. Die veränderten Realitäten erforderten auch eine Neu-Justierung bei den Positiven-Organisationen.

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Sean Strub 11.10.2012: NAPWA at a Crossroads: What’s Next?
Michael Petrelis 02.12.2012: NAPWA Collapsing? – People With AIDS Need New Group
NAPWA 14.02.2013: NAPWA Announces Suspension of Operations and Bankruptcy Filing
Washington Blade 15.02.2013: AIDS group NAPWA declares bankruptcy
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Dieser Text ist erschienen als Meldung der Deutschen Aids-Hilfe 20.2.2013: USA: Nationale HIV-Positiven-Organisation bankrott

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einer der beiden 2mecs. Schwulenbewegt, Aids- und Therapie-Aktivist. Von 2005 bis 2012 Herausgeber www.ondamaris.de Ulli ist Frankreich-Liebhaber & Bordeaux- / Lacanau-Fan. Mehr unter 2mecs -> Ulli -> Biographisches
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4 Gedanken zu „NAPWA nationale US-HIV-Positiven-Organisation erklärt am 14.2.2013 Bankrott (akt.)“

  1. “Petrelis bemerkte bereits damals, die NAPWA sei de facto keine Community-basierte Organisation mehr.”

    Wenn man – die Community” dieser Art der Veränderung nichts mehr entgegensetzt dann ist so etwas zwangsläufig die Folge.

    Inhaltlich hat sich an den Denver Prinzipien “Nicht über uns – Mit Uns!” nichts geändert.

    Andererseits wenn sich “Der Einzelnen i.e. der HIV Positive die in der Summe die Betroffenen bilden” nicht bewegt heißt das “Everything ´s fine and well”. Dann ist solch eine – jede ähnliche eine Community repräsentierende Organisation bzw mit dem Anspruch dies zu tun in der Tat überflüssig.

    Zurück zum Einzelkämpfer . . . .

    1. Nun, es muss nicht zwingend ‘zurück zum Einzelkämpfer’ bedeuten – sondern kann auch zur Bildung einer neuen Positiven-Organisation führen.

      Generell weist es wohl darauf hin, dass wir die Entwicklung “unserer” Organisationen (auch: selbst-) kritisch im Auge behalten sollten

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